Bei der Verleihung der 2017-er HR Excellence Awards in Berlin waren viele ausgeklügelte Projekte mit Technologie von morgen am Start. Zwei Projekte meiner Schweizer Kunden überzeugten die Jury mit anderen Vorzügen: Menschlichkeit. Konsequenter Kundennähe. Kommunikation auf Augenhöhe. Und einer Portion Nachdenklichkeit.

Um es vorwegzunehmen: Die Beweggründe der Jury der HR Excellence Awards, die Berner BLS und das Sanatorium Kilchberg bei Zürich mit einer der begehrten Trophäen für ausgezeichnete Personalarbeit heimzuschicken, sind geheim. Ich vermute aber, dass die beiden Projekte trotz – oder gerade wegen? – der omnipräsenten Artificial Intelligence, den Algorithmen, Avataren und Robotern ausgezeichnet wurden. Weil sie mit viel Nähe zu den Menschen, auch Talente oder Fachkräfte genannt, punkten.

Digilog bei der BLS

Personalarbeit hat, der Name sagt es, immer noch mit Menschen zu tun. Die BLS überzeugen bei ihrem neuen Arbeitgeberauftritt mit unglaublich viel Kundennähe und einer souveränen Haltung. Diese zeigt sich darin, dass sie 14 ihrer Arbeitgebervorteile in den Mittelpunkt der Personalwerbung stellen und sie auf eine einmalige Art und Weise inszenieren. Interessentinnen und Interessenten können sich per Video auf unterhaltsame Weise aufdatieren lassen. Keine Minute dauert das.

 

Natürlich kann man sich die Vorteile im Detail auf der Website auch „klassisch“ als Akkordeon anzeigen lassen. Akkordeon? Da war doch einmal etwas, das muss jetzt einfach sein – auch deshalb, weil die BLS-Vertreterinnen und Vertreter am Freitagabend ein ganz ähnliches Smile im Gesicht hatten:

 

Das Smile-Beweisfoto:

 

Zurück zu den BLS-Vorteilen: Das Prunkstück ist der Vorteilsfinder, mit dem sich Interessierte ihre passenden Vorteile auf eine spielerische Weise ausspielen lassen können. Mit der Auswertung erhalten sie dann gleich auch eine/r von fünf Ambassadoren vorgeschlagen. Das sind Mitarbeitende der BLS, denen ähnliche Vorteile wichtig sind. Mit ihnen kann man sich dann unter vier Augen bzw. zwei Ohren unterhalten und in Erfahrung bringen, ob die BLS hält, was sie verspricht.

Eine von Ihnen, IT-Projektleiterin Isabel Ferrise, berichtete vor Ort in Berlin über ihre Erfahrungen mit den Gesprächen – ohne ins Detail gehen zu können. Denn die Gespräche mit den Ambassadoren bleiben vertraulich und werden nicht zum Beispiel ans HR weitergegeben.

Digitale spielerische Elemente in Verbindung mit unglaublich viel menschlicher Nähe. Digital und analog Hand in Hand, oder eben: Digilog.

Der Vorteilsfinder wurde von Cyquest Hamburg entwickelt, fast schon Seriengewinnerin in Berlin.

Ein Slampoet auf Entdeckungsreise

Es ist logisch und gleichzeitig herausfordernd: Wer die Vielfalt an Berufen und die Menschen und vielleicht auch etwas vom Teamspirit zu den Bewerberinnen und Bewerbern transportieren will, kommt um „Testimonials“ kaum herum. Klar, wer könnte glaubwürdiger darüber berichten, wie es so ist, bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, als die Mitarbeitenden selber. Herausfordernd bei der Sache ist, dass viele dieser Image- oder Recruitingfilme mittlerweile austauschbar und langweilig sind.

Eine Verschärfung der Ausgangslage hat man dann, wenn das Produkt schwierig erklärbar, unspektakulär oder sogar gesellschaftlich fast schon stigmatisiert wird. Vor diesem Hintergrund ist der neue Arbeitgeberauftritt des Sanatoriums Kilchberg, einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie vor den Toren Zürichs, speziell frechmutig.

Herzstück des Arbeitgeberauftritts ist das Video, in welchem Slampoet Valerio Moser Interessierte mit auf einen kurzen Streifzug durch die Klinik mitnimmt.

 

Der Film überzeugt mit einer Leichtigkeit und Humor, er zeigt die fantastische Lage der Arbeitsplätze ebenso auf wie die vielleicht überraschende Vielfalt an Jobs. Vor allem zeigt er viele grossartige und engagierte Menschen, die auf Verstärkung warten – Therapiehund Sammy inbegriffen.

Das Video ist frei von Funktionen oder akademischen Titeln, es geht nur um die Menschen. Slampoet Valerio Moser verarbeitete seine Eindrücke in einem eindrücklichen Werk. Ein kurzer Teil davon ist im Jobvideo zu hören. Und hier erzählt der auch in Deutschland preisgekrönte Künstler, wie er den Dreh im Sanatorium Kilchberg erlebte:

 

Kommunikationschefin Jacqueline Baumann vermeldete den Gewinn strahlend in die Schweiz und nahm den Preis sichtlich stolz von Fernsehmoderatorin Susann Atwell in Empfang. Sie widmete ihn gleich allen ihren Kolleginnen und Kollegen in Kilchberg. „Sie begegneten dem Filmprojekt offen und mit einer positiven Neugierde. Damit leisteten sie einen enorm wichtigen Beitrag dazu, unserer Klinik und ganz generell einen in der Öffentlichkeit etwas weniger beachteten Berufszweig bzw. Branche in das ihm gebührende Rampenlicht zu rücken.

Der Gewinnerfilm wurde realisiert von der Zürcher Condor Films AG.

Was es braucht

Natürlich braucht es ein schlaues Konzept und einen richtig guten Einfall, um einen der begehrten Awards zu gewinnen. Das allein reicht nicht.

Aus meiner Sicht braucht es auch:

  • Die Erkenntnis, dass ein guter Arbeitgeberauftritt mehr ist als ein paar Inserate im lokalen Anzeiger. Sprich, dass das eine Investition ist, die Zeit und Geld kostet. Beide Projekte dauerten insgesamt mehrere Monate, total fast ein Jahr.
  • Das vielleicht Allerwichtigste: Ein richtig guter Arbeitgeberauftritt ist ein Weg, den die Beteiligten zusammen gehen. Man beschreitet ihn wohl mit einer groben Richtung und einer Ahnung des Ziels – aber hinter den vielen Wegbiegungen lauern immer auch Unwägbarkeiten und Unsicherheiten. Die gilt es mit einer guten Portion Zuversicht auszuhalten.
  • Die Bereitschaft, zusätzlich zur vollen Agenda noch einmal viele Stunden zu investieren. Es ist fast immer brutal viel Arbeit.

 

Ich gratuliere der BLS und dem Sanatorium von Herzen zum Triumph- und allen anderen Preisträgern natürlich auch.

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