Als Blogger-Novize, bis zu meinem sagen wir einmal zehnten Beitrag bezeichne ich mich einfach mal so, muss man sich ja doch einiges einfallen lassen, um überhaupt wahrgenommen und im besten Fall sogar geschätzt zu werden. Darum habe ich keine Kosten und Mühen gescheut und bin, motiviert durch die positiven Feedbacks auf meinen Vorschlag, die Arbeitszeugnisse doch durch die in der ehemaligen Sowjetunion gebräuchlichen „Arbeitsbüchlein“ zu ersetzen, auf eine aufwändige Recherchetour in den tiefsten Ostblock gereist. Zugegeben: eigentlich habe ich Ferien gemacht – tönt aber doch saugut, das mit der Recherchetour, finde ich. Zudem inspirieren mich die Meldungen über eine Zusammenarbeit von Prospective und Tamedia und eine Studie über gute Inseratetexte, das Thema Stelleninserate ein bisschen vertiefter aufzugreifen. Wenn wir grad dabei sind: Natürlich gäbe dieses Thema noch viel mehr her – so juckt es mich geradezu in allen Nervenbahnen meiner Finger, über die Vorzüge von Videoinseraten zu berichten. Das lasse ich tunlichst; nicht um Sie davon zu verschonen, im Gegenteil: Dieses Thema ist mir demnächst eine mehrteilige Serie Wert…

Nun aber der Reihe nach: Wie es sich für einen „Trämler“ – so wurde ich doch kürzlich von einem Bloggerkollegen genannt – gehört, reiste ich mit meiner Gemahlin (ja, der mit dem Arbeitsbüchlein…) standesgemäss mit dem Zug nach Moskau und später dann weiter nach Kharkov und schliesslich in 5 weiteren Stunden nach Kiev (und von dort beamte uns das Flugzeug dann in 2 Stunden zurück in den Westen).

Gespannt war ich vor allem auf die Fahrt mit dem neuen Nachtzug der Russischen Bahn nach Moskau, Dieser fährt erst seit letztem Dezember (wieder) und wurde mit grossem Pomp eingeführt. Das Gute vorweg: Unser „Lux“-Abteil erfüllte die Erwartungen voll. Ein tolles Abteil, trotz des neuen Materials teilweise noch im kultigen Ost-Design gehalten (Farben, Vorhänge…). Eigenes Abteil, zwei bequeme Betten, eines davon sogar fast für Zwei geeignet, eigenes hochmodernes Bad-WC. Und pro Wagen gerade einmal 6 Lux-Abteile, wobei wir die einzigen Gäste waren und uns somit den Status eines eigenen Privatschlafwagens (!) zuschreiben konnten – wer ausser vielleicht Nordkoreas Kim Jong Il  kann bzw. konnte das schon von sich behaupten? (Ok, der nordkoreanische Diktator hatte einen ganzen Zug…). Sich in knapp 30 Stunden dem Osten anzunähern, hat etwas Entspannendes. Das rhytmische „Dadämm, dadämm“ der Schwellen lässt mit jeden Schlag den Alltag etwas mehr vergessen. Vor dem Fenster ziehen die endlosen Weiten Weissrusslands vorbei – Wälder, Felder, Natur, ab und zu kleine Dörfer. Eine schöne, beruhigende und weite Landschaft.

Unsere Schaffnerin heisst Natalia, hat eine todschicke Uniform und zieht sich immer bei wichtigen Halten (z.B. in Warschau, Minsk oder den Grenzübergängen) die hohen Schuhe an. Ansonsten langweilt sie sich der Auslastung des Zuges entsprechend. Sie ist freundlich, spricht aber leider ausser Russisch nur noch russisch und russisch… Entgegen der vollmundigen Ankündigung der russischen Staatsbahn bei der Lancierung des Zuges spricht sie wie auch das Speisewagenpersonal weder französisch noch englisch, geschweige denn deutsch. Kein Wort, oder mindestens fast keines. Da liegt doch bei der Personalauswahl noch Luft drin (und womit ich doch noch endlich einen Anknüpfungspunkt zur Personalgewinnung und dem eigentlichen Zweck dieses Blogs gefunden habe).

Ansonsten – und jetzt muss ich meine Ferienerinnerungen doch schmerzhaft abkürzen (vielleicht mache ich auch mal so eine Vortragsreise durch die Schweizer Provinzsääle wie all diese Bergsteiger und sonstigen Wüstenpilger) – hat sich in den letzten sieben Jahren, seit ich zum ersten Mal den wilden Osten erkundet habe, vieles getan und wie ich meine vieles zum Guten, zumindest was ich in Kharkov und Kiev erlebt habe. Ich spreche nicht von den Strassen, die noch immer brutal viele Schlaglöcher aufweisen und all den tausend anderen Unterschieden, die es sonst noch so gibt und die das Entdecken des Ostens lohnenswert machen, sondern von so etwas wie Kundenorientierung und Freundlichkeit. Da hat sich vieles zum Besseren gewendet – vielleicht mit Ausnahme der Fremdsprachen, die wirklich auch in den Millionenmetropolen dünn gesät bleiben. Natürlich kann man sich zurecht fragen, ob in einem Land wie der Ukraine wirklich Fussballstadien für hunderte von Millionen hochgezogen werden müssen. Aber: Wer die Gastfreundschaft und den Stolz der Menschen gesehen hat, dieses Turnier auszurichten und wie z.B. in Kiev weit über 10‘000 Gäste aus Schweden zu begrüssen, muss vielleicht auch einmal Werte und Entwicklungen in die Bilanz einbeziehen, die sich nicht nur kurzfristig in den Ausgaben für Spiele der Millionäre in den kurzen Hosen beziffern lassen. Ich bin mir jetzt sicher: Ein Boykott der Euro hätte viele Menschen tief getroffen – und nicht die, die eigentlich gemeint wären. Ich bin fast geneigt zu sagen, dass es auch ein bisschen westliche Arroganz und das vereinfachende Gut-Böse Denken aus längst vergangen geglaubten Zeiten ist, wenn wir mit dem Zeigefinger auf mangelnde Rechtstaatlichkeit, auf vergaste Hunde (es gibt auf dem Land und in den Stadträndern noch immer viele davon und, pardon, die sind wirklich eine Plage), auf explodierende Preise (Hotels kann ich nicht beurteilen, alles andere ist immer noch sehr günstig) oder auf Kriminalität und Korruption zeigen (waren Sie auch schon einmal im Süden unseres Nachbarlands Italien…?).

Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift, pardon. Nun aber definitiv zur Personalgewinnung. Eine Freundin arbeitet bei einer grösseren Privatbank in Kiev. Ich habe sie gefragt, wie sie neue Mitarbeitende finden. In ihrer Antwort wiederspiegelt sich die Annäherung der Ukraine an den Westen, vielleicht sogar die Globalisierung allgemein. Einerseits gibt es die Direktansprache von Kader und Spezialisten über Linkedin. Andererseits werden junge Talente wie hier auch an den Universitäten

Lomonossov Universität Moskau

 über Messen und über Praktika möglichst früh entdeckt, geprüft und gebunden. Zusätzlich scheint aber auch eine andere Personalgewinnungsmethode üblich zu sein. Ich nenne sie einmal im Sinne eines Arbeitstitels: Die Mitgift (besser zu vermarktende und gleichwohl treffende Bezeichnungen nehme ich gerne entgegen). Dabei werden neu angestellte Personen beim Eintritt ins Unternehmen nach empfehlenswerten Kollegen/innen gefragt. Die entsprechende Liste mit Namen und Funktionen wird dann aktiviert, wenn sich die neue Person im Arbeitsalltag bewährt hat und somit auch deren Meinung über andere gute Arbeitnehmer an Wert gewonnen hat. HR geht dann bei einem Bedarf entsprechende Personen ganz gezielt direkt an und nimmt Bezug auf die ehemalige Arbeitskollegin bzw. -Kollegen. Vielleicht wird das in gewissen Branchen und für gewisse spezialisierte Abteilungen auch hierzulande praktiziert. Mir scheint aber die konsequente Umsetzung dieser Vorgehensweise und das sehr frühzeitige in den Fokus nehmen möglicher spannender Arbeitnehmer bemerkenswert. Dieses Vorgehen ist pragmatisch und konsequent. Den Ansatz kennen wir natürlich von den Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Programmen. Und doch ist er in dieser Form eine interessante Ausprägung.

Jetzt aber endlich zurück auf Feld 1 und zu den Stelleninseraten – darüber berichte ich in den nächsten Tagen. Bis dahin schmettere ich Ihnen ein herzliches Auf Wiederlesen entgegen.