Eine Bewerbung ist ein Angebot eines Arbeitssuchenden an einen Arbeitgeber zur Begründung eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses. Zugegeben: Ein wenig sperrig umschreibt Wikipedia, was eine Bewerbung ist. Vielleicht aber auch durchaus passend: In den letzten Jahrzehnten hat sich wenig verändert. Motivationsschreiben. CV. Zeugnisse. Diplome. Send and pray. Warum den Spiess nicht einmal umdrehen und daraus eine hübsche Personalmarketing-Idee machen? Umdenken ist schliesslich nicht verboten.

War da nicht einmal etwas mit einem Arbeitnehmermarkt? Mit Fachkräftemangel und Talenten, die sich ihren Arbeitgeber aussuchen? Nun, wenn sich zumindest in einigen Branchen der Wind gedreht hat, müsste dann die Wikipedia-Definition nicht ganz einfach lauten:

Eine Bewerbung ist ein Angebot eines Arbeitgebers an einen Arbeitssuchenden zur Begründung eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses.

Eigentlich logisch, oder?

 

Ein Abschied als Anfang einer Idee

Katharina von Wyl war bis vor kurzem meine Mitarbeiterin, eine vorzügliche notabene. Darum habe ich ihr zum Abschied auch einen hübschen Kaffeelöffel geschenkt, aber das ist eine andere Geschichte. Ihr Abschiedsgeschenk an mich war zugegebenermassen um einiges kreativer: Sie schenke mir nämlich ein Arbeitszeugnis. Ein Chefzeugnis, wie sie es nannte.

Dort listet sie nach allen Regeln der Zeugniskunst auf, wie ich so war. Clever wie sie ist, ein sehr wohlwollendes Zeugnis. Ich vermute, sie fürchtete den Gang vor Arbeitsgericht. Kurzum, ich bin ganz zufrieden mit der Einschätzung Katharinas, sähe mich zwar im einen oder anderen Punkt durchaus noch etwas besser benotet, ist aber ganz okay… (kleiner Scherz).

Weil ich Neugierde als eine wichtige Eigenschaft für Personaler/-innen und überhaupt für meine geschätzte Leserschaft betrachte, will ich Ihnen das Dokument nicht vorenthalten.

 

 

Nun, das Zeugnis hat mich nicht nur einfach gefreut, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Und inspiriert, eine Arbeitgeberbewerbung im engeren Sinne einmal durchzuspielen.

 

Das Arbeitgeberbewerbungsdossier

Was also, wenn sich pfiffige Unternehmen (auf ihrer Karriere-Webseite zum Beispiel) mit einem kompletten Bewerbungsdossier bewerben würden?

  • Mit einem Anschreiben, das die Motivation der Chefin oder des Chefs zur langjährigen Zusammenarbeit beschreibt.
  • Mit einem CV, der die wichtigsten Stationen in der Unternehmensentwicklung chronologisch auflistet – inklusive der Zusammenfassung der dabei gesammelten Learnings.
  • Mit Chefzeugnissen aktueller und ehemaliger Mitarbeitenden.
  • Und mit Zertifikaten und Diplomen, die belegen, dass man nicht stehen geblieben ist. Also zum Beispiel Auszeichnungen von B wie Best Recruiters bis G wie Great Place to Work. Das ganze Universum an Auszeichnungen halt. Auch Zertifikate dürften nicht fehlen, zum Beispiel für besonders familienfreundliche Anstellungsbedingungen, Gleichstellungsbemühungen und Lohngleichheit. Et cetera pp.

Manchmal ist es herrlich befreiend, Ideen zu spintisieren und eingeschliffene Verhaltensweise auf der grünen Wiese neu zu denken. Das mit der „grünen Wiese“ habe ich übrigens für mein 100-Sekunden Frechmut Video wörtlich genommen.

 

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