Sie haben es sicher schon mitbekommen: Die zweite Auflage von «Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können» ist endlich da. Mit dabei: Claudia Kudlinski von den üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe. In ihrem Gastartikel erzählt sie, wie sie und ihr Team Fahrdienstmitarbeitende in Rockstars verwandelt haben. Mit Rockstars meinen wir hier tatsächlich Männer in Röcken. Also Jupes. Sie wissen schon. Und wollen nun bestimmt mehr wissen.

Bevor wir also bei Claudia Kudlinski nachfragen, hier die Kurzusammenfassung ihres Gastbeitrages «Rekrutierung: Wir machen Rockstars» aus «Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können»:

Um Frauen für technische Berufe und den Fahrdienst zu interessieren, haben sich die üstra Männer kurzerhand die Hosen ausgezogen. Und sie gegen Röcke eingetauscht. Mit „Wir machen Rockstars“ geht die äusserst erfolgreiche Kampagne, die 2015 mit dem HR-Excellence Award ausgezeichnet wurde, in die zweite Runde.


Das Hauptmotiv der Kampagne (Quelle: üstra).

Entlang der fünf Frechmut Essenzen «Frech», «Mut», «Ego», «Leidenschaft» und «Tun» habe ich Claudia Kudlinski ein paar spannende Hintergrundinformationen entlockt.

Katharina: Wie verkauft man eine so mutige Kampagne intern?

Claudia Kudlinski: Der erste Schritt war 2014 die Ausstattung mit neuer Dienstkleidung, die schon super aussah und ankam. Die Mitarbeiter fühlten sich in ihrer Rolle gestärkt und traten viel selbstbewusster damit auf. Da haben wir eins draufgesetzt – den Rock. Wir haben unsere Wunschkandidaten gecastet. Sie haben uns vertraut, dass es auch dieses Mal 2015 gut wird: Wir sind quasi gemeinsam vom 10 Meter Turm gesprungen und es klappte tatsächlich ohne Bauchklatscher.

Katharina: Sind die Röcke inzwischen wieder aus dem Hannover Stadtbild verschwunden oder gibt es noch leidenschaftliche Rockträger?

Claudia Kudlinski: Im Gegenteil, immer mehr üstra Männer tragen Rock und immer mehr Unternehmen machen mit. Im Herbst 2016 rockte die üstra gemeinsam mit Continental, Bahlsen, TÜV Nord und protec-Sicherheitsservice. Jeweils 10 männliche Mitarbeiter dieser Unternehmen trugen für die Kampagne „Hannover Rockstars“, zu der die üstra und die Kreativagentur WENN&ABER aufgerufen haben, gemeinsam mit der üstra Rock. Danke dafür.

Katharina: Sie schreiben, die Rock-Idee wurde von der Kreativagentur WENN&ABER entwickelt. Welche Rolle haben Sie im Projekt gespielt?

Claudia Kudlinski: Ich bin die Rock-Initiatorin und die Verbinderin zwischen üstra Welt und Kreativagentur, um erfolgreich und authentisch zu punkten. Meine Aufgabe bei üstra ist es, die Unternehmenskultur zu entwickeln und interne Kommunikation zu fördern. Mitarbeiter als Markenbotschafter spielen dabei eine sehr wichtige Rolle, denn was innen ist, wirkt nach außen. Das stellen wir in der Kampagne dar – es ist selten zuvor so gut gelungen, Insiderwissen mit äußeren Impulsen erfolgreich zu verknüpfen.

Katharina: Der Erfolg der Kampagne gibt Ihrer Vorgehensweise recht – Sie haben wirklich alles richtig gemacht. Wo sind Sie Schwierigkeiten begegnet?

Claudia Kudlinski: Die Kampagne polarisiert. Nicht alle Frauenbeauftragten fanden die rockenden Männer so glücklich. Es gab zudem Schlagzeilen wie „Männer in Peniskostümen“. Unterm Strich bereicherte solche Kritik den Diskurs. Ich erinnere mich ansonsten kaum an Schwierigkeiten. Es gab bestimmt welche, aber nichts, was wir nicht lösen konnten und gelöst haben.

Katharina: Frechmutiger geht’s kaum. Vor allem wenn man bedenkt, dass das die erste Rekrutierungskampagne der Üstra überhaupt war. Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch. Geht’s nun jedes Jahr frecher weiter?

Claudia Kudlinski: Das war und ist nach wie vor ziemlich frech und aufmerksamkeitswirksam, was die üstra mit ihren Männern im Rock macht. Immer mehr männliche üstra Tram- und Busfahrer zeigen in den Sommermonaten jetzt Knie – damit geht es also frecher weiter. Uns trauen die Leute jetzt mehr zu als „normales“ Verkehrsunternehmen zu sein. Deshalb rocken wir mit der Folge-Kampagne weiter, die im September 2017 startet.


„Frechmut is tfür mich, über den eigenen Schatten zu rocken“, Claudia Kudlinski, üstra.

Die zweite Auflage von «Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können» können Sie hier bestellen (nicht in der Schweiz wohnhafte hier). Nebst dem spannenden Artikel von Claudia Kudlinski finden Sie in der neuen Auflage fünf weitere neue Gastbeiträge sowie Fotografien vom Fotomacher Thomas Aebischer.