Jana ist 22 und tanzt Samba. Das allein wäre ja noch kein Grund, über sie zu berichten – ich schreibe schliesslich keinen Tanzblog. Und ich bin auch nicht gerade als einer der zehn feurigsten Sambagötter zwischen Paderborn und Palermo bekannt. Aber die Berufswelt in der Pflege und in Spitälern ist eine ungemein spannende, finde ich. Genau weil die Pflegebranche vor so grossen Herausforderungen steht, berichte ich auch gerne darüber. So wie heute.

Ich erinnere mich gut: Schon in meinen Anfängen als Blogger habe ich über die frechmutigen Männer und Frauen aus einem kleinen Schweizer Dorf berichtet, die mit Pfiff und einem Augenzwinkern die begehrten Pflegefachkräfte in die Provinz locken. Jetzt setze ich zu einem geografisch grossen Sprung an und berichte über einen Personaldienstleister aus Hamburg, der sich auf Pflegeberufe spezialisiert hat. Und diese ganz schön frisch und sympathisch bewirbt. Aber zuerst muss ich noch kurz den Mahnfinger bemühen.

Kampf (?) um die Talente in der Pflege – oder wenn Not auf Elend trifft

Auch in der Pflegebranche sind gute Ideen in der Personalgewinnung offensichtlich rar. Kein Samba, sondern Querflötenunterricht für Talentfreie. Und so sieht dann Personalwerbung für die stark umworbenen Pflegefachkräfte noch oft aus:

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Da werden sich natürlich ganz ganz viele Pflegende sagen: „Oh wie fantastisch – soooo viel habt ihr mir zu bieten? Und erste noch mit einer sorgfältigen Einführung in das Aufgabengebiet? Wo ums Himmels willen kann ich mich bloss sofort bewerben?“

Andere setzen auf Bewegtbild, sprich Video – haben aber vom Medium ähnlich wenig verstanden wie vom Texten. Schauen Sie doch einmal bei 00:59 Minuten rein. Auf so einen Satz muss man erst einmal kommen. Not trifft Elend…

http://www.youtube.com/watch?v=K5tzBAhiWB0

Gott sei Dank – es geht auch anders

KlinikkarrierenEs gibt aber auch frischere Ansätze wie jenen der Schulthess-Klinik in Zürich. Die Verantwortlichen schalten recht auffällige Inserate im redaktionellen Teil der leserstärksten Zeitung der Schweiz – mit QR-Code als Brückenangebot auf eine ansprechende Landing-Page. Dort hat man begriffen, dass Jammern alleine nicht reicht. Gefällt mir schon gut, wenn auf der Landingpage die Arbeitgebervorteile noch etwas mehr in den Mittelpunkt rücken, dann kommt es definitiv sehr gut.

Ich will an dieser Stelle aber einen vertiefenden Blick nach Deutschland werfen und habe mich mit der Verantwortlichen von CareFlex über deren Vorgehen ausgetauscht. Nachdem in Deutschland von meinem Kollegen Lutz Altmann schon ausführlich darüber geschrieben wurde, ist es nun an der Zeit, das professionelle Vorgehen auch in der Schweiz bekannter zu machen. Also, liebe Personalverantwortliche in den Spitälern und Pflegezentren dieses Landes, aufgepasst – so geht’s:

CareFlex

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnne Engelshowe ist Marketing- und Vertriebsleiterin bei CareFlex und zuständig für den tollen Arbeitsmarktauftritt des Unternehmens. CareFlex ist ein Tochterunternehmen einer evangelischen Stiftung in Hamburg und spezialisiert auf Personalvermittlung im sozialen Bereich. 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen als ausgebildete Heilerziehungspfleger, Erzieherin, Alten- und Krankenpfleger bzw. Pflegeassistentin feste oder wechselnde Einsätze in sozialen Einrichtungen und Heimen.

Frau Engelshowe, sind Sie als Tochterunternehmen eines evangelischen Stiftung quasi ein Personalvermittler von Gottes Gnaden?

Anne Engelshowe: (lacht) Das nicht gerade, aber wir möchten uns von der Masse der Personaldienstleister, die in Deutschland vielfach einen schlechten Ruf haben, schon abheben. Dies gelingt uns auch sehr gut. Als Unternehmen einer evangelischen Stiftung und spezialisierter Dienstleister stehen bei uns Menschen im Mittelpunkt. Diese Ausrichtung ist zentraler Bestandteil unseres Leitbildes und äußert sich zum Beispiel in einer konsequenten Mitarbeiterorientierung. Anstatt einer Betriebszugehörigkeit von wenigen Monaten, wie in der Branche üblich, verbleiben unsere Mitarbeiter im Schnitt fast 2 Jahre bei uns. Das macht uns natürlich mächtig stolz und auch selbstbewusst, was sich unter anderem in einem sehr offenen und ehrlichen Dialog äußert. Das ist ebenfalls eher unkonventionell für die Branche.

Sie setzen also zuerst einmal innen an, beim Dialog mit ihren Mitarbeitenden – Sie beginnen innen. Und Sie setzen auf Video. Warum Bewegtbild?

BirgitAnne Engelshowe: „Auch hier gilt, dass wir nah am Menschen sein wollen, um zu zeigen, was unsere tägliche Arbeit ausmacht. Das funktioniert mit Video besser als mit abstrakten Texten oder einer Hochglanzbroschüre. Wobei wir in unserer Kommunikation ohnehin stets darauf achten, unsere Mitarbeiter, wie zum Beispiel Nasly, mit einzubinden und Stockfotos sowie allgemeine Floskeln zu vermeiden. Zudem wollen wir nah an unseren Zielgruppen sein, zu denen insbesondere junge Berufseinsteiger zählen, die nach Abschluss ihrer Ausbildung Erfahrungen in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen sammeln möchten. Da das Internet und Soziale Netzwerke wie Facebook und YouTube zu ihrem Alltag gehören, ist auch für uns die Präsenz hier unerlässlich. Das sieht dann zum Beispiel so aus:“

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Video mit „Nasly“ gemacht?

Anne Engelshowe: „Durchweg positive. Auf YouTube hat der Film seit dem Release am 1. Juli fast 3.000 Klicks erreicht, und auch bei Facebook, wo wir den Film über unsere Fanpage, Werbeanzeigen und in diversen Gruppen verbreitet haben, kam er sehr gut an. Im Sommer lief der Spot dann sogar im Vorprogramm eines Open-Air-Kinos in Hamburg. Der Veranstalter war vom Konzept und unserer Zielsetzung überzeugt und machte uns kurzerhand einen Freundschaftspreis. Mittlerweise sind auch erste Bewerbungen eingegangen, die den Film als Referenz nennen. Darüber freuen wir uns natürlich besonders!“

Sind weitere geplant?

CarolaAnne Engelshowe: „Definitiv! Zumal es im sozialen Bereich und der Arbeit unserer Mitarbeiter noch viele spannende Geschichten zu erzählen gibt, was von der Branche und anderen Arbeitgebern bisher viel zu wenig ausgeschöpft wird. Hinzu kommt, dass das Filmteam „17motion“ ebenfalls zur Ev. Stiftung Alsterdorf gehört und wir somit inhouse produzieren lassen können. Als Teilbereich einer Betriebsstätte für Menschen mit und ohne Handicaps, arbeiten sie selbst jeden Tag ganz nah am Menschen und wissen, worauf es ankommt. Das erleichtert die Ideenfindung und Zusammenarbeit ungemein.“

CareFlex Facebook1

Sie haben eine Facebookseite und Ihre Homepage ist sehr informativ und gut gestaltet. Kompliment. Wie wichtig ist Ihnen die Positionierung von CareFlex auf dem Arbeitsmarkt?

KevinAnne Engelshowe: „In Pflege- und Assistenzberufen haben wir bereits einen Arbeitnehmermarkt, so dass Fachkräfte oft aus mehreren Angeboten aussuchen können. Damit wir als Personaldienstleister da zum Zuge kommen und die Mitarbeiter gewinnen, die zu uns und unserer Beschäftigung passen, sind eine bekannte Arbeitgebermarke und ihre strategische Positionierung unerlässlich. Unser Employer Branding ist zudem ganzheitlich ausgerichtet, das heißt, dass wir ebenso viel intern unternehmen, um die Zufriedenheit und Identifikation unserer Mitarbeiter zu stärken. Den Grundsatz, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, haben wir fest in unserem Leitbild und somit an oberster Stelle verankert.“

Ist denn der Fachkräftemangel in der Pflege und Betreuung so dramatisch?

Anne Engelshowe: „Leider ja. Schon jetzt fehlen in Deutschland rund 30.000 Fachkräfte in der Pflege – Tendenz stark steigend. Und auch im Bereich der Kindertagesbetreuung werden händeringend Fachkräfte gesucht. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige, der seit dem 1.August in Deutschland gilt, verschärft das Problem weiter. Das ist mit ein Grund, warum wir auch bei den Printinseraten neue Wege gehen.“

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Jetzt haben wir schon viel über Ihre Mitarbeiterbindung gehört. Was tun Sie denn genau?

Anne Engelshowe: „Das ist geheim!“

Ach was, hören Sie doch auf – Ihre Gespräche sind doch längst in Amerika ausgewertet. Und überhaupt – wir sind doch hier nicht in Appenzell!

… und ausserdem sind wir hier ja ganz unter uns…!

Anne Engelshowe: „Na gut. Wir wissen, was für unser Geschäft wichtig ist: Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter. Daran richten wir unser Handeln aus. Das reicht von regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen, über ein betriebliches Gesundheitsmanagement bis hin zu umfassenden Sozialleistungen. Zudem stehen wir zu unseren Ecken und Kanten und gestehen diese auch unseren Mitarbeitern zu.“

Vielen Dank, liebe Frau Engelshowe. Weiterhin viel Erfolg. Und speziell für Jana, die Sambatänzerin von CareFlex, ein kleiner Gruss aus Zürich (und aus meiner Kindheit mit Dieter-Thomas Heck):

http://www.youtube.com/watch?v=P7X9K6H0VEU

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