Üüüüble Coole Sache, Maloney. Wie viele andere städtische und kantonale Polizeikorps auch ist die Kantonspolizei Bern händeringend auf der Suche nach neuem Personal. Für das laufende und das nächste Jahr sucht die Polizei in der Schweizer Hauptstadt nicht weniger als 140 neue Polizeibeamte, wie die Zeitung „Der Bund“ berichtet. Wie erstaunlich viele andere Blaulicht-organisationen gehen sie dabei ungewöhnliche Wege und engagierten flugs einen schweizweit bekannten Headhunter.

Meine öffentlich-rechtlichen HR-Kollegen erstaunen mich immer wieder aufs Neue. Schon im Herbst habe ich anerkennend über die Kampagne der Kantonspolizei Zürich und die erfolgreiche Facebookseite der Basler Kollegen berichtet, HR-Today hat die Story weiterverfolgt. Die Ostschweizer aus St.Gallen setzen auf Video und lassen den Helikopter aufsteigen. Jetzt verblüfft die Kantonspolizei Bern mit einen anderen interessanten Ansatz.

Philip Maloney als Headhunter und Recruiter

Zur Deckung ihres grossen Bedarfs hat die Kantonspolizei Bern keinen geringeren als den bekannten Kult-Privatdetektiv Philip Maloney (herrlich skurril be- und geschrieben vom Schweizer Schriftsteller Roger Graf) für die Personalwerbung, also sozusagen als Headhunter, eingespannt. Ausgerechnet Maloney, der nun ja wirklich nicht gerade als Polizistenfreund bekannt ist. Damit beweisen die Berner Polizisten eine grosse Portion Humor, denn der schräge Headhunter lästert im Werbehörspiel für die Kapo Bern wie gewohnt über die Polizei. Kostprobe gefällig? «Wenn Sie Polizistin oder Polizist werden wollen, müssen Sie fit genug sein, um tatenlos im Polizeipräsidium herumzustehen.» Der Mut zahlt sich offenbar aus: Die Bewerberzahlen sind sehr gut, bestätigen die Verantwortlichen. Und so hört sich es dann an, wenn der Whisky-Fan Maloney neue Polizei-Aspirantinnen und Aspiranten sucht:

http://www.youtube.com/watch?v=LrW_jT0fPU4

Die einzelnen Hörspiele zu drei unterschiedlichen Berufsbildern lassen sich leider nicht downloaden, sondern sind lediglich als DVD zu bestellen. Nun ja, wollen wir mal nicht rummäkeln.

Interview mit Philip Maloney

Ich habe natürlich versucht, Philip Maloney direkt zu seinem neuen Job zu befragen und habe ihn angerufen – nach dem 14.Klingelton nimmt endlich jemand ab:

„Maloney, private Ermittlungen“

Guten Tag – oder muss ich „Grüässech“ (berndeutsch) sagen?

„Wer spricht? Sind Sie etwa von der Polizistengewerkschaft und wollen Mitgliederbeiträge einkassieren? Oder, noch schlimmer, vom Blick? Oder wollen Sie mir gar eine Alpenrap-CD Box zum Subskriptionspreis andrehen?“

Nein nein, Maloney, ich bin Blogger und rufe an, weil Sie jetzt offenbar als Headhunter für die Berner Polizei tätig sind. Ist Ihre Auftragslage so schlecht, dass Sie für Geld alles tun?

„Ach so, ein Blocker. Ja dann blockieren Sie schon mal 300 Franken für’s Gespräch. Umsonst ist nur der Tod.“

Vergessen Sie’s. Aber ich schaue mal, ob ich Ihnen eine VBZ Tageskarte organisieren kann. Also? Warum arbeiten ausgerechnet Sie als Headhunter für die Polizei?

„Ich fahre nicht Tram oder Bus. Es ist grauenhaft, ein einziges Gefährt mit so vielen übel riechenden Menschen zu teilen. Übrigens: ich bin nicht Headhunter, ich bin Entwicklungshelfer! So sehe ich das.“

Soso. Und wo – so ganz unter uns Kollegen – finden Sie denn als Headhunter äh Entwicklungshelfer die künftigen Polizistinnen und Polizisten? Aber doch nicht etwa auf Xing, Linkedin oder Experteer?

„Was schwafeln Sie da. Es ist ganz einfach. Ich finde die Aspiranten überall dort, wo Leute rumhängen, die nichts zu tun haben und künftig noch weniger tun wollen. In Bars, Kneipen, am Hauptbahnhof, bei der Heilsarmee, in Einkaufszentren. Und in der Bibliothek der Uni. Erst kürzlich habe ich dort Fräulein Winter rekrutiert – sehr talentiertes Mädchen. Sehr talentiert. Groooossartig!“

Ja ja, ist ja schon gut. Aber können Sie mir noch verraten, was…

„… ich verrate Ihnen jetzt in der Tat was: Sie können mich mal!“ (hängt einfach auf)

Tja, schade, aber immerhin eine klare Ansage. Wäre wirklich zu interessant gewesen, noch etwas mehr aus dem Jungtalent herauszuholen. Aber auf jeden Fall eine gelungene Idee der Berner Polizei. Gratuliere.

SuperTschugger

Bei der Recherche zum Headhunter Maloney bin ich auf eine zweite Sache gestossen, bei der die Hauptstädter beweisen, dass sie viel Humor haben und die Berner Polizisten auch über sich selber lachen können. „Supertschugger“ heisst ein Gewinnspiel, das sowohl von der Karriere-Webseite als auch von einer eigens dafür eingerichteten Facebookseite gespielt werden kann. Tschugger ist die vielleicht etwas freundlichere Version von „Bullen“. Das Spiel selber und auch die dazugehörige Facebookseite können aber nicht mit dem Witz der Maloney-Idee mithalten und wirken auf mich uninspiriert. Oder, um es mit Maloneys Lieblingszitat zu sagen; „Üble Sache“. Naja, ist vielleicht etwas gar hart, aber mit einem ziemlich banalen Quiz gewinnt man wohl kaum neue Polizeiaspiranten. Wobei das mit dem banal immer auch relativ ist: im Selbstversuch scheiterte ich doch tatsächlich an der weltberühmten Frage nach der Anzahl der Verwaltungskreise im Kanton Bern.

Nun, diese Bildungslücke wäre nun immerhin auch geschlossen. Und, Sie können es nun glauben oder nicht, mit meinen 9 (von 10) richtig beantworteten Fragen bin ich nun offzieller SuperTschugger. Da staunen Sie, ja?

Richtig gutes Recrutainment ist das meines Erachtens aber nicht. Nun ja, schaden tut’s sicher auch nicht. Gehen wir zum Abschluss doch lieber noch einmal zurück zu Philip Maloney. Wenn Sie ein bisschen Zeit und Lust haben – hier gibt’s eine ganze Maloney-Story. Der passende Titel: Die Politesse. Viel Vergnügen.

http://www.youtube.com/watch?v=lJI_xzKy45E

Auf Wiederlesen.