Fenster aufreissen. Mief raus, Frische rein. Stosslüften wirkt Wunder. Auf meinem Youtube-Channel gibt es in 100 Sekunden Inspirationen und Tipps, wie Sie Ihren Arbeitgeberauftritt stosslüften. Und hier auf dem Blog gibt es die Zusatzinfos dazu. Heute: Keine Angst vor Mitarbeiterfeedbacks. Drei Tipps für den souveränen Umgang mit Kununu.    

 

 

Kununu. Diese 6 Buchstaben lösen bei manchem Personaler einen roten Kopf aus. Mag sein, dass die Art und Weise, wie Kununu zu seinem Gold, sprich Bewertungen kommt, manchmal als etwas aggressiv empfunden wird (Stichwort: Kurzbewertungen). Kununu ist aber vermutlich vielen ganz einfach lästig. Verständlich, die Zeiten der Einwegkommunikation, als die Unternehmen die uneingeschränkte Informationshoheit hatten, waren irgendwie halt schon auch schön…

Aber alles halb so schlimm. So gehen Sie professionell mit Kununu um:

 

Tipp 1: Alles Einstellungssache

Verstehen Sie Kununu ganz einfach als Chance. Ist es nicht grossartig, wenn aktuelle und ehemalige Mitarbeitende Feedback über die Stärken und Schwächen Ihres Unternehmens geben? Was will man mehr? Ich denke, Kununu ist für Personaler vor allem eine Einstellungssache. Versteht man es einfach als Störenfried oder Klageboard frustrierter Mitarbeiter? Oder als Plattform, um in den Dialog mit seinen Zielgruppen zu treten? Wer letztere Sichtweise wählt, fährt meines Erachtens gut. Wie Hotels und Restaurants (und Ärzte, Zahnärzte, Anwälte, Handwerker) müssen nun halt auch wir HR’ler lernen, mit Kundenfeedbacks umzugehen. «In Reklamationen liegen Chancen», habe ich vor Jahrzehnten einmal gelernt. Warum soll das im HR nicht gelten? Die Einstellung der Grossbäckerei JOWA zu Feedbacks von Mitarbeitenden und Bewerbern wird auf der Karriere-Seite unmissverständlich klar: Das «Kununu-Score» ist unübersehbar eingebunden.

 

Jowa

 

 

Ziemlich mutig, oder? Ich habe bei Sebastian Kuhn, zuständig für das Employer Branding beim Migros Tochterbetrieb, nachgefragt. Er bestätigt: «Ein bisschen Mut brauchte es schon – schliesslich kenne ich persönlich kein Unternehmen, welches seine kununu Ergebnisse so prominent platziert. Für uns ist die Einbindung auf unsere Karriere-Webseite ein weiterer, konsequenter Schritt im Rahmen unserer Employer Branding Strategie

 

Tipp 2: Den Dialog aufnehmen

Richtig «eingestellt», lassen Sie einfach los. Nehmen Sie die Steilpässe Ihrer Feedbackgeber  an und kommentieren Sie vor allem die kritischen Feedbacks. Ab und an auch einen positiven Beitrag, ja, auch. Nur können Sie ja schlecht bei jedem Lob sagen: «Vielen Dank, wir freuen uns, schön dass es Ihnen /Dir bei uns gefällt.» Also, Fokus auf die kritischen Rückmeldungen. Nur keine Angst, nehmen Sie das negative Feedback gelassen. Überlegen Sie selbstkritisch, was daran sein könnte. Spiegeln Sie die Meinung allenfalls auch intern in die betreffende Stelle weiter. Gehen Sie beim Kommentieren unbedingt auf das Geschriebene ein. Zeigen Sie auf, was Sie tun, um an den Schwachstellen zu arbeiten. Und: Sagen Sie einfach Pardon, wenn offensichtlich irgendwo der Wurm drin hat. Haben Sie keine Angst: Selbstkritik kommt gut an und niemand erwartet (und glaubt!), dass bei Ihnen alles eitel Sonnenschein ist. Und noch ein Hinweis: Der Feedbackgeber kann auf Ihre Stellungnahme nicht wieder antworten. Ein Endlosdialog mit dem Risiko, dass sich beide Seiten in etwas ähnliches wie einen Shitstorm hineinsteigern, ist also ausgeschlossen. Holen Sie stattdessen weiteren Gesprächsbedarf zurück in die «Privatsphäre» und bieten Sie an, den Dialog am Telefon oder in einem persönlichen Gespräch weiterzuführen.

Tipp: Achten Sie auf Kununu darauf, wie der Schweizer Versicherer HELVETIA mit kritischen Feedbacks umgeht. Wenn Sie sich daran orientieren, dann lernen Sie von den Besten. Grosses Kompliment an Reto Müller und sein Team.

Helvetia

 

 

 

Tipp 3: Tun

Das Tolle am Kommentieren: Es kostet nichts. Ich habe extra für Sie zur Sicherheit noch einmal nachgefragt. Johannes Prüller, Pressesprecher von Kununu, bestätigt: «Die Kommentarfunktion ist kostenlos, unabhängig davon, ob das Unternehmen ein Bezahl-Profil bei uns hat oder nicht. Anders würde es der Transparenz-Idee von kununu widersprechen.» Also, das nenn ich mal eine klare Ansage.

Unter Personalern immer wieder zu reden gibt die Zuständigkeit. Sprechen Sie sich also mit den Kommunikationsverantwortlichen (allenfalls: Marketing) ab. Meine Empfehlung: Selber schreiben – es sind schliesslich Ihre Zielgruppen. Und wenn Sie unsicher sind, bitten Sie die Kommunikationsprofis doch einfach, Ihren Antwortentwurf zu redigieren. So gewinnen Sie mit jedem Post an Sicherheit.

Sorgen Sie auch dafür, dass Sie in einem guten Licht dastehen. Bitten Sie Ihre Mitarbeitenden und vielleicht auch die Bewerber um ein Feedback. Je mehr positive Feedbacks, desto weniger fallen einzelne negative Rückmeldungen ins Gewicht. Diese pro-aktive Einholen von Rückmeldungen praktiziert auch die JOWA. Sebastian Kuhn: «Wir ermuntern unsere Mitarbeitenden, eine ehrliche und authentische Bewertung der JOWA als Arbeitgeberin abzugeben. Seit kurzem sprechen wir unsere Bewerbenden auch aktiv auf eine Bewerbungsbewertung an. Wir wollen uns und unsere Prozesse kontinuierlich verbessern – dies gelingt uns nur, wenn wir ein offenes und authentisches Feedback erhalten.»

Beachten Sie künftig auch die weiteren 100 Sekunden Frechmut – Tipps auf meinem Youtube-Channel.