Es ist vermutlich DIE Sensation dieser Vorweihnachtszeit: Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) steigen ins Flugbusiness ein! Nach den blauweissen Bussen und den charakteristischen Trams mit der Cobra-Nase heben die VBZ nun definitiv ab. Für die spektakuläre Erweiterung ihrer Flotte suchen sie im Grossraum Zürich Pilotinnen und Piloten, die, Zitat, „auch in turbulenten Verkehrssituationen nicht in die Luft gehen“.

Job Branding: Vom Tramchauffeur zur Trampilotin

Employer Branding ist ja in aller Munde. Ist ja auch in Ordnung, denn die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber ist eine wichtige Voraussetzung, um in einem immer engeren Arbeitsmarkt als interessante Option für die Berufswahl zu gelten. Noch etwas weniger bekannt ist das Job Branding, die Positionierung eines Berufsfeldes oder eines einzelnen Berufs. Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) lässt sich ein solches „Job Branding“ aktuell bei der Positionierung der Tramfahrer/-innen anschaulich beobachten.

Derzeit sitzt in jedem vierten Zürcher Tram eine Frau. Eigentlich wenig, schliesslich besteht der Arbeitsmarkt aus fast 50 Prozent Frauen. Im Vergleich innerhalb der Branche des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) lässt sich diese Zahl jedoch sehen. Betrachtet man die Historie des Berufs, so waren früher die Aufgaben klar verteilt: Die Frau war als gut gelauntes Aushängeschild vorgesehen – vorne hielten ausschliesslich Männer das Steuerrad fest in der Hand. In Zürich war das bis 1978 so, Frauen waren als Tramfahrerin nicht erlaubt (ja, ich weiss, Sie werden sich nun wieder über die skurrilen Schweizer amüsieren – ein bisschen recht haben Sie ja).

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Über die erfolgreiche Frauenkampagne der VBZ habe ich ja bereits gebloggt. Die erst 1978 erfolgte Öffnung der Tramcockpits ist ein starkes Indiz für den Wandel eines Berufsbildes in einer noch immer von Männern dominierten Branche. Einhergehend mit dem technischen Wandel der Tramfahrzeuge, mit gesellschaftlichen Veränderungen und gestiegenen Kundenbedürfnissen haben sich die Aufgaben und mit ihnen das Anforderungsprofil fundamental gewandelt. Standen früher ein technisch-mechanisches Verständnis und Berufserfahrung als Chauffeur ganz oben auf dem Wunschzettel meiner Vorgänger im Recruiting, so sind heute gute Umgangsformen, kommunikatives Geschick und ein Flair für den Umgang mit Kunden viel stärker im Vordergrund. Auf den Punkt gebracht: Früher suchte man Chauffeure, den Umgang mit den Fahrgästen hat man ihnen dann bestmöglich beigebracht. Heute sind Kundenberaterinnen (natürlich auch Männer) gefragt, das Fahren eines Trams bringt man ihnen auch noch bei.

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Dementsprechend ist auch der Fokus bei der Rekrutierung stark auf Branchen mit viel Kundenorientierung eingestellt. Die Gastronomie oder der Verkauf zählen zu den bevorzugten Jagdrevieren im VBZ-Tramrecruiting. Und es funktioniert: 2013 sind über 40% der neu angestellten Tramfahrer/-innen weiblich. Unter ihnen sind diese drei sympathischen Frauen:

Ein wichtiges Element in der Positionierung als „Dienstleistungsberuf auf Rädern“ sind auch die Berufskleider. Diese sind immer stärker nicht nur auf praktisch und langlebig ausgerichtet, sondern ganz stark auf Design und Style. Corporate Design ist ein wesentliches Element einer Brand – und in Form der Arbeitskleider ein sichtbares Merkmal für die Positionierung des Tramfahrerberufs bei den VBZ. So finden sich im Sortiment immer mehr taillierte und körpernah geschnittene Kleidungsstücke – und Accessoires, die sich auch ausserhalb des Tramcockpits sehen lassen können.

Tramchauffeure oder Tramchauffeurinnen à la VBZ vereinen heute gleich zwei Berufsbilder in einem:

  • Tram-Attendant:
    Kundeninformation, Hilfestellung, Zuständig für Sicherheit im Fahrzeug, Auskünfte
  • Trampilot/-in:
    Sicheres, zuverlässiges und pünktliches Pilotieren des Trams durch den pulsierenden Stadtverkehr vom High-Tech Cockpit aus

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Die Tramchauffeure von früher haben sich mehr und mehr zu Trampilotinnen und Trampiloten entwickelt. Ähnlich einer Arbeitgebermarke ist die Positionierung nicht einfach so geschehen, sondern das Berufsbild hat sich in diese Richtung entwickelt. Und was noch viel mehr zählt: Hinter der neuen Namensgebung steckt mehr als einfach eine neue, coole Namensgebung. Die „Job Brand“ ist mit konkreten Inhalten und Leben gefüllt.

Natürlich haben die VBZ zur Feier des Tages in dieser Woche eine passende Jobanzeige geschaltet:

Trampilot

In diesem Sinne: Guten Flug und

Auf Wiederlesen.

P.S. Wenn Sie nun denken, der Buckmann übertreibt mal wieder ein bisschen, Fliegen sei doch schon noch etwas anderes, besseres und habe mehr Sexappeal als der öffentliche Personennahverkehr, ja wenn Sie so denken, dann schauen Sie doch einfach mal hier beim legendären Loriot rein: