Mögen Sie Mitarbeiterbeurteilungsgespräche? Ja genau, natürlich inklusive der vorgefertigten Standardfragebögen für Selbst- und Fremdbeurteilung entlang einer Skala von 1-5 oder A-E. Ich nicht! Die Vorstellung, mein Feedback stattdessen über eine Applikation zu geben und zu erhalten, stimmt mich (ja, auch als Digital Native) dennoch etwas misstrauisch. Doch genau das ist der Zweck des Startups QuercusApp. Ein klarer Fall für kritisches Nachfragen.

Über die QuercusApp kann man innerhalb seines Teams Feedback einholen und geben, sei dies zu einzelnen Meetings, Präsentationen oder ganzen Projekten. Jeder Mitarbeitende hat dabei sein eigenes Profil, über welches er ganzjährig seine Entwicklungen verfolgen (und idealerweise steigern) kann. Schlagwort Performance Management.

Screenshot aus der Quercus Desktop Anwendung

„Wir haben QuercusApp entwickelt, um Mitarbeitende und Firmen zu ermutigen, regelmässig proaktiv Feedback anzufragen und anzubieten – um sich als Individuum und als Firma stetig zu verbessern“, schreiben die QuercusApp Gründer Mischa Riedo und Lucien Brahier auf ihrer Website.

Feedback zu fördern, finden wir definitiv wichtig und richtig. Warum dafür nicht einfach regelmässige One-on-Ones vereinbaren? Und Rückmeldungen auf einzelne Arbeitsaufträge gleich sofort geben? Dazu Mischa Riedo:


Mischa Riedo: Wir ersetzen mit unserer Applikation keineswegs den persönlichen Austausch. Im Gegenteil: Unsere Lösung bildet das Fundament, um darauf basierend regelmässige One-on-Ones zu halten. Mit der Quercus App sind 90% solcher Gespräche bereits vorbereitet und strukturiert – man ruft dafür das aktuelle Feedback aus der App ab und redet darüber.

Wie oft wird die QuercusApp tatsächlich genutzt?

Mischa Riedo: Im Durchschnitt erhalten Mitarbeitende innerhalb von QuercusApp monatlich rund 10-15 Feedbackkommentare von verschiedenen Kollegen und Vorgesetzten. Diese Zahl entspricht auch unseren Empfehlungen.

Führt eure App nicht vor allem dazu, dass man noch mehr Mails zu bearbeiten hat?

Mischa Riedo: Vorgesetzte investieren für Mitarbeiterbeurteilungen jedes Jahr durchschnittlich 17 Stunden pro Mitarbeitenden (Studie Human Capital Institute). Gleichzeitig ist es erwiesen, dass dieser veraltete Prozess weder Leistungen akkurat misst, noch diese zu steigern vermag. Entsprechend ist der Grossteil dieser 17 Stunden leider bloss Zeitverschwendung. Unsere Applikation wird das Unternehmen in den meisten Fällen deutlich weniger Zeit kosten, gleichzeitig aber den Prozess transparenter und fairer gestalten, die Qualität der Gespräche zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden merklich erhöhen und so das Mitarbeiterengagement wie auch die Leistungen verbessern. Dies macht es unseres Erachtens zu einer sehr lohnenden Investition.

Mitarbeiterbeurteilungen sind auch Basis für Lohnverhandlungen. Soll dafür auch das Feedback aus der QuercusApp genutzt werden? Und damit also das Feedback der Kolleginnen und Kollegen?

Mischa Riedo: Lohnverhandlungen hängen von diversen Parametern ab. Die Situation jedes Mitarbeitenden ist dabei anders.
Zweifellos denken wir aber, dass es sehr viel Sinn macht, das qualitativ hochstehende Feedback aus QuercusApp in das Leistungsbild eines Mitarbeitenden miteinzubeziehen.

Hegt ihr bereits Weiterentwicklungspläne?

Mischa Riedo: Absolut. Einerseits entwickeln wir die bestehenden Funktionen auf Basis von Kundenfeedback laufend weiter. Andererseits sollen auch immer neue Funktionen hinzukommen, um unsere Kunden noch stärker darin zu unterstützen, ihre Firmenwerte zum Leben zu erwecken, Führungstalente zu erkennen und weiterzuentwickeln, Qualifikationslücken zu erkennen und zu schliessen, usw.

Deine persönliche Einschätzung: Wie wird die Digitalisierung im HR in den nächsten Jahren weitergehen?

Mischa Riedo: Mein Gefühl ist, dass die Digitalisierung erst in ihren Anfängen steht. Technologie ermöglicht deutlich mehr als nur ein Blatt Papier auf den Bildschirm zu transferieren. Das Potenzial – zum Beispiel von sogenannten “People Analytics” ist immens. Die Aufgabe wird sein, diese technologischen Fortschritte und einzigartigen Erkenntnisse zu nutzen, um die Ergebnisse von Mitarbeitenden und Firmen zu verbessern.