Es ist schlichtweg eine medizinische Sensation: Erstmals gebärt ein Mann ein Baby, und das nach nur gerade vier Monaten Schwangerschaft – aber immerhin zwanzig Jahren Vorbereitung. Mindestens beschreibt ex-Monster Schweiz Chef Michel Ganouchi so die Geburtsstunden seines Babys, der Beratungsfirma Recruma. Zu diesem freudigen Ereignis spendiere ich anstelle von Strampler und Nuggi ein 200 Sekunden Time-Out.

Michel, herzlichen Glückwünsch zum Nachwuchs. Wobei… der Name ist schon etwas komisch, warum nicht ein „normaler“, schöner Name wie zum Beispiel Jörg (oder so)?

Michel Ganouchi: „Danke für die Glückwünsche. Das mit dem Namen ist eigentlich ganz einfach. Recruma ist die Zusammenfassung meiner Mission: Recruitment und Marketing müssen enger Zusammenarbeiten und ganzheitliche Konzepte entwickeln, um die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes meistern zu können. Dies wird bereits im Firmennamen reflektiert.“

Wie siehst Du denn den Markt Schweiz? Sind die Schweizer HR-Verantwortlichen reif für Social Media, innovative Rekrutierungskanäle und für Recruma?

Michel Ganouchi: „Unternehmen stehen diesbezüglich in komplett unterschiedlichen Reifegraden. Dies ist stark abhängig von der Unternehmenskultur und der Bereitschaft, sich Veränderungsprozessen zu stellen. Immer mehr Firmen erkennen jedoch die Notwendigkeit, sich in Richtung Offenheit und Transparenz zu entwickeln und probieren derzeit neue Vorgehensweisen. Das unterstütze ich komplett. Dabei geht es mir aber nicht nur um das Einbinden von Social Media in den Rekrutierungsprozess oder die HR-Kommunikation. Firmen müssen Ihre USPs als Arbeitgeber erkennen, schärfen und gegen innen wie aussen kommunizieren. Ganz im Rahmen eines zukunftsfähigen Employer Brandings. Dabei spielen Social Media sicherlich eine Rolle. Aber bei weitem nicht die einzige.“

Du warst lange Monster Schweiz Chef. Wie siehst Du die Zukunft der Stellenbörsen in der Schweiz?

Michel Ganouchi: „Die Schweiz befindet sich durch die Übermachtsstellung von jobs.ch in einer Ausnahmesituation. Wenn es um Reichweite geht, kommt man beinahe nicht an ihnen vorbei. Ich frage mich aber, wie die Performance von Anzeigen ist, wenn faktisch alle verfügbaren Anzeigen bei ihnen abgebildet werden. Zudem sprechen nicht alle Zielgruppen gleich gut auf Online Anzeigen an. Deshalb werden auch sie ihr Angebot weiter entwickeln und haben ja bereits erste Schritte in diese Richtung getan. Jobbörsen müssen sich also profilieren und Kunden Mehrwerte anbieten können, die die Kosten rechtfertigen. Vertikale Jobbörsen, die in ihrer Zielgruppe stark verankert sind, werden weiterhin bestehen, wenn sie nichts falsch machen. Insgesamt wird der Markt aber fragmentierter und der Anteil „neuer“ Vorgehensweisen (Business Netzwerke wie Xing und LinkedIn, Empfehlungsplattformen wie Silp und Buddybroker, Job-Crawler à la Indeed, auch Facebook mit Einführung der kommenden Graph Search) wird stark zunehmen.“

Wie rekrutieren wir 2020, Michel?

Michel Ganouchi: „Alle erkennbaren Faktoren bestätigen, dass es schwieriger wird, passende Kandidaten zu finden (Stichwort Kandidaten-markt, demografische Veränderung). Kandidatenknappheit wird zum wichtigen Thema auf Managementstufe. Dies begünstigt Anpassungen veralteter Strukturen und Rollen und wirkt sich auf Vorgehensweisen im HR und insbesondere der Rekrutierung aus. Der Recruiter der Zukunft ist Markenambassador, Community Manager, Storyteller, Mediaplaner und Kommunikationsexperte in Personalunion. Also eher Verkäufer und Marketeer als traditionelle/r HR Fachmann/Frau. Das Berufsbild wird sich wandeln. Die Netzwerkeffekte werden zunehmen. Empfehlungen und Beziehungsmanagement zu Mitarbeitern und anderen Stakeholdern zentral. Entsprechend wächst auch die Bedeutung der Kommunikation und damit das Nutzen von Social Media. Womit wir wieder am Anfang wären…“

Vielen Dank, lieber Michel, und viel Erfolg!

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