«Gerber, Eitsch Ahr». Kurzgeschichten mit Raffaël S. Gerber. Ähnlichkeiten mit real existierenden Ritualen und Personen sind alles andere als zufällig.

Gerber ist genervt. Wie er doch das Reisen hasst. Mühsam. „Früh raus, spät zuhaus“, pflegt er jeweils mit seiner gut eingeübten Leidensmine zu sagen. Denn eigentlich mag er es durchaus, unterwegs zu sein. Ausser heute. Da lief im Friederike über den Weg. Ach was, sie eroberte ihn im Sturm, ja orkanartig. Im wahrsten Sinne des Wortes:


Die Zwangspause passte zwar überhaupt nicht in seine Agenda. Auf der anderen Seite ermöglichte ihm Friederike ganz unverhoffte Momente der Reflexion. Das zu erwähnen ist Gerber wichtig – gute Manager reflektieren nämlich. Das hatte er kürzlich auf einem Powerseminar („Einfach Leben für HR-Manager“) mit Pater Anselm Grün aufgeschnappt…

 

Raffaël S. Gerber Vice President HR

So steht es auf der Visitenkarte. Seiner Visitenkarte. Gerber kämpfte lange dafür, spätestens seit seiner Beförderung zum Bereichspersonalleiter. Vice President HR klang besser, auch dafür musste er auf die Hinterbeine stehen. Für 1100 Mitarbeitende zuständig. «Zuständig» – grässlich empfand Gerber dieses Wort. Zumindest kokettierte er gerne damit. Im HRM AKTUELL zum Beispiel, als sein Aufstieg in diese Funktion mit einem Zitat kurz kommentiert wurde. «Menschen sind mir wichtig», so seine Einstellung, betonte er. Gerade noch rechtzeitig vor Redaktionsschluss las er das Zitat in einer Mode-Zeitschrift. Ein Sanierer berichtete dort über seine erfolgreiche Rettungsaktion in einem Mittelständler in einem Randgebiet Europas. 400 Entlassungen standen immerhin 280 geretteten Arbeitsplätzen gegenüber. Immerhin. «Es war hart, aber ich bin dankbar», meinte der Sanierer und schob nach: «Menschen sind mir wichtig».

Auch Gerber ist ein Kämpfer. Die Kollegen vom Shared Services Center in Wroclaw (Polen) bekamen das eindrücklich zu spüren. Die machten tatsächlich einen Aufstand wegen zweier lächerlicher Punkte. Denen über dem e. Auf die besteht Gerber seit kurzem und das ist definitiv keine Petitesse.

[Raffaäl]: Klingt französisch, elegant und auf eine – wie Gerber findet – angenehme Weise sogar ein bisschen elitär. So irgendwie nach Sorbonne, wie er fand. Raffaël fast so wie der legendäre Badeort an der Côte d’Azur d’Azur, wo er seine ersten Ferien ohne Eltern verbrachte. Dumm nur, dass ihn seine Eltern einfach Raphael tauften. Und das natürlich auch so in den Personalakten steht. Nur wenige Kollegen wussten davon. Und sie liebten es, ihn damit aufzuziehen. Seit Jahren nannten sie ihn einfach Raffi. Er war stets peinlich darauf bedacht, dass dies ihr kleines Geheimnis blieb.

Raffaël S. Gerber, illustriert von Natali Bug.