Gemeinsam statt einsam. So könnte die Losung für Unternehmen heissen, die man auf dem Arbeitsmarkt kaum kennt. Oder die in Regionen tätig sind, die nicht unbedingt als Hot Spots in den Köpfen der Talente verankert sind. Oder für die, dumm gelaufen, sogar beides zutrifft. Das Allgäu macht’s vor, wie es geht.

Ich kenne das Allgäu (oder meine es zu kennen): Dort spricht man irgendwie fast so (schön) wie bei uns in der Schweiz. Ausserdem ist es in meiner Wahrnehmung diese wunderbare Region, durch die mich die Deutsche Bahn mit ihren guten (?) alten Dieselloks in aller Seelenruhe gen München ruckelt und die Zeit einfach nicht vergehen will. Ziemlich ländlich, etwas ab vom Schuss, wie wir hier sagen. Eine schöne Landschaft und eine Region, die ich nicht gerade sofort mit Arbeit verbinde.

Blöd für viele tolle Unternehmen, dass ich mit meinen Vorurteilen vermutlich nicht alleine bin.

Not macht bekanntlich erfinderisch. So haben sich auf Initiative der Allgäu GmbH, der Gesellschaft für Standort und Tourismus, 30 Unternehmen zu einem frechmutigen Vorgehen zusammengetan. Ziel: Gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Die Vorzüge des Allgäus als lebenswerte Region zeigen und sich als interessante Alternative zu anderen Arbeitsmarktregionen präsentieren. Meine Meinung: Ein Volltreffer! Prädikat: Frechmut geprüft!

 

 

 

Sabine Berthele ist Projektleiterin bei der Allgäu GmbH. Sie erklärt: «Im Mittelpunkt unserer Jobchallenge ist ein Jobhopper. Er oder sie testet in 180 Tagen 30 verschiedene Berufe und Arbeitgeber. Er oder sie ist vom Skilehrer über Iglu Lodge Guide bis hin zum Inbetriebnehmer in allen Jobs mehrere Tage lang eingebunden.»

Sabine Berthele, Allgäu GmbH

Der Jobhopper berichtet dann frisch von der Leber weg von seinen Erlebnissen. Die Geschichten aus dem Arbeitsalltag Allgäuer Firmen werden in einem Blog auf der Website und in verschiedenen Social Media Kanälen publiziert. «Mit den authentischen Erfahrungsberichten vom spannenden Leben und Arbeiten mit attraktiven Arbeitgebern wecken wir das Interesse von Fachkräften außerhalb des Allgäus,» so Sabine Berthele. «Dafür setzen wir ein Mediabudget von 30.000 Euro ein und bespielen die Artikel vor Allem über Onlinekanäle und -plattformen wie Google, Xing, LinkedIn, Merkur/TZ, Have fun at work, Unicum und andere.» 

Ungefähr 20Personen haben sich bereits beworben, um ab Herbst für ein halbes Jahr als Jobhopper unterwegs zu sein. Wer schon immer mal ganz offiziell die Bezeichnung «Jobhopper» oder «Jobhopperin» in seinem CV haben wollte – Bewerbungen sind noch bis am 23. August möglich. Mit dieser Idee nehmen die Projektverantwortlichen dem Wort, das jedem HR-Manager einen kalten Schauer den Rücken laufen lässt, den Schrecken.

Sabine Berthele: «Es geht uns darum, ein einmaliges Joberlebnis darzustellen, das sicherlich auch Mut und Offenheit benötigt. Für die oder den Jobhopper/-in ist es Mut sich selbst zu verwirklichen und was Neues zu wagen. Parallel zeigt die Region damit die Attraktivität auf und Arbeitgeber von einer ganz neuen Perspektive.» 


 

Auf der sehr umfassenden und informativen Webseite wird das Allgäu als lebenswerte Region gezeigt. Mit Superlativen wird nicht gespart und die Region als überdurchschnittlich sichere und lebenswerte Region gezeigt. Sogar Kommissar Kluftinger darf dabei nicht fehlen.

 


 

 

Toll gemacht und sogar mit Zahlen unterfüttert (41% weniger Straftaten als im deutschlandweiten Vergleich). Manchmal für meinen Geschmack sicher grenzwertig «romantisch». Sabine Berthele und ihr Team nennen es augenzwinkernd «heile Welt 2.0». Berthele betont: «Das Allgäu wartet eben nicht nur mit Kühen, Käse und Idyll auf. Heile Welt 2.0 ist eine Arbeitswelt mit viel Freiraum und das soll die Fachkräfte außerhalb der Region anziehen.»

Mit der sympathischen Jobchallenge sollen das Allgäu und die beteiligten Firmen über die Region hinaus Beachtung finden. Die Reichweite ist denn auch ein wichtiges Messkriterium, die Nutzerzahlen werden laufend ausgewertet. Eines der beteiligten Unternehmen ist die Firma elobau aus Leutkirch. „Dieser neue Weg des Fachkräftemarketings ist auch für uns eine spannende Herausforderung,“, sagt Norbert Christlbauer von elobau. „Wir konnten uns sofort vorstellen Teil der Jobchallenge zu werden. Der Jobhopper beleuchtet uns als Arbeitgeber mal von einer ganz neuen Seite. Wir nutzen bereits einige Online-Kanäle, die wir mit der Kampagne erweitern können“.

Die Jobchallenge Allgäu ist ein gelungenes Beispiel dafür, was an Aufmerksamkeit geschaffen werden kann, wenn einzelne Firmen ihre Kräfte bündeln. Und auch ein schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn sich HR und Marketing zusammentun und ebenfalls ihre Kräfte bündeln.

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