Passen Sie jetzt bloss auf, jetzt grad ist nicht mit mir zu spassen! Ich staate durch, aber so richtig! Der Anlass: Personalmarketing beim deutschen Staat. Wie kann man nur so komplett lieblos staubtrockene Texte schreiben, ein paar Links zu ähnlich verstaubten Webseiten setzen, vom Praktikanten ein Logo gestalten lassen und das Ganze als Personalmarketingkampagne für Millionen von Angestellten labeln? Gopfertelli, das ist so schlecht, da muss doch irgendwo eine versteckte Kamera sein!?

Ich versuche ja eigentlich, mich beim Bloggen auf gute Ansätze im Personalmarketing zu konzentrieren. Auf Ideen und Vorgehensweisen, die zum Abschauen schön sind und zum Nachahmen inspirieren. Speziell freue ich mich, wenn öffentlich/rechtliche Arbeitgeber einen richtig guten Job machen.

Ich begegne engagierten und mutigen HR-Kolleginnen und Kollegen, die mit Leidenschaft und Nachdruck gegen den Beamten-Stereotyp ankämpfen. In der Schweiz zählen verschiedene klassische oder (teil-) privatisierte Staatsbetriebe zu den Vorreitern, ja zum Teil fast schon zur Avantgarde im Personalmarketing: Die Swisscom. SBB. Post und Postfinance. Das schöne Jobvideo der Stadt Bern. Einige Spitäler. Ganz viele Polizeidienststellen. Die kantonalen Elektrizitätswerke des Kantons Zürich. Die BLS mit ihrem tollen Online-Stelleninserat. Auch der Bund macht einen guten Job. Sie und viele mehr kämpfen gegen die Lethargie vieler Kantone und Städte, die noch immer im Tiefschlaf sind.

Auch in Deutschland zaubern staatsnahe oder staatliche Institutionen ein Lächeln in mein Personalmarketinggesicht. Die Deutsche Bahn macht vieles und vieles sehr gut. Das Landratsamt Lörrach. Die Stadt München. Der Azubi-Blog der Flugsicherung. In den Arbeitgeberauftritt der Stadt Freiburg  könnte man sich glatt verlieben. Auch das Personalmarketing der Bundeswehr soll richtig gut sein, habe ich gelesen. Und dann das…

Am 27. März berichtet personalpraxis24.de:

«Öffentlicher Dienst startet Personalmarketing-Kampagne.»

Super, wieder eine Initiative mehr. Dachte ich. Denn klar: Noch immer ächzt der öffentliche Dienst unter einem angeschlagenen Image. Behäbig. Nicht kundenorientiert. Nine-to-Five (oder gar: nine-to-four?). Quatsch! Ich begegne, beruflich und auch privat, immer wieder ganz vielen super-engagierten Mitarbeitenden und Führungskräften, die sich weiss Gott mit ihrem Können nicht verstecken müssen. Ich bin ein Fan der Post, der Bahn, ja sogar der Steuerämter, der Strassenmeisterein, der Einwohnerkontrollen. Fast immer erfahre ich eine hohe Dienstleistungsqualität. Höchste Zeit, diese Berufe professionell und mit Leidenschaft ins rechte Licht zu rücken. Eben zum Beispiel mit einer schönen Kampagne, einer würdigen Kampagne. Und dann das…

Ganz ehrlich: Ich habe die so genannte Kampagnenseite mehrfach aufgerufen, ich traute meinen Augen nicht. Auf durchstaaten.de empfängt einen das nackte Grauen, die ganze graue Sosse der öffentlich-rechtlichen Vorurteile klatscht mir frontal ins Gesicht. Grässlich. Emotionslos. Lieblos. Grundlos. Die ganze – DIE GANZE – Innovation steckt in einem neuen Logo. Ansonsten wurden in lieblosen Texten ganze Linksammlungen zu ebenso lieblosen Seiten verbaut. In ellenlangen Texten wird Aufklärungsarbeit gemacht. Ein Bonmot gefällig? «Bezahlung bei Beamten heisst Besoldung.» Ah, grossartige News, prominent als Headline aufgemacht.

Null Emotionen. Null Leidenschaft. Null echte Informationen. Null Bilder. Null Videos. Null Kontaktmöglichkeit. Null. Null. Null. Naja, immerhin gibt es praktische Social Media-Links. Der Twitter-Link für direkt zu Regierungssprecher Steffen Seibert. Wer den Instragram-Button drückt, landet… landet sogar bei der Chefin, bei der Bundeskanzlerin persönlich. Da kocht die Chefin die Personalsuppe noch selber.

Das, liebe Bundesregierung, das ist kein Personalmarketing – das ist ein Eigentor. Aber eines der Sorte Eigentor des Jahres.

 

 

 Auf Wiederlesen