Mit Klischees zu werben, ist eine feine, wenn auch nicht ganz risikolose Sache. Die Ironie muss passen und rüberkommen. So wie bei einer Aargauer Rehabilitationsklinik, die mit Witz und doch seriös Personal für ihre Expansionspläne sucht. Dabei rückt sie augenzwinkernd ein aussergewöhnliches Werbemittel in den Mittelpunkt: Weisse Socken.

 

Wohl in allen Ländern gibt es eine mehr oder weniger ernstgemeinte Rivalität und Vorurteile über andere Landesteile oder Städte. So weiss ich, dass man in Düsseldorf beispielsweise nicht unbedingt ein Kölsch bestellen sollte.

In der Schweiz sind viele solcher Vorurteile eher liebevoll gemeint. Den Aargauern zum Beispiel, meinem Wohnortkanton mitten im Dreieck Basel, Bern und Zürich, sagt man gerne eine gewisse Provinzialität nach. Rüeblikanton wird er genannt, gewählt wird mitte-rechts und das AG in den Autonummern steht für Achtung Gefahr. Doch das wohl beliebteste (Vor-)Urteil besagt, dass hier die Menschen doch tatsächlich noch weisse Socken trügen. Abgesehen davon, dass man damit wieder voll im Trend liegen würde, ja sogar ein angebliches must-have der Modesaison tragen würde, stimmt das natürlich nicht. Mindestens sind bislang meine Feldstudien an der Kasse im Coop erfolglos geblieben.

Die Menschen im Aargau sind natürlich selbstbewusst genug, um über solche Klischees lachen zu können. Ein Unternehmen mitten im Aargau beweist nun speziell viel Humor und bedient sich dieses Klischees, um für seine Jobs zu werben. Eine coole Sache, wie ich finde.

Die Rehaklinik aarReha, eine Fachklinik für Rehabilitation, Rheumatologie und Osteoporose. Sie liegt wunderschön idyllisch (und für Personalwerbeaspekte leider auch etwas abgeschieden) direkt an der Aare, mitten im Aargau. 250 Mitarbeitende arbeiten dort, in den nächsten Monaten sollen über 50 dazukommen. Ein Kraftakt in einer Branche, die den Fachkräftemangel wie keine Zweite spürt. 

Neuer Arbeitgeberauftritt

Auf dem Arbeitsmarkt ist aarReha eher noch ein Geheimtipp. Im Hinblick auf den grossen Personalbedarf muss sich das jetzt ändern. Als Grundlage des komplett neu aufgesetzten Arbeitgeberauftritts finden sich auf der Karriere-Website aarreha.jobs nun alle Vorteile für die Stellensuchenden – übersichtlich gruppiert nach Zielgruppen. Stories rund um die Arbeitswelt sollen helfen, das Unternehmen und den Spirit den Interessierten näherzubringen. Und als ein spezielles Element bewerben sich die Klinikleitungsmitgliedern gleich selber mit einem Video bei ihren künftigen Mitarbeitenden. Und für so richtig Traffic auf der Seite sollen weisse Socken sorgen.

Und zum Start eine Kampagne

Weisse Socken in der Personalwerbung? Was steckt dahinter? «Wir wollen damit nicht nur auffallen», erklärt mir HR-Projektleiterin Stefanie Hitz. «Wir bringen damit auch gleich eine unserer Stärken zum Ausdruck: Den Humor und den lockeren Umgang.»

Zu Beginn des Projekts hat sich aarReha nämlich intensiv mit seinen Vorzügen als Arbeitgeberin auseinandergesetzt und eine Employer Value Proposition entwickelt. Das Resultat ist nun auf eine pfiffige Weise mit der Sockenidee verwoben worden. So passen die überdurchschnittlichen Sozialleistungen wunderbar zur verstärkten Ferse oder die flexibleren Arbeitszeiten zum dehnbaren Bund.


Ganz schön frechmutig, wie ich finde. Wieder ein Unternehmen, das Seriosität nicht mit Langeweile verwechselt. Das gefällt mir. Und hier sind eben die Socken nicht einfach ein Werbeträger, denn sie passen einfach. Zu den beiden Standorten von aarReha im Aargau. Und zum Unternehmen, das zu 100 Prozent zum Aargau steht. Ich finde: Wer über sich selbst und die Klischees lachen kann, hat noch Reserven, ist souverän und lebt vor, was sich so manch prominenter Aargauer von seinem Kanton wünscht.

 

Die aarReha Socken

Die weissen Socken gibt es wirklich. Tausend Stück hat Projektleiterin Stefanie Hitz bestellt. Auf einer Banderole sind die Arbeitgebervorteile aufgedruckt. Dazu zählen ein gesundes Arbeitsklima, mehr Platz für die individuelle Behandlung der Patienten, bessere Arbeitszeiten als in vielen Konkurrenzunternehmen und hervorragende Sozialleistungen. Sie kommen zum Einsatz bei Jobmessen und anderen Veranstaltungen. Ich denke sogar an Guerillamarketing: Eine Aktion vor dem Personaleingang grösserer Akutspitäler oder anderer Rehakliniken, auch dafür wären die Socken ein wunderbares Hilfsmittel. «Soweit wollen wir im Moment aber nicht gehen», sagt Stefanie Hitz. «Wir zählen darauf, dass Interessierte auch so von unseren spannenden Jobs erfahren.»

 

Crossmedialer Einsatz

Das Sockenmotiv spielt auf verschiedenen Kanälen im Rahmen einer rund vierwöchigen Rekrutierungskampagne eine Rolle. So sind sie auch in den regionalen Kinos, auf den Displays von Bussen und Postautos und in den sozialen Medien ein augenzwinkernder Blickfang.

 

Selbst die Jobinserate wurden angepasst, und zwar online und auch für den Einsatz in regionalen Printmedien. In den Inseraten wird dann auch humorvoll erklärt, dass auch Pflegeprofis, Therapeuten und Ärztinnen willkommen sind, die auf andere Sockenfarben stehen. «Kein Problem», steht da, «viel wichtiger sind uns Ihr Humor, Ihre Fachkompetenz und Ihr Interesse für Neues.» 

Intern vor extern

Was aus meiner Sicht ebenfalls speziell gut gemacht ist: Das Geheimnis rund um den Arbeitgeberauftritt und die weissen Socken wurde von Klinikdirektor Beat Schläfli und Projektleiterin Stefanie Hitz (beide natürlich stilecht in den kultigen aarReha-Socken) im Beisein der Mitarbeitenden gelüftet. Diese konnten vorgängig die neue Website ansehen und natürlich ihr persönliches Exemplar an aarReha-Socken in Empfang nehmen. Natürlich verbunden mit der Bitte, im Kollegenkreis kräftig die Werbetrommel zu rühren. Für Stimmung und so manchen Lacher sorgte Slampoet Simon Libsig mit seinen frisch-frechen Beobachtungen über den Aargau.

 

Auf Wiederlesen