Diese Woche kam ich in den Genuss einer kalten Dusche. Was bei den schwülwarmen Sommertemperaturen nach einer willkommenen Abkühlung tönt, entpuppt sich als ein eigenwilliger Umgang von Swissstaffing, dem Arbeitgeberverband der Personaldienstleistungsbranche, mit Fragen zum Umgang einiger Marktteilnehmer mit Bewerberinnen und Bewerbern. Doch davon etwas später mehr, lassen Sie mich kurz die Stelleninseratewoche Revue passieren.

Vor einer knappen Woche habe ich mich über schluderige Stelleninserate und teilweise unseriöse Praktiken von HR-Abteilungen und Personaldienstleistern geärgert. Mit diesem Thema habe ich offenbar einen Nerv getroffen, weit über 1000 Leserinnen und Leser haben sich mitgeärgert und hoffentlich auch ein bisschen geschmunzelt. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. DerHR Today Recrutainment-Blog von Jo Diercks hat den Beitrag in seinen Fundstücken aufgenommen und Henner Knabenreich hat hier ausführlich über andere, na ja sagen wir mal weniger gelungene Beispiele geschrieben, aber auch darüber, wie denn eine gute Werbeanzeige für Stellen aussehen könnte. Und auch das angesehene Schweizer Fachmagazin HR-Today berichtet über die Thematik.

Unseriöse Praktiken

Im Artikel habe ich mich nicht nur über wirklich schlechte und nachlässig getextete Inserate ausgelassen, sondern mich einmal mehr über unseriöse Praktiken aufgeregt, die von einigen Personaldienstleistern angewandt werden. Dazu zähle ich

  • Kandidaten-Phishing: Mit „Fake-Inseraten“ werden Stellen ausgeschrieben, für die keine Mandate bestehen. Reale Stelleninserate werden einfach abgetippt und oft nur ganz leicht verändert. Potenzielle Bewerber/-innen werden im Glauben gelassen, dass der Dienstleister die Stelle in seinem Portfolio hat.
  • Wertschätzung: Kandidatinnen oder Kandidaten, die dem Wunschprofil nicht entsprechen, erhalten keine Antwort. Dossiers werden vernichtet statt zurückgeschickt.

Diese Vorgehensweisen werden von einigen Personaldienstleisten ganz ungeniert und öffentlich praktiziert. Grund genug für mich, einmal beim Arbeitgeberverband der Personaldienstleistungsbranche nachzufragen und in Erfahrung zu bringen, wie man dort über diese Problematik denkt. Schliesslich garantiert Swissstaffing seinen Marktpartnern, den Kundenfirmen und Stellensuchenden mit klar formulierten Standards Transparenz, Qualität und Professionalität der Personaldienstleistungen seiner Mitglieder. So steht es auf deren Homepage. Und weiter: Von externer Stelle durchgeführte Audits gewährleisten eine konsequente Durchsetzung der berufsethischen Grundsätze.

Swissstaffing nimmt Stellung – zum Bloggen…

Fragen darf man immer, man darf nur die Antwort nicht scheuen. Was mir einst schon meine Eltern beibrachten, ist mir auch heute noch oft ein Leitgedanke. Also habe ich als kleiner Blogger freundlich beim grossen Branchenverband um eine Stellungnahme zu den Themen angefragt, die nicht nur mich immer wieder ärgern, also über Inserate von Stellen, für die keine Mandate bestehen, über die teilweise miese Qualität von Inseraten und den wenig wertschätzenden Umgang einiger Marktteilnehmer im Umgang mit Bewerber/-innen.

Ich habe direkt bei Verbandsdirektor Georg Staub nachgefragt. Die Antwort war klar und unmissverständlich: 3 Zeilen, 44 Wörter, 292 Zeichen inklusive Leerzeichen. Nichts gegen prägnante Antworten, das finde ich gut, sehr gut. Weniger gut finde ich, dass Swissstaffing zu meinen an sich einfachen Fragen keine Stellung nehmen will. Sie wurden schlicht nicht beantwortet. Man nehme nur zu konkreten, dokumentierten Fällen Stellung, wurde mir beschieden. Immerhin hat Georg Staub zu Blogs wie diesem, den Sie gerade lesen, eine klare Haltung. Die Bloggerei lebe sehr stark vom Ansprechen der Nerven unserer Erregungsgesellschaft, schreibt mir Direktor Staub. Das sei sein Stil nicht, führt er aus.  Nun ja, besten Dank, ich habe ja eigentlich nicht nach der Haltung von Swissstaffing zum Bloggen gefragt.

Diese Meinung über die Qualität und den Nutzen von Blogs kann man ja durchaus haben und sei wem auch immer unbenommen. Dass der Arbeitgeberverband Swissstaffing Fragen zu den Herausforderungen für die Branche und den Problemen einiger weniger Mitglieder nicht beantworten will, nehme ich somit ganz einfach genauso zur Kenntnis wie die Art und Weise des Feedbacks – es zu kommentieren, ist dann wiederum mein Stil nicht. Ich nehme es wie oft mit Humor, denn dieser fördert die Kunst des Drüberstehens, wie der Humorforscher Alfred Kirchmayr herausgefunden hat.

Positiv aufhören

Mit dieser kalten Dusche kann ich diesen Beitrag natürlich nicht einfach beenden. Ich bin in dieser Woche auch auf zwei ansprechende Beispiele gestossen. Der Zürcher Personaldienstleister Almo zum Beispiel hat verstanden, wie es geht. Auf seiner Homepage und vor allem bei den informativen Stelleninseraten zeigt Almo, wie es zum Glück auch gehen kann. Viele sehr konkrete Informationen, zum Beispiel zur Teamgrösse, und sogar inklusive Lohnbandbreite. Bravo!

Almo unten

Auch das Stelleninserat der Schaffhauser Kantonalbank finde ich schön und irgendwie gelungen. Natürlich ist es weder wahnsinnig informativ noch revolutionär (und den Nutzen des QR-Codes habe ich beim besten Willen nicht begriffen), aber es ist doch sorgfältig gestaltet und getextet.

Schaffhauser Kantonalbank

Auf Wiederlesen.