Früher war vieles anders. Absprachen wurden noch Tage vor dem Date (damals noch ‚Verabredung‘ oder ‚Rendezvous‘ genannt) gemacht; und sie galten dann auch. Smartphones gab’s nur in Science-Fiction-Filmen. Personalmarketing hiess noch Stelleninserat. Groupies waren noch richtige Groupies und Fans waren noch richtige Fans. Ein Fernsehapparat kostete gut und gern einen Monatslohn. Und Männer trugen noch Bart. Ich spreche natürlich von einem richtigen Bart; nicht von einem modischen Dreitageflaum. So ein Bartträger war Marco Stöcklin.

Menschen der heute immer wichtiger werdenden Zielgruppe Ü50 kennen Marco Stöcklin noch. Am Bildschirm war er u.a. auch als Schiedsrichter im TV-Quotenknüller Tell-Star präsent. Mich begleitete er ein paar Jahre durch meine televisionäre Kindheit. Während langer Zeit war dieses Urgestein des Schweizer Showbusiness Autor und Produzent vieler erfolgreicher Sendungen sowie Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens.

Apropos Tell-Star: Während 11 Jahren flimmerte das Schweizerquiz, moderiert von Bernard ‚Beni‘ Thurnheer, 250 mal in die Schweizer Stuben. Hier eine kleine Prise Nostalgie aus jenen historischen Tagen des Jahrs 1980:

Heute arbeitet Marco Stöcklin als Texter/Ghostwriter und als Medien-/Kommunikations-Coach. Nachfolgend seine Tipps für den Umgang mit Nervosität beim Videodreh.

Marco, warst Du eigentlich selber nervös, wenn es damals hiess: „Kamera läuft!“?

Marco Stöcklin: „Vor den Sendungen war ich immer aufgeregt. Manchmal mehr, manchmal weniger. Vor allem vor Live-Sendungen aber mutierte der Puls zum Gipfelstürmer. Ich zupfte intensiv an der Frisur (damals noch im angesagten Föhn-Look) und am Krawattenknopf herum, bis beides schliesslich arg zerzaust war. Oder ich übte in einer stillen Ecke zum x-ten Mal meine Moderationstexte, die ich allerdings seit Tagen längst auswendig konnte. Aber: Sobald wir auf Sendung waren, war die Nervosität wie weggeblasen.“

Und wie bist Du damit umgegangen?

Marco Stöcklin: „Nun, so, wie man im Laufe der Zeit mit sich und seinen Schwächen zu leben lernt, gewöhnt man sich auch an die Kapriolen seiner Nerven. Aber mit wachsender Erfahrung bekommt man ja auch Routine im Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten.“

Du hast alle Schweizer Showgrössen erlebt: Mäni Weber, Kurt Felix, Sandra Studer, Beni Thurnheer, Gabriela Amgarten u.v.m. Auch internationale Top-Stars sind unter Deiner Ägide in den Katakomben des Schweizer Fernsehens ein und aus gegangen. Unter uns: Diese Profis waren nicht wirklich nervös, oder?

Marco Stöcklin: „Oh doch, viele von ihnen schon. Selbst sogenannte alte Hasen – und auch weltberühmte Show-Stars. Die einen rauchten kurz vor ihrem Auftritt fast ein ganzes Päckli Zigaretten. Andere gingen etwa 20 mal Pippi machen. Wiederum andere machten Atemübungen, bis sie beinahe in Ohnmacht fielen. Ein Bundesrat trank in der Maske, also beim Pudern des Gesichts, in drei Minuten eine ganze Flasche Weissen. Aber ich verrate Dir hier natürlich nicht, welcher das war, denn Politik ist ja eine nüchterne Angelegenheit!“

Wie gefällt Dir die Entwicklung, dass auch für die Personalwerbung immer häufiger Videos eingesetzt werden?

Marco Stöcklin: „Eine echte Innovation! Das beweist sich ja auch bei den Jobvideos der VBZ. Sie sind eine hervorragende Visitenkarte für die VBZ – und sie dokumentieren, dass dieses Unternehmen nicht erst seit gestern in der Zukunft angekommen ist.“

Du hast vor drei Jahren die VBZ und ihre Führungskräfte auf dem konsequenten Weg hin zu Jobvideos massgeblich unterstützt. Welche Tipps kannst Du Führungskräften, Mitarbeitenden oder HR-Kolleginnen und -kollegen mitgeben, die zum ersten Mal vor die Kamera treten?

Marco Stöcklin: „Da gäbe es natürlich eine ganze Menge. Vor allem aber sollte man das Ganze nicht dramatisieren, denn so schwer ist’s schliesslich ja auch wieder nicht. Man soll die Herausforderung mit einer positiven, ja sogar lustvollen Einstellung annehmen. Ein Videodreh ist eine neue, spannende Erfahrung, die letztlich auch so richtig Spass machen kann. Deinen Leserinnen und Lesern rate ich, folgendes zu beachten:“

Tipps vom Fernseh-Profi für den Videodreh
1. Einstellung

Freuen Sie sich einerseits, dass Sie für Ihr Unternehmen vor der Kamera agieren. Nicht allen traut man sowas zu; Ihnen aber schon. Und freuen Sie sich andererseits ebenso für sich selbst. Auf Sie wartet etwas Neues, Aufregendes.

2. Training

Üben Sie! Und üben Sie nochmals und nochmals! Im stillen Kämmerlein sowie vor Ihrem persönlichen Testpublikum wie z.B. Ihrer Partnerin/Ihrem Partner, der Familie oder vor Arbeitskolleginnen, denn Meister, die vom Himmel fallen, sind eine extrem seltene Gattung.

3. Spick

Notieren Sie auf einem Spickzettel, was Ihnen wichtig ist. Aber nur Stichworte; keine Sätze. Ihren Spick werden Sie vor der Kamera sowieso nicht mehr zur Hand haben, aber er dient Ihnen als Reminder für die Zeit kurz vor dem Dreh (oder in den Pausen zwischendurch).

4. Einstieg

Lernen Sie Ihr Anfangsstatement, also den ersten Satz auswendig. Der Einstieg ist matchentscheidend. Gelingt er ihnen, gewinnen Sie viel Sicherheit für den weiteren Verlauf des Drehs.

5. Text und Sprache

Formulieren Sie kurze und verständliche Sätze mit höchsten ca. 10 bis 15 Worten. Vermeiden Sie abstrakte Wortmonster und/oder Banalitäten und gehen Sie mit Fach-, Fremd- und Modewörtern möglichst sparsam um. Sprechen Sie nicht theatralisch, sondern so, wie Sie es im Alltag tun. Das Schlüsselwort hier heisst Authentizität.

6. Ausstieg

Bleiben Sie mit einem sympathischen und prägnanten (vielleicht auch witzigen) Schluss in bester Erinnerung   … denn: Der letzte Eindruck bleibt haften.

Danke, Marco, und weiterhin alles Gute.

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