Viele Unternehmen werden auf dem Arbeitsmarkt einseitig wahrgenommen. So ist von den Verkehrs-betrieben Zürich kaum bekannt, dass es dort ausser Trampilotinnen und Busfahrern 48 weitere Berufsbilder gibt. Oder denken Sie beim Kinderspital Zürich spontan an einen Arbeitgeber für Lehrer, Post-beamtinnen oder Automatiker? Auch der Hamburger Kaffeeröster Tchibo kennt dieses Problem und erntet mit einem frischen Arbeitgebervideo viel Anerkennung.

Beste Bohne. Caffè Crema. Barista. Feine Milde. 300% Arabica. Seit 1949 beschäftigt sich die Hamburger Tchibo mit Kaffee. Das wissen alle. Doch in den letzten Jahren haben sich die Kaffeeröster zu einem der grössten Einzelhändler entwickelt. Jetzt gibt es dort auch noch Kaffee – vor allem aber immer wieder wechselnde Produkte von A wie Angelrute bis Z wie Zerstäuber. Die Startseite macht es deutlich – das Unternehmen hat sich zu einem veritablen Kaufhaus gewandelt:

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Dass diese Produkte von Tchibo selber entworfen und entwickelt werden, ist wenig bekannt. Ein preisgekröntes Video schafft Abhilfe. Davon später mehr, denn zuerst muss ich etwas loswerden, bzw. für jene, die es noch nicht kennen, einen kurzen Ausflug in die Welt der Social Media Guidelines machen. Denn Herr Bohne ist mittlerweile einfach Kult.

Weil sich vielerorts die Mitarbeitenden im wahrsten Sinne des Wortes nicht die Bohne um die Etikette im Netz Gedanken machen, hat Tchibo mit „Herr Bohne geht ins Netz“ eine der wohl witzigsten und unterhaltsamsten Social Media Guidelines produziert. Das Video wurde denn auch bereits über 50’000 mal angeklickt:

Einfach toll gemacht. Aber hier geht es heute nicht um Social Media Guidelines, sondern um Recruitingvideos. Auch in diesem Genre machen die Hamburger Kaffeeröster vieles richtig gut – so gut, dass sie in Berlin mit einem der begehrten HR-Excellence Awards ausgezeichnet wurden. Wobei wie bereits erwähnt der Ausdruck „Kaffeeröster“ so längst nicht mehr stimmt. Denn Tchibo ist auch ein umsatzstarker Detailhändler, einer der auch noch Kaffee verkauft, könnte man fast sagen. Um eben genau diese Facette des Unternehmens, also die Produkte, die in den Filialen des Unternehmens ausser dem Kerngeschäft Kaffee angeboten werden, stärker in das Bewusstsein der Zielgruppen zu rücken, produzierte Tchibo dieses Video:

Ich habe mich mit Michaela Voss ein wenig über den Film und dessen Hintergründe unterhalten. Sie ist beim Hamburger Konzern Manager für Employer Brand Communication.

Gespräch mit Michaela Voss von Tchibo

Michaela, warum habt Ihr das Video produziert, was waren die Überlegungen?

Michaela Voss: „Die Idee zum Film ist, unser strategisches Wachstumsfeld Non Food am Bewerbermarkt transparenter zu machen. Viele potenzielle Mitarbeiter wissen gar nicht, wie viele interessante Jobprofile wir in diesem Bereich haben und dass unter Umständen auch ein Job für sie dabei ist. Wie entstehen eigentlich Woche für Woche immer neue Produkte für unsere verschiedenen Shops? Das ist die Aufgabe von vielen Menschen mit unterschiedlichsten Jobprofilen: Ob im Produktmanagement, im Marketing, im Design, im Einkauf, in der Qualität … Alle haben ihren Anteil. Unsere Produkte werden von uns nicht nur eingekauft, sondern auch erdacht, designed und gestaltet. Das unterscheidet uns von vielen anderen Unternehmen – und das wollen wir erzählen.“

Und, wie ist die Resonanz und warum setzt Ihr generell auf Video?

_MG_2400swMichaela Voss: „Zur Resonanz speziell auf diesen Film können wir noch nicht viel sagen, da er erst vor kurzem veröffentlicht wurde. Ich kann aber sagen, dass die Resonanz auf unseren Video-Content grundsätzlich positiv ist. Für Bewerber ist es zum einen eine bequeme Art, Content zu konsumieren. Wer lässt sich nicht lieber etwas erzählen, anstatt selbst zu lesen? Zum anderen sind Videos eine wunderbare Möglichkeit, Emotionalität zu transportieren – man bekommt ein Gefühl dafür, wie unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter ticken und wie es sich anfühlt, bei uns zu arbeiten. Darüber hinaus können wir mit Videos noch viel stärker authentische Einblicke in unsere Arbeitswelten geben.“

Zusammen mit den Videoproduzenten von Vidilo (Gründer Payam Parniani im Interview) habt Ihr im letzten Monat in Berlin für das Video den HR Excellence Award in der Kategorie Arbeitgebervideo (Konzerne) gewonnen. Warum macht Ihr bei solchen Wettbewerben mit?

Michaela Voss: „Ganz ehrlich: aus Spaß! Wir freuen uns natürlich sehr über diese Auszeichnung. Vor allem, weil das Projekt intern einen langen Atem erforderte, ist es nun umso schöner, dass wir dafür so belohnt wurden. Wir wollten aber auch wissen, wie HR-Experten außerhalb von Tchibo ein Produkt von uns beurteilen. Diese Beurteilung haben wir mit dem Award erhalten. Jetzt ist er außerdem ein tolles Instrument, um unsere HR-Expertise ins Haus zu vermarkten. Wir als HR verstehen uns als Partner des Business, der wichtige Services bereitstellt. Und über Service spricht man in der Regel nur, wenn etwas nicht rund läuft. Deshalb ist es für uns als HR-Marketing umso wichtiger, zu kommunizieren, dass unsere Dienstleistung überdurchschnittlich ist, eben exzellent.“

Vielen Dank, Micheala, für die Informationen und Dir und Tchibo weiterhin… hmm… volle Kanne. Oder so.

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