Als Vater und Opa geht mir – wie jedem halbwegs empathischen Menschen – bei Kindern das Herz auf. Ich geb’s ja zu, auch in der Werbung. Mindestens, wenn sie gut gemacht ist.

In der Personalwerbung sind Kinder kaum je zu sehen. Macht ja oft auch wenig Sinn. Ab und zu sieht man sie, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, wie in diesem Beispiel:

Oder hier, naheliegend, suchen Kinder gleich selber für sich neue pädagogische Fachkräfte:

Auch die Bayerische Landesbank hat es kürzlich versucht und zum Teil heftige Kommentare provoziert Ich fand diese Reaktionen massiv überzogen, die Spots sind mindestens für meinen Geschmack witzig und erst noch informativ, ich bin gerne bis am Schluss drangeblieben. Kinder würden ausgenutzt – ach was.

Kürzlich wurde ich auf das Vorgehen der Jugendhilfe Oberbayern, einem Teil der Diakonie Rosenheim, aufmerksam. Schon wieder richtig gute Personalwerbung eines Arbeitgebers mit kirchlichem Hintergrund, so wie zum Beispiel die von Bodelschwingh’schen Stiftungen Bethel oder der Caritasverband Düsseldorf.

Mal was anderes, finde ich. Kein „Jöh-Effekt“. Kein „wie süss sind die denn?!“

Sehr ehrlich, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Die lieben Kleinen können auch anders – und einem manchmal den letzten Nerv rauben. (Übrigens: Für meine Töchter Sarah und Nina ist die Kommentarfunktion leider geschlossen… 😊)

Zurück nach Oberbayern und zu Theresa Stirner, bei der Jugendhilfe Oberbayern verantwortlich für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit, und zur Frage: Warum dieses Vorgehen?

Theresa Stirner: „Bei 2200 Mitarbeitenden und 645 Ehrenamtlichen haben wir ganz einfach ständig einen grossen Bedarf an neuen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen. Um uns noch besser Gehör zu verschaffen, haben wir in diesem Jahr diese frische und sicher auch etwas aussergewöhnliche Kampagne aufgelegt. Wir spielen dabei mit den manchmal auch etwas mühsamen Seiten der Arbeit mit Kindern. Diese sind nun mal nicht immer einfach nur zuckersüsse, stille Engel.“

Daraus entstanden drei Sujets, die auf Roll-up’s, in tausenden von Edgar-Cards in und um München verteilt und auf Fahrzeugen der eigenen Fahrzeugflotte gezeigt wurden.. Auch in den online Stellenanzeigen und über Facebook und Instagram wurden die Bilder mit den (B) Engeln ausgespielt.

„Die Kampagne sorgte für einiges Aufsehen“, zieht Theresa Stirner eine erste Bilanz. „Mitarbeitende sahen die Kampagne zum Beispiel beim Kinobesuch in München und freuten sich, ihren Arbeitgeber so zu sehen. Konkurrenten wiederum meinten, dass wir wieder mal den Zahn der Zeit getroffen haben. Und viele Menschen außerhalb der Sozialarbeit waren begeistert, wie ein Anbieter in unserer Branche so „radikal“ und „provokativ“ mit der eigentlichen Kundengruppe umgehen kann.“

Alles paletti also, Theresa? „Schon, ja, jedoch gab es intern für unsere Kampagne nicht nur Lob, sondern auch kritische Stimmen. Wie kann man Kinder nur so darstellen, wurde gesagt: Oder gar auf eine abschreckende Wirkung hingewiesen. Aber insgesamt waren die Reaktionen doch überwiegend positiv und die Aufmerksamkeit hat uns spürbar dabei geholfen, unsere Bewerbungspipeline wieder aufzufüllen.“

Supersache und echt frechmutig, wie ich finde. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg.