Reschpeckt, sagen wir Schweizer (und auch die Bayern, glaube ich, wobei die in diesen Champions League Tagen doch eher ruhig sind). Respekt, so ist es natürlich korrekt, in allerbestem Deutsch. Und in der Sprache des durchgestylten, globalen Weltkonzerns UEFA, auf dessen Seiten ich in Anbetracht der anstehenden Europameisterschaft gesurft bin, heisst es natürlich Respect. Was das mit meinem Thema zu tun hat?

Nun, nicht gerade wenig. Verdammt viel sogar, würde ich meinen. Denn ich spreche vom Respekt den Stellenbewerberinnen und Stellenbewerbern gegenüber. Dieser Blog gibt mir nämlich die Chance, über eines meiner Lieblingsthemen vom Leder zu ziehen: Der vor allem in der Schweiz verbreiteten Unsitte, den Bittstellern (=Jobsuchende) keine Antwort zukommen zu lassen. Den Dialog mit ihnen zu verweigern. Viel zu oft schreiben diese ihre Bewerbung wörtlich ins Leere. Keine Bestätigung im Sinne von „hey, danke, Deine Unterlagen sind bei uns angekommen“, keinen Zwischenbescheid (ok, geht grad noch so durch, ist wirklich nicht immer ganz einfach und sauber terminierbar), aber vor allem, und das ärgert mich masslos, nein, es macht mich wütend, keine Absage, kein standardisiertes „Nein, leider nicht“, einfach nichts. Funktstille, Dialog verweigert. Wow, tolles Personalmarketing. Die ganz Frechen genieren sich noch nicht einmal, nein, sie schreiben es sogar noch in die Stelleninserate rein: Aus verwaltungstechnischen und Kostengründen können wir Ihre Bewerbungsunterlagen leider nicht zurücksenden, schreibt zum Beispiel das Universitätsklinikum Jena. Leider? Zynischer geht es kaum. Konsequent auch die Stadt Büttelborn (bitte nicht nachfragen, keine Ahnung wo das ist): Dort nimmt man immerhin den Sparauftrag der Bürger so ernst, dass aus Kostengründen Ihre Bewerbungsunterlagen leider nicht zurück gesandt werden können. Respekt für den Sparwillen – vielleicht gäbe es aber doch noch bessere Bereiche… Übrigens: Selbst Universitäten (lehrt man dort nicht, wie die Welt funktionieren soll?) sind offenbar nicht willens, bei der Besetzung ihrer freien Stellen Anstand walten zu lassen. Ein paar Übereifrige scheinen da bei der Prozessoptimierung etwas über die Stränge geschlagen zu haben. Aber auch in der korrekten Schweiz gibt es eine Unmenge an Beispielen. Dabei ist die Rechtslage ja eigentlich klar. Die Juristerei interessiert mich aber gar nicht, ich finde, es geht hier ganz einfach um eine Art Grundanstand und um Respekt. Schade, dass noch immer viel zu viele Unternehmungen ungestraft so handeln. Ungestraft? Nein halt. Ich denke (hoffe es zumindest), dass sich mittel- und längerfristig ein solches Verhalten rächt – durch die Nichtbeachtung der Bewerber. Aber auch kurzfristig lässt sich ein solches Verhalten abstrafen. Das Schöne dabei ist: wir selber haben es in der Hand. Als Konsumenten, aber auch als Auftraggeber von HR-Mandaten an Personaldienstleister – denn leider ist gerade in dieser Zunft diese Unsitte verbreitet. Ich frage Sie: Wer zwingt Sie, Produkte von Unternehmungen mit einem solchen Geschäftsgebaren zu kaufen? Und wer zwingt Sie, Ihr schmales Personalmarketingbudget an Lieferanten mit unsauberen Geschäftsmethoden zu vergeben? Eben… Wer zahlt, befiehlt, heisst es doch so schön. Also: Befehlen Sie bei der nächsten Auftragsvergabe bitte eine grosse Portion Respekt.

Auf Wiederlesen.

Ihr Jörg Buckmann