Eine neue, globale Studie von Manpower steht ganz im Zeichen der ‚Millennials’. Als bereits mittelprächtig Ergrauter habe ich Caroline Stadelmann – altersmässig perfekt in der Zielgruppe der Generation Y – gebeten, sich die Erkenntnisse einmal etwas zu Gemüte zu führen. Also, let’s go Caroline!

Okay Jörg, wird gemacht. Sie, liebe Leserinnen und Leser, denken jetzt vielleicht: Oh Gott, nicht schon wieder. Die kennen wir doch langsam, diese Studien. Interessant bei dieser ist aber das Angehen des Themas ‚Generation Y’. Manpower wagt einen Blick ins Jahr 2020. Sinn und Zweck sind klar: In bereits vier Jahren, also 2020, sind mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer Millennials. Logisch, dass man sich heute dieser Generation annehmen muss, wenn man im Talent- und Arbeitsmarkt auch in Zukunft eine gute Figur machen will. Die Studie will verstehen wie meine Generation „tickt“. Was unterscheidet sie von anderen Generationen – oder was eben nicht? Manpower entrümpelt die Stereotypen-Kiste einer gar nicht so verschiedenen Generation.

 

VOLLZEIT + LERNEN = WEITERENTWICKLUNG

Was haben Schweizer, Chinesen, Deutsche und Mexikaner gemeinsam? Nein, sie essen nicht alle gerne Reis. Aber sie sind alle besonders zuversichtlich eingestellt, was ihre beruflichen Aussichten angeht. In der Schweiz sind es 72% der Millennials, ein absoluter Spitzenwert!

77% der Schweizer Millennials arbeiten Vollzeit und 73% möchten das auch in Zukunft so tun. Unter Vollzeit verstehen die Millennials ein Arbeitsmodell, welches ihnen immer wieder neue Herausforderungen und regelmässige Veränderung bietet – und nicht einfach eine Prozentzahl. Dadurch sieht die Generation Y ihre Karriere vorankommen. Ausserdem sind sie äusserst lernbereit. In die Erweiterung und die Anpassung ihres Know-Hows sind Millennials bereit, eigenes Geld und eigene Freizeit zu investieren. Lernen ist wichtig. Berufliche Entwicklung hängt beispielsweise für 52% mit guter Leistung in der derzeitigen Tätigkeit zusammen. Nur für 14% ist das Vitamin B (B für Beziehungen) noch für Karriereerfolg verantwortlich.

 

LANGE ARBEITEN (MIT UNTERBRECHUNGEN, VERSTEHT SICH)

Allen Millennials gemeinsam ist, dass sie sich auf eine längere Karrieredauer eingestellt haben. Japaner glauben sogar zu 37%, bis an ihr Lebensende schuften zu müssen. In der Schweiz sieht man das Ganze etwas gelassener: Nur 8% glauben, dass sie bis zum Umfallen arbeiten müssen. Trotzdem erwartet mit 53% die Mehrheit ihren Ruhestand erst nach dem 65. Lebensjahr. Die Schweizer Millennials wissen also, dass sie länger arbeiten müssen. Aber damit nicht genug – sie arbeiten nicht nur länger, sondern auch mehr. Im Durchschnitt sogar 48 Stunden die Woche. Das ist die längste Arbeitswoche in Europa. Falls Sie Zusammenhang zwischen Titel und Text gesucht haben: Jetzt kommt’s. Indische Millennials haben mit 52 Stunden pro Woche die längste Arbeitswoche weltweit. Somit sind die Schweizer im Europäischen Massstab gesehen, die Inder.

Millennials stellen sich ihren Karriereverlauf nicht als Leiter vor, auf der sie langsam und mühsam immer eine neue Latte hochklettern. Sie sehen Karriere mehr als ein Gesamt von Schüben, durch die sie immer mal wieder beachtlich vorkatapultiert werden. Dazwischen wollen sie Arbeits-Pausen von mindestens 4 Wochen machen, um wieder zu Kräften zu kommen – quasi das Anlauf nehmen, bevor der nächste Karrierevorstoss getätigt wird. Entweder kümmern sie sich dann um andere oder um sich selbst, ganz so wie es ihnen gut tut.

 

BESCHÄFTIGUNGSSICHERHEIT & JOB-LOYALITÄT

Die Wahl des Arbeitsplatzes erfolgt durch verschiedene Faktoren: Geld, Urlaub, Freizeit, Sicherheit, nette Kollegen, die Anerkennung und Austausch bieten, und flexible Arbeitsbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Die Generationen haben ein grosses Interesse daran, morgen noch auf demselben Stuhl zu sitzen. Das ist altbekannt. Den Millennials ist aber eigen, dass sie Jobsicherheit anders definieren. Jobsicherheit ist mehr eine „Karrieresicherheit“: Die jeweilige Stelle wird neu als Sprungbrett zur Selbstoptimierung gesehen und nicht mehr als das Ziel an sich. Sicherheit wird nicht mehr durch die gerade verrichtete Arbeit, sondern durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten generiert.  So sichern sich die Millennials ihre Begehrtheit auf dem Arbeitsmarkt. Der Weg ist das Ziel. Das ständige Dazulernen ist das Ziel. Man bemerke, dass ganze 69% der Schweizer Millennials auf das „Lernen ein Leben lang“-Mantra schwören. Das erklärt, warum die Generation Y nicht mehr nur eine Arbeit ein Leben lang verrichten will. Die Millennials suchen nicht, wie die Mama und der Papa früher, „einen Job fürs Leben“. Trotzdem ist Jobhopping nicht wirklich ihr Ding (einen weiterführenden Artikel zu Jobhopping finden sie hier). Viele Millennials sind ihrem Arbeitgeber nämlich so treu, wie kaum eine andere Generation.

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Über die Autorin:
Caroline Stadelmann studiert an der Universität Zürich Geschichte und Publizistik und schreibt ab und zu für diesen Blog.

Die 22-jährige Zürcherin mag gute Rockmusik, kalte Gazpacho und lächelnde Menschen.