In den letzten Jahren ist ein Thema in die Top-Bedürfnisse der Zielgruppen des Personalmarketings aufgerückt: Die Arbeitszeit. Präziser gesagt: Die möglichst individuelle Gestaltung derselben. Mit diesem Thema lässt es sich in der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber wunderbar differenzieren. Die SBB ist jetzt als eine der ersten – Achtung: Kalauer – auf diesen Zug aufgesprungen.

Egal welche Studie man bemüht: Die Vereinbarkeit von Job und den immer vielfältigeren Freizeit- und Familienaktivitäten gehört zu den wichtigsten Anforderungen an einen neuen Arbeitgeber. Die Studie von beispielsweise Manpower zeigt das exemplarisch. Ferien und Freizeit sowie Flexibles Arbeiten gehören zu den Top 5 Prioritäten bei der Suche nach dem bestmöglichen Arbeitgeber.

 

Manpower

 

In den letzten Jahren haben viele Arbeitgeber nachgerüstet und bieten vielfältige Arbeitszeitmodelle an. Bei der Vermarktung dieses Angebots tun sich aber viele noch schwer. Die Mehrheit der Arbeitgeber speist seine Interessenten mit dem Geschwafel von «flexiblen Arbeitszeitmodellen» ab. Nicht so die AXA, für mich der Schweizer Benchmark in der Vermarktung dieses Arbeitgebervorteils. Unter dem Titel AXA-Flexwork werden eine Vielzahl von Möglichkeiten, jenseits der 100%-Arbeitszeitflatrate zu arbeiten, aufgeführt.

 

 

Grossartig, und das schon seit einiger Zeit.

 

Die SBB gleist Life Balance auf

Jetzt rücken auch die Schweizerischen Bundesbahnen ihre flexiblen Arbeitszeitmodelle und modernen Arbeitsformen mit einer eigenen Microsite ins rechte Licht. Life Balance heisst die Plattform, die vor Kurzem online ging. Sie bietet all jenen Anschluss, für die flexibles Arbeiten wichtig ist. Wie zum Beispiel Petra von der SBB IT.

 

 

Life Balance ist das Herz der Vereinbarkeitskampagne, mit der die SBB insbesondere Frauen aus den Bereichen IT, Ingenieurwesen und Finanzen ansprechen will. Für die Online-Kampagne wurden Videos mit realen Mitarbeiterinnen abgedreht und über diverse Kanäle ausgespielt, darunter auch zielgruppenaffine Seiten wie zum Beispiel swissmom.ch, wireltern.ch oder womeninbusiness.ch.

 

Screenshot Swissmom

 

Weiter wurden auch noch andere online-Kanäle bespielt, wie zum Beispiel Banner auf Suchmaschinen, Facebook, YouTube und den Business Netzwerken.

Screenshot SBB Facebook-Beitrag

 

Adrian Brülhart, Fachspezialist Personalmarketing, zum online-Fokus der Kampagne: «Wir haben bei dieser Kampagne ausschliesslich auf Online-Massnahmen gesetzt, aus Kostengründen und weil der Streuverlust kleiner ist.» Auch intern wird das Thema thematisiert und HR-Verantwortliche wie auch Führungskräfte mittels Veranstaltungen sensibilisiert. Vorbildlich.

 

Männerbastion SBB

Warum setzen die Bundesbahnen ausgerechnet auf dieses Thema? Nochmals Adrian Brülhart: «Mit Blick auf die Diversity-Strategie ist der aktuelle Frauenanteil bei der SBB (16.9%) und bei den Bewerbungen (16.7%) ungenügend. Wir wollen den Frauenanteil bis 2020 kontinuierlich auf 19 Prozent steigern. Vereinbarkeit ist für Frauen ein sehr wichtiges Kriterium für die Wahl des Arbeitgebers – darum wollen wir uns genau hier verstärkt als attraktive Arbeitgeberin positionieren. Dass das Thema auch bei Männern immer wie mehr zieht, ist natürlich ein zusätzliches Argument für diese Kampagne.»

 

Erste Resultate

Die erste Welle der Vereinbarkeitskampagne läuft vor Weihnachten aus. Adrian Brülhart zieht vorab ein erstes, noch vorsichtiges Fazit: „Bis jetzt sind wir mit der Performance (Anzahl Webseitenbesuche, Anzahl Job-Newsletter-Anmeldungen, Anfragen via Kontaktformular) zufrieden. Je nach Resultat gibt es eine zweite, optimierte Kommunikationswelle im Frühling 2017. Mittelfristig wird sich der Erfolg anhand der eingegangenen Bewerbungen und dem Frauenanteil zeigen. Wir sind zuversichtlich. Die eingegangenen Rückmeldungen stimmen uns positiv.»

Sehr schön umgesetzt, wie ich finde, und authentisch. Weiterhin viel Erfolg, liebe SBB.

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