Aktuell machen zwei Fake-Stelleninserate in der Schweiz die Runde. Gerne erzähle ich Ihnen kurz, warum mich diese an die Föhnfrisur von Donald Trump erinnern und belästige Sie mit meinen wochenendlichen und natürlich wie immer gänzlich unwesentlichen Gedanken zur Gewerkschafts-Posse um die Unia. 

Unia-Flop mit Fake-Inserat, titelte der Blick. Unia kämpft mit Fake-Inserat um Lohngleichheit, doppelte 20 Minuten nach. Und heute Samstag schlagzeilt der Tages-Anzeiger nur unwesentlich nüchterner: Krasse Lohndifferenz – erfunden von der Unia

Was ist passiert?

In diesem Monat noch berät der Schweizer Nationalrat eine Gesetzesvorlage, mit der die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau bekämpft werden sollen. Unter anderem sollen Firmen mit 100 oder mehr Angestellten zu Lohngleichheitsanalysen verpflichtet werden. Im Vorfeld dazu trommelt die Gewerkschaft Unia ganz gehörig und zieht dabei wie gewohnt alle Register.

Unter anderem wurden vor wenigen Tagen Fake-Stelleninserate für eine fiktive HR-Assistentenstelle geschaltet. Und zwar gleich doppelt: Eines für eine HR-Assistentin, ein separates für einen HR-Assistenten. Einziger Unterschied: Der Lohn. 

 

 

Die von der Unia gewünschte Empörung ist nicht ausgeblieben, wobei es manchen nicht wie erwünscht um das ja zweifelsohne berechtigte Anliegen der Lohnungleichheit geht, sondern um die Art und Weise, wie darauf hingewiesen wird. Mit Fake-Inseraten zu werben, geht dann doch vielen zu weit. Als veritablen Knieschuss beurteilt zum Beispiel der Jungfreisinnige Andri Silberschmidt die Aktion, selbst Gewerkschafter sind gemäss dem Artikel im Blick von der Vorgehensweise nicht überzeugt. 

Darf man das?

Ich selber sehe das nicht ganz so, finde die Kampagne gut gemacht, sehr plakativ und mit den Stellenanzeigen wird auch das zum Thema passende Medium gewählt. Und die mediale Aufmerksamkeit hat einmal mehr wie am Schnürchen funktioniert. Chapeau, auch wenn die Idee, wie so vieles, das gut ist, geklaut ist. Wenigstens wurde nicht bei politischen Gegnern oder sonstwo gewildert, sondern bei der Frauenzentrale Zürich.

Vom Original (siehe Artikelbild) war ich schon 2015 begeistert und bloggte darüber. Für Sie als eilige Leserin oder Leser greift Walter Freiwald zum Haarfön und erklärt kurz die Idee:  

Eine der besten Kampagnen für die Lohngleichheit von Mann und Frau, wie ich finde. 

Unia und die Schose vom Wein und dem Wasser

Also, die Kampagne finde ich durchaus gelungen. Dass die Unia das Kampagnengeschäft versteht, muss man neidlos anerkennen. 

Weniger schön hingegen ist, dass die selbe Absenderin halt auch gerne Wasser predigt und selber Wein trinkt. Das nachstehende Statement ist ein gutes Beispiel dafür.:

 

Ja, stimmt:

  • Über den Lohn zu sprechen, ist in unseren Breitengraden noch immer Tabu und mag mit ein Grund dafür sein, dass es mit der Lohngleichheit noch nicht optimal bestellt ist.
  • Und ja, Frau Schärer von der Unia-Geschäftsleitung hat recht, Stelleninserate werden noch immer ohne Angabe des Gehalts veröffentlicht – so wie das die Unia auch selber macht.

Die Unia selber verschleiert den Lohn in ihren Stelleninseraten und zwingt die Bewerberinnen und Bewerber zum Lohnpoker. 

Und da sind wir bei meinem Ärger im Zusammenhang mit der Kampagne: Dieses stetige mit dem Finger auf andere zeigen geht mit gehörig auf den Geist! 

Wasser predigen und Wein trinken. Mit dem Moralzeigefinger zeigt die Unia gerne auf die Wirtschaft und erklärt, was zu machen sei. Die Lohngleichheit von Externen überprüfen zu lassen, zum Beispiel. Oder Teilzeitarbeit fördern, insbesondere auch in Kaderpositionen. Ein löbliches Anliegen, durchaus auch im Sinne der Gleichstellung von Mann und Frau.

Blöd nur, dass auch hier die Unia gerne andere meint und sich selber ausklammert. Und offenbar auch der Meinung ist, dass es bei Führungspositionen nicht unter 100 Prozent geht. 

Ein Blick auf die freien Stellen (am 8. September 2018) zeigt dies:

 

Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass auch auf einer zweiten, neu geschalteten Seite im Zusammenhang mit der Lohngleichheitsoffensive der Unia mit ungleichen Ellen gemessen wird: Auf zeigdeinenlohn.ch werden Schweizer Arbeitnehmende dazu animiert, ihren Lohn offenzulegen. Ich gebe zu, nicht alle Testimonials durchforstet zu haben. Aber wäre ich ein Schelm, wenn ich denken würde, dass die Suche nach den offengelegten Löhnen der Unia-Geschäftsleitung vergebene Liebesmüh wäre?! 

In diesem Sinne – jetzt gönne ich mir ein Gläschen Sauvignon Blanc!

Noch etwas in eigener Sache: Tipps für Personalerinnen und Personaler zum Thema Lohntransparenz in Stelleninseraten gibt es im folgenden Kurzvideo, wie gewohnt in 100 Sekunden (und ein paar Zerquetschten dazu). Und noch mehr Anregungen dazu, wie Sie in Ihrem Unternehmen die Lohnburka lüften können, gibt’s hier.

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