Die Berufslehre steht unter Akademisierungsdruck. Wer kann, geht ins Gymnasium (und oft auch, wer eigentlich nicht kann). Lehrstellen bleiben unbesetzt. Muss die Berufsbildung in der Schweiz wieder «great again» gemacht werden? Mitnichten, wie ich finde. Denn schon heute ist grossartig, was viele Schweizer Betriebe, Chefinnen und Lehrmeister alles auf die Beine stellen, um den Nachwuchs zu sichern. Ein schönes Beispiel dafür ist die ABB. 

Dass die jungen Menschen, um die es hier geht, den Godfather of Soul kennen, bezweifle ich. Somit dürfte ihnen auch das fantastische Living in America von James Brown unbekannt sein.

«So what», werden sich die Jungen denken, dafür kennen sie Amerika aus eigener Erfahrung. Möglich macht das ihr Ausbildungsbetrieb, der Weltkonzern ABB.

Dort ist es für Berufslernende seit dem Sommer 2019 möglich, drei Monate am ABB Standort in Fort Smith, Arkansas, USA zu leben und zu arbeiten. Angesprochen sind Lernende aus den technischen Berufen Automatik, Polymechanik und Elektronik. Das Ganze wird von ABB organisiert und finanziert.   

«Bei dem Einsatz in den USA geht es nicht nur darum, Fachwissen aus der Berufslehre zu vertiefen, sondern auch darum, die amerikanische Unternehmenskultur und standortspezifischen Produkte und Prozesse kennenzulernen», erklärt Nicole Rommelfanger, die Ausbildungsverantwortliche von ABB. Während des Aufenthaltes wohnen die Lernenden bei Gastfamilien. So erhalten Sie ganz nebenbei auch noch viele authentische Einblicke in die amerikanische Lebenskultur.

Während des Aufenthalts in den USA werden den Auszubildenden Erfahrungen und Wissen vermittelt, die auch nach der Ausbildung nützlich sind. «Als fachliches Highlight erwerben die Lernenden einen «Lean Six Sigma Green Belt». Dies ist eine international anerkannte Methode zur Prozessverbesserung – und der Green Belt die zweithöchste zu erreichende Zertifizierung» erklärt Nicole Rommelfanger nicht ohne Stolz.

Der Aufenthalt in den USA ermöglicht den Lernenden schon früh erste internationale Erfahrungen zu sammeln und sich so attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren. Neben verbesserten Englischkenntnissen, steht aber auch die persönliche Entwicklung im Vordergrund. Flexibilität und Selbstständigkeit sind zwei grundlegende Anforderungen für einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt. Zwei Erfolgsfaktoren, die auch in einer späteren Karriere bei ABB immer wieder helfen werden. 

Den Unterrichtsstoff der Schweizer Berufsschule erarbeiten die Lernenden mit Hilfe von virtuellen Lernplattformen im Selbststudium. Dies bietet nebst der Förderung der Selbstkompetenzen auch die Möglichkeit, die Nutzung von digitalen Arbeitsinstrumenten zu erweitern. 

Die Schweizer Berufslehre hat international das Zeug zum erfolgreicher Exportschlager – auch dank Firmen wie Noser Informatik, die im letzten Jahr an der Fachtagung Lehrlingsmarketing Schweiz für Furore sorgten, oder eben der ABB. Das sieht auch Nicole Rommelfanger so. «Bei ABB in den USA wurden dieses Jahr die ersten Schritte in die Einführung eines solchen Programmes gemacht. Die Schweizer Lernenden unterstützen daher als übergeordnetes Projekt den amerikanischen Standort bei der Einführung der Berufslehre in den USA. Wer könnte schon besser sagen, was eine gute Berufslehre ausmacht als unsere Lernenden selbst?» Stimmt.

Während des Aufenthaltes in den USA berichten die Lernenden regelmässig von ihren Erfahrungen und ihren persönlichen Eindrücken – auf diesem Blog und den ABB-Kanälen auf Social Media.

Bin gespannt, wie sich diese tolle Idee von ABB entwickelt.

Auf Wiederlesen

ABB an der Fachtagung Lehrlingsmarketing Schweiz live erleben! Am 27. Januar 2020 findet in Baden bereits zum dritten Mal die Fachtagung Lehrlingsmarketing Schweiz statt. Nicole Rommelfanger wird dabei zeigen, wie ABB das Millionengame FORTNITE für ihre Lehrlingswerbung einsetzt. Jetzt anmelden.