Wenn die Migros – in meinen Augen eigentlich ja gar keine Firma, sondern eine Institution – wenn also die Migros zu einer geheimnisvollen „Sneak-Preview“ lädt, dann lässt man sich nicht zweimal bitten. Doch was will mir die Migros vorab zeigen? Geht es um eine Antifaltencrème für Personaler? Eine neue Tönung, die graue Haare virtuell einfärbt? Oder um ein geheimes Kreativitätsserum? Oder ist das Datum, der 9. November, gar am Ende bewusst gewählt? Schliesslich ist dann der Zukunftstag.

Tatsächlich gehört zum Empfangskomitee am Zürcher Limmatplatz auch die 14-jährige Zoë, die ihr Gotti, Mediensprecherin Martina Bosshard, an das Meeting begleitet und dieses im Beitragsbild gekonnt künstlerisch festhält. Ein echtes Talent und genau darum geht es schliesslich dann auch. Um das künftige Herzstück der Talentsuche der Migros, die neue Karriereplattform, die ab sofort live ist. Doch zuerst eine kleine Rückblende:

Im Sommer letzten Jahres untersuchte ich zusammen mit Professor Dr. Wolfgang Jäger und Sebastian Meurer den Arbeitgeberauftritt der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber. Das Resultat viel zwiespältig aus: Etwa zwei Dutzend der Unternehmen werben schon richtig gut um neue Talente. Beim Rest scheint man sich im Lamentieren um den Fachkräftemangel durchaus wohl zu fühlen und das Jammern dem Tun vorzuziehen. Vor allem die öffentliche Hand fällt durch lustloses Werben um Fachkräfte auf bzw. ab. Daran hat sich nur wenig geändert – Personalmarketing scheint bei den ganz grossen Arbeitgebern noch immer nicht auf der Agenda angekommen zu sein. So wirbt der Kanton Zürich noch immer mit pdf-Broschüren und die Stadt Zürich begeistert händeringend gesuchte Informatiker damit, dass sie deren Leistung mit „zeitgemässen Anstellungsbedingungen honoriert.“ Wow! Würden sie sich doch bloss eine Scheibe vom Frechmut der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein oder dem im wahrsten Sinne liebevollen Auftritt der Stadt Freiburg abschneiden.

Derweil sich die einen in die nächste Weihnachtsbrücke retten, bauen die Besten an der Spitze ihre Führung weiter aus. Die Swisscom, in der Studie als das Unternehmen mit dem zweitbesten Arbeitgeberauftritt der Schweiz geadelt, legte nur wenige Tage später mit einem sensationell gut gemachten Relaunch der Karriere-Webseite nach. Und die 2016er Gewinnerin Migros? Die beschert sich kurz vor Weihnachten grad selber und legt den an einem Job beim orangen Riesen Interessierten einen brandneuen Arbeitgeberauftritt unter den Christbaum. Und dieser hat es in sich.

Der November war in meiner Kindheit immer ein toller Monat. Da flatterten die Kataloge mit den Spielwaren ins Haus und liessen mich träumen (und auf ein grosszügiges Christkind hoffen). Etwas länger, rund 18 Monaten lang, träumte das Employer Branding Team der Migros-Gruppe von dieser Vorweihnachtszeit 2017. So lange ( und 1‘945 Personentage, 400 Powerpoint-Präsentationen, 2‘500 HTML Seiten und 600 User Stories für die Konzeption) arbeitete die sympathische Tessinerin Micol Rezzonico mit ihrem Team, externen Agenturen und den HR-Verantwortlichen der Migros-Gruppe am neuen Webauftritt für die Berufswelt der Migros-Gruppe. Das Resultat mit den Namen Migros-Gruppe Arbeitswelt verdient grossen Respekt.

Die Migros ist mit als 100‘000 Mitarbeitenden die grösste Arbeitgeberin der Schweiz. Die über 60 Unternehmen und Geschäftsbereiche der Migros-Gruppe schreiben monatlich rund 600 Stellen aus und stellen im Sommer jeweils 1500 Lernende in 50 Berufen an. Für die Schweiz sind das gigantische Zahlen. Doch das alleine macht einen informativen und einheitlichen Arbeitgeberauftritt für einen Marketing- und Kommunikationsprofi wie Micol Rezzonico noch nicht speziell anspruchsvoll. Das Potenzial, sich die Zähne auszubeissen, hat die Struktur der Migros Gruppe. 10 unabhängige Genossenschaften und 60 Betriebe mit einem eigenständigen Marken- und Arbeitgeberauftritt sind an sich ein fast unlösbares Problem. Das wird hier deutlich:

 

 

Eigentlich fast unlösbar. Aber nur eigentlich – denn sie haben es wirklich geschafft. Dem EB Team der Migros ist es gelungen, alle Beteiligten für die Idee eines einheitlichen Gruppenauftritts zu begeistern und auf ihr Ziel einzuschwören. Das Resultat ist jetzt online.

Die Migros tritt jetzt noch prägnanter auf und überzeugt mit einer hervorragend strukturierten, einheitlichen Karriere-Webseite für die gesamte Migros-Gruppe. Was zuallererst auffällt: Die Farbe ist grün und nicht das legendäre Migros-Orange. Eine Hommage an die kultige M-Budget-Linie? „Oh nein, das sicher nicht“, lacht Micol Rezzonico, Leiterin Employer Branding und erzählt: „Der Auftritt gilt für alle Unternehmen der Gruppe und nicht nur für das sogenannte „orange M“ (Supermärkte). Daher haben wir bewusst auf die orange Farbe, ausser natürlich im Logo, verzichtet. Das war eine grössere Herausforderung, aber wir konnten alle Stakeholder von dieser Lösung überzeugen.“

 

Clever am neuen Karriereportal ist der fast schon mit einer gewissen Leichtigkeit gelungene Spagat zwischen einer einheitlichen Struktur über alle Migros-Betriebe hinweg und der Identität der einzelnen Marken. Nehmen wir die Berufswelt des Discounters Denner. Die „Roten“ gehören seit einigen Jahren der Migros. Ihr Arbeitgeberauftritt überzeugt mich schon seit längerem mit seinen vielen „ungekünstelten“ Mitarbeitertestimonials und der authentischen Bildwelt.

 

Als Jobinteressierter gelange ich wie bisher direkt über denner.ch zur Berufswelt oder über den Slider auf dem Portal der Migros-Gruppe.


 

Alle Informationen sind in allen Unternehmungen gleich strukturiert, was die Benutzerführung einfach und logisch macht. Die Struktur der einzelnen Unternehmensseiten ist also einheitlich, die Farbgebung und auch die Tonalität der (An-) Sprache ändert sich jedoch und passt sich dem Unternehmen an. Gut zu erkennen am Online-Versandhändler Digitec Galaxus. Dieses junge Unternehmen hat eine Du-Kultur und einen speziell unkomplizierten Umgang. Das kommt auch in der Sprache zum Ausdruck, hier wird auch gegen aussen geduzt.

 

Das ist richtig gut gemacht: Eine Familie und doch hat jedes Familienmitglied seine eigene Identität. Toll gelöst!

Auch der Stellenmarkt ist top. Obwohl mit über 600 Stellen prall gefüllt, ist er übersichtlich gestaltet und die Stellen lassen sich ganz einfach nach seinen Wünschen sortieren. Sofort wird klar, welcher Migros-Betrieb die Stelle anbietet.


 

 

Für alle Zahlenfetischisten noch zwei imposante Zahlen:

  • Die Migros zeigt Menschen und Berufe mit 272 Mitarbeitertestimonials in Form von Bilder- oder Videogeschichten.
  • Das Karriereportal enthält 17‘288 Bilder.

 

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