In der Personalmarketingwüste öffentlich-rechtlicher Institutionen gibt es einige herrliche Oasen. Arbeitgeber, die es ernst meinen mit Transparenz. Die zeigen, was sie zu bieten haben. Die echte Einblicke geben und Mitarbeitende zu Wort kommen lassen. Jetzt sorgt eine Finanzmarktbehörde mit einem bemerkenswert guten und sympathischen Auftritt für Furore.

Um den Auftritt von Behörden als Arbeitgeber steht es nicht gerade zum Besten. Das darf man sicher getrost sagen. Fairerweise ist anzumerken, dass dies auch für private Firmen gilt. Die Mängelliste reicht von kunterbunt zusammengestiefelten Webseiten (Motto: Den Flohmarkt der Krabbelgruppe Chrabibei) publizieren wir auch noch auf der Startseite) bis hin zu Stelleninseraten, die sperriger sind als ein adipöser Elefant in einer Lottobude. Und ein spezielles Ärgernis in Deutschland ist das ständige Reizen mit dem Lohn (Gehalt nach TV-L irgendwas), ohne dieses Geheimnis jedoch zu lüften.

 

Leuchttürme

Es gibt auch Licht am Horizont, Leuchttürme, die aus dem Einerlei herausragen. Soeben habe ich auf dem lesenswerten Blog meines Kollegen Stefan Döring vom engagierten Vorgehen des Landkreis Darmstadt-Dieburg gelesen. Auch sonst gibt es sehr wohl richtig gute Ansätze in der Verwaltung. Die Stadt Reutlingen macht das Kontakt aufnehmen einfach und persönlich. Das Landkreisamt Lörrach führte erst kürzlich wiederum seine WattsApp Karrieretage durch, keine Weltpremiere zwar, aber noch immer innovativ. In München sorgt ein Slampoet für Aufmerksamkeit und die Stadt Freiburg im Breisgau dürfte der Benchmark sein, wenn es um richtig gutes Personalmarketing für den öffentlichen Dienst in Deutschland geht. Und in der Schweiz nimmt die Stadt Bern Stellensuchende mit auf eine kleine Entdeckungsreise durch die Stadt, Arbeitgebervorteile inklusive.

 

Finanzmarktaufsicht Liechtenstein

Vielleicht geht es Ihnen ja wie mir: Bei einer Finanzbehörde, zumal einer Aufsichtsbehörde, geht einem jetzt nicht gerade spontan das Herz auf. Und eine einigermassen treffende Ahnung, geschweige denn eine reale Vorstellung, wie es wäre, dort zu arbeiten, dürften spontan auch die Allerwenigsten haben. Tür und Tor für Vorurteile stehen sperrangelweit offen.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) überwacht als unabhängige Behörde mit rund 90 Mitarbeitenden den Finanzplatz des Fürstentums Liechtenstein. Ihr sandsteinfarbiges Gebäude an der Durchgangsstrasse kennt im Fürstentum jede/r. Doch was hinter den Mauern passiert, wissen nur Eingeweihte. Darum ist die FMA auch für Fachkräfte so etwas wie eine Black Box. Ober besser gesagt, sie war es. Denn der Unkenntnis über die FMA als Arbeitgeberin hat Personalchef Martin Schädler den Kampf angesagt. Unterstützt von einer gegenüber Neuem aufgeschlossenen Geschäftsleitung und mit seinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen aller Abteilungen im Rücken hat er über den Sommer Erstaunliches auf die Beine gestellt. 

 

Der FMA ein Gesicht geben

„Die FMA ist nicht einfach eine Behörde, eine Adresse, ein Gebäude, ein Amt. Unsere Mauern wissen nichts. Unsere Mitarbeitenden mit ihrem geballten Fachwissen – sie sind die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein. Mit unserem Arbeitgeberauftritt zeigen wir potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern, was wir tun, aber vor allem auch, wer wir sind und wie es sich anfühlt, hier zu arbeiten,“ sagt Martin Schädler mit seinem sympathischen einheimischen Dialekt. „Wir wollen unserer FMA ein Gesicht geben.“ Schädler hat mit seinem HR-Team und eng abgestimmt mit dem Kommunikationsverantwortlichen das Projekt in knapp 6 Monaten durchgezogen.

Vor dem Resultat und dem Frechmut ziehe ich den Hut.

 

Menschen, Menschen, Menschen

Die Absicht, Menschen und Ihre Arbeit zu zeigen, ist meines Erachtens hervorragend gelungen. Klar, ein Start-up oder ein Unternehmen aus der Kreativwirtschaft hätte aus der Idee noch einen Tick mehr herausgeholt, die Umsetzung vielleicht noch eine Spur frecher gemacht. Aber würde das zur Finanzmarktaufsicht passen? Wohl kaum. Darum begeistert mich die Umsetzung ganz einfach!

Das sind die Highligts neuen Auftritts:

 

Alle Informationen rund um die Jobs bei der FMA im Kachellook. Alle zwei Stunden wird neu durcheinandergewirbelt:


 

 

Das Team bezieht fast komplett Stellung. Mit einem kurzen Statement und tollen Bildern, von drei FMA-Mitarbeitenden selber geshootet!


 

 

 6 Mitarbeitende geben ihr Statement per Video


 

Stelleninserate: Ebenfalls als Kacheln eingebettet


 

Kurzgeschichten aus dem Berufsalltag und von gemeinsamen Freizeitaktivitäten über Instagram

Nach der Arbeit das Vergnügen. Grillmeister Lukas verwöhnt seine Kolleginnen und Kollegen im Garten der FMA mit feinen Grilladen.

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Mein Fazit: Ein buntes Potpourri an Geschichten und Menschen, angereichert mit Informationen über die Finanzmarktaufsicht und die nicht alltägliche Arbeit dieser Behörde. Das nenne ich Frechmut!

Das letzte Wort soll für einmal dem Urheber dieser wunderbaren Idee gehören – Martin Schädler über die FMA als Arbeitgeberin und seine Gedanken zum neuen Arbeitgeberauftritt.  

 

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