Transparenz ist ein wirksames Elixier gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung. Kein Wunder, fordern verschiedene Seiten seit Jahren mehr davon bei den Löhnen. Dort gibt es noch immer viel zu tun.  Zwischen den Geschlechtern bestehen nach wie vor unerklärliche Differenzen. Der Druck für mehr Transparenz nimmt zu.

Ich heisse Jörg Buckmann und in meinem letzten Job vor der Selbstständigkeit im Jahr 2015 verdiente ich 13’676 Franken – und 90 Rappen, falls Sie es genau wissen wollen. Brutto. Fast alle wünschen sich mehr Transparenz bei den Löhnen. Warum auch nicht?

In Schweden ist es kein Geheimnis mehr: Es herrscht Transparenz, was Herr Nachbar oder Frau Nachbarin so verdienen. Und auch in Deutschland ist der Gesetzgeber aktiv, ein Gesetzesentwurf soll es künftig Frauen in Unternehmen ab 200 Mitarbeitenden ermöglichen, den Lohn männlicher Kollegen in gleichwertigen Funktionen zu erfragen.

Die Schweiz (und mit ihr viele andere Länder) hinkt da noch hinterher. Nicht einmal die zahlreichen Gleichstellungsbüros fühlen sich bemüssigt, beispielsweise bei der Lohntransparenz in den Stellenanzeigen mit gutem Beispiel voranzugehen. Dabei entspricht dies einem klaren Bedürfnis der Stellensuchenden und gerade Frauen würden davon profitieren, weil dadurch der unsägliche Lohnpoker in den Vorstellungsgesprächen entschärft würde. Die Stimmen werden immer lauter, die hierzulande ein Umdenken fordern. Experten wie zum Beispiel Matthias Mölleney fordern, was sich in einer 20 Minuten Umfrage mehr als 3000 Leserinnen und Leser wünschen: Endlich mehr gehaltvolle Informationen.

Auch beim Thema der innerbetrieblichen Lohntransparenz mehren sich die Stimmen, die stärker in Richtung des in Schweden praktizierten offenen Umgangs mit dem Lohn zielen. Jetzt zeigt eine Umfrage von Xing bei 1000 Schweizer (Deutschschweiz) Arbeitnehmer/-innen klar, dass dies einem echten Bedürfnis entspricht. Auch 20 Minuten berichtete wiederum darüber.

Für Yvonne Zurbrügg, PR-Managerin von Xing Schweiz, ging es darum, mit der Umfrage mehr über die Befindlichkeit der Schweizerinnen und Schweizer zu diesem „Tabuthema“ zu erfahren: „Als eine unserer Serviceleistungen versuchen wir verstärkt auf dem XING Stellenmarkt auch typische Lohnbänder für einzelne Stellen anzugeben. Wir wissen aus vielen Studien, dass das einem echten Bedürfnis entspricht. Die Prognose beruht auf einer Schätzung, wobei uns in der Schweiz für verlässliche Angaben oft noch die nötige Datenbasis fehlt – wir überlegen da aber durchaus weiter. Zu erfahren, was Arbeitnehmende hierzulande über transparente Löhne denken ist entsprechend wichtig und spannend.“ Das Ergebnis spricht für sich und hat in seiner Wucht auch die Verantwortlichen von Xing etwas überrascht: „Mit so einem klaren Bekenntnis zu mehr Transparenz hätten wir nicht gerechnet,“ so Yvonne Zurbrügg.

In der Tat: 7 von 10 der Befragten wünschen sich eine Veröffentlichung aller Einkommen. Sie versprechen sich davon mehr Fairness bei den Löhnen, die Hälfte geht davon aus, von einer Offenlegung der Löhne persönlich zu profitieren. Kein Wunder, denn rund ein Drittel der Arbeitnehmer/-innen empfindet ihren Lohn aktuell als unfair. Die Zustimmung mit der Lohntransparenz wächst mit sinkendem Einkommen: Je tiefer der Lohn, desto höher die Zustimmung.


 

 

Schon heute pflegt die Hälfte der Deutschschweizer Arbeitnehmer/-innen einen recht unverkrampften Umgang mit ihrem Lohn, sie sprechen darüber offen mit ihren Freunden. Firmenintern wird aber gerne noch gemauert, doch immerhin spricht schon jede/r Fünfte mit Arbeitskollegen darüber.

 

 

Es gibt also noch einiges zu tun – packen wir es an. Und weil man ja bekanntlich selber vorleben sollte, was man von anderen fordert, bin ich eingangs schon mal in die Offensive gegangen. Wie sieht es bei den Herausgebern der Studie selber aus?

Buckmann: Frau Zurbrügg, gehören Sie persönlich auch zu den 70%, die mehr Transparenz wünschen?

Zurbrügg: „Ja, auf jeden Fall, aus meiner Sicht überwiegen die Vorteile.“

Buckmann: Schön. Und wieviel verdienen Sie?

Zurbrügg: Ich gehöre zu jenen, die mit ihrem Umfeld sehr offen über den Job diskutieren. Der Lohn gehört auch dazu. Aus Neugierde und weil ich überzeugt bin, dass durch die selbst hergestellte Transparenz auch Fairness entstehen kann„.

Buckmann: räuspert sich…

Zurbrügg: „11 100 Franken brutto im Monat.“

Wunderbar, das nenne ich konsequent und einen souveränen Umgang mit Themen, die man selber anstösst und propagiert. Grossartig, wenn andere folgen würden.

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