In den Schweizer Kinosälen rettet in diesen Tagen James Bond mal wieder die Welt. Es soll der beste Bond aller Zeiten sein, meinen manche Kritiker. Auf den Schweizer Strassen geht derweil ein anderer Agent um: Der Jobagent, alias Agent x28. Nichts für schwache Nerven. Eine heisse Sache und darum definitiv ein Fall für mich. Nach knallharten Ermittlungen, der Auswertung von Informationen geheimer Informanten, sachdienlicher Hinweise meiner Stammleser und einem konspirativen Treffen mit Cornel Müller ergibt sich folgender Sachverhalt.

Auf und neben den Strassen Zürichs wird derzeit eifrig Werbung für jobagent.ch gemacht. Seit Wochen säumen auffällige orange Plakate die Strassen im Grossraum Zürich. Alle offenen Stellen jeder Firma – nur auf www.jobagent.ch heisst es da. Jetzt rollen die Botschaften auch noch gut sichtbar an Trams und Bussen durch Zürich. Über 100’000 Jobs sind auf Jobagent.ch gelistet – niemand in der Schweiz hat mehr, sagen die Jobagenten selbstbewusst. Doch wer steckt dahinter? Eine der Hypothesen: eine neue Stellenplattform, gegründet als Antwort auf das Zusammengehen von jobs.ch und Jobwinner/Jobup, den beiden Nummern eins und zwei auf dem Schweizer Markt. Genug spekuliert, schliesslich sind wir hier nicht an der Börse. Ich habe einen der Jobagenten gefragt. Cornel Müller ist so einer. Er ist Partner und Gründer von x28, dem Mutterhaus von Jobagent.ch und stolz wie Anton auf sein Baby. Und das aus mindestens drei Gründen:

Ganz schön praktisch: der Nutzen für die Stellensuchenden

Cornel Müller räumt zuerst einmal mit der Vermutung auf, Jobagent sei eine Antwort auf die Megafusion der grossen Schweizer Jobplattformen. „Wir sind nicht grössenwahnsinnig“ meint der 46-jährige Betriebsökonom. Und überhaupt sei Jobagent.ch gar keine neue Stellenplattform und auch keine der auf dem Markt bekannten so genannten Metasuchmaschinen im klassischen Sinne, die in erster Linie die bekannten Jobbörsen absuchen. Jobagent, so Müller, sei eine Job-Suchmaschine, die – ähnlich wie Google – auch die Vakanzen auf den Websites der Firmen findet.

Wie das funktioniert? Ziemlich einfach (zumindest für Aussenstehende): die Computer vom Jobagenten suchen permanent die Stellenseiten der Schweizer Firmen und der Jobbörsen nach freien Stellen ab und listen diese auf ihrer Seite. Weil sie das besonders gründlich tun, gehen fast keine Stellen durch die Lappen. Das vereinfacht die Stellensuche entscheidend, weil sie nun nicht mehr verschiedene Seiten nach der Wunschstelle durchforstet werden müssen. Echt nett, von den Jobagenten. Cornel Müller, der Menschenfreund und Philanthrop. Ich mag das nicht so ganz glauben, denn schliesslich ist Cornel Müller mit x28 AG ein erfolgreicher Geschäftsmann. Also, Cornel, wer bezahlt die Rechnung? Etwa doch die Stellensuchenden? „Der Jobagent bietet sehr viel Leistung für Null Franken. Wer das Premium-Paket bucht, bekommt gegen 48 Franken für 60 Tage eine Vielzahl an wertvollen Leistungen, die es sonst so nirgends gibt. Fr. 48.- sollte einen die Karriere schon Wert sein!?“ findet Cornel Müller. Aber wird dieses Abo vom Markt akzeptiert? Schliesslich sind sich die Surfer gewohnt, dass Informationen im Web kostenlos sind. Die Jobagenten sind zuversichtlich, dass dies nicht so sein muss und setzen auf das so genannte Freemium-Modell (ähnlich wie XING), bei dem man kostenlos eine gute Dienstleistung bekommt – und wer eine Fünfzigernote in die Hand nimmt, erhält das volle Programm (z.B. ein tägliches Jobmail mit allen passenden offenen Stellen).

Der USP: eine einmalige Semantik

Metasuchmaschinen, die Informationen zusammentragen und aufbereiten, sind ja nichts Neues. Jobrapido, Jobsuchmaschine oder Indeed sind bereits in der Schweiz tätig. Warum sollen die als wechselmüde bekannten Schweizer ihre Gewohnheiten wechseln, Cornel? „Ganz einfach – niemand erfasst so zuverlässig und konsequent die Vakanzen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt wie wir. Im Moment (am 17.11.2012) haben wir 104’059 freie Stellen gelistet, die wir übrigens regelmässig in unserem Jobradar nach Regionen, Berufsgruppen oder Firmen strukturiert aufbereiten.

Jobradar_Q3_2012

„Wir erfassen zehntausende Stellen mehr als unsere Mitbewerber“, führt Cornel Müller weiter aus. Und warum ist das so? „Wir haben einerseits überaus leistungsfähige Computer, die so genannten Crawler.  Denen entgeht fast nichts. Unser Herzstück ist aber die Semantik, darauf sind wir besonders stolz.“ Du meinst damit die Fähigkeit Eurer Systeme, unterschiedliche Jobbegriffe zu erkennen und zusammenzuführen? „Exakt. Ich gebe Deinen Leserinnen und Lesern ein Beispiel. Vielleicht suchen diese ja einen neuen Job als HR-Leiterin oder Leiter. Dann können sie mit genau diesem Suchbegriff suchen und erhalten problemlos entsprechende Jobangebote. Aber: was ist mit Personalchefin? Leiter Personalmanagement? Responsable RH? Bereichs-Personalleiter? Diese und noch viele andere Begriffe als vergleichbar mit dem eigentlichen Suchbegriff zu erkennen und entsprechende Suchtreffer ebenfalls aufzulisten – das ist der Königsweg der Jobsuchmaschinen.“ Diese aufwändigen Listen zu führen, täglich zu ergänzen und den Crawler damit zu programmieren, ist Handarbeit. Bei Jobagent macht dies das Team im deutschen Magdeburg. Mehrere Tausend solcher Zuordnungen sind das Herzstück der Jobsuchmaschine und machen den Unterschied.

Der Mehrwert für Arbeitgeber

Das Listen der freien Stellen ist für die Arbeitgeber gratis. Mehr noch: sollte einmal doch eine Stelle durch das feinmaschige Netz der Jobagent-Suchcomputer gefallen sein, kann diese direkt auf der Homepage nachgemeldet und kostenlos geschaltet werden. Und doch sind auch Einnahmen von Arbeitgebern ein zweites Standbein des Businessmodells von Jobagent. Denn das Top-Listing, also die prominente Erscheinung ganz oben auf der meist umfangreichen Suchtrefferanzeige, kostet. „Das rechnet sich aber für die Arbeitgeber allemal“, ist Cornel Müller überzeugt.

Und nun, Cornel, wie fährt sich als Besitzer von Jobagent der standesgemässe Aston Martin? „Schön wär’s“, lacht der profunde Kenner des Internets, „vom Jobagenten allein können wir nicht leben“. x28 AG verdient ihr Geld mit B2B-Lösungen, zum Beispiel dem Talentsucher oder dem Profilmatcher für Personaldienstleister. Oder mit innovativen Lösungen für Verbände oder Wirtschaftsregionen wie der Karriere-Option. „Mit dem Jobagenten betreten wir eigentlich kein Neuland – sondern wir verpacken ganz einfach unser langjähriges Know-how in ein Angebot direkt für den Endkunden. Ein Novum für uns, und auch ein wenig ein Kindheitstraum, den wir uns damit erfüllen. Immer wenn ich an einem Plakat vorbeifahre oder wie kürzlich sogar im Tram mit unserer Dachwerbung sitzt – ja dann platze ich fast vor Stolz.“

Entwaffnend ehrlich, die Special Agents aus Thalwil am Zürichsee. Mehr zum Wirken von Cornel Müller und x28 sowie Jobagent.ch gibt es auf den Blogs des inoffiziellen Bondgirls Eva Zils, beim geheimnisvollen Mr. Tru (Etienne Besson) und dem Übervater der Agentenszene äh HR-Bloggerszene, Gero Hesse.