Eigentlich habe ich mir übers Wochenende eine Schreibpause verordnet. Der Grund heisst Smokey Joe und ist das perfekte Spiel- bzw. Grillzeug für den Zweipersonenhaushalt (und den Grilleur mit zwei linken Händen und Bequemlichkeitsfokus beim Thema Grillreinigen). In der Vorbereitungsphase auf den abendlichen Grillevent bin ich beim Blättern im Kaderstellenmarkt alpha (ja, auf Papier, quasi analog) auf einen Artikel zu online-Bewerbermanagementsystemen gestossen. Schnell wie der Wind kommt nun mein kleiner Seitenblick dazu – zu schnell vielleicht sogar. Denn leider kann ich nicht auf den Artikel in der online-Version des Kaderstellenmarktes alpha.ch verweisen. Dort ist er schlicht noch nicht online!?!
Aber dafür hier.

Was mir am Artikel der Autorin Janick Sandrin gefällt, ist die kritische Betrachtung von Bewerbermanagementsystemen aus Bewerbersicht. In der Tat scheint es noch immer so, dass die Prozessoptimierung in vielen Unternehmen ohne Rücksicht auf die Kundenbedürfnisse (ja, Kunden) oder zumindest ohne Fingerspitzengefühl durchgezogen wird. Dafür liefert der Artikel anschauliche Beispiele. In der digitalen HR-Welt wurde darüber auch schon verschiedentlich und ausführlich berichtet. So unter anderem vom Wiesbeadener „Inseptor Clouseau“ alias Henner Knabenreich. In unserem nördlichen Nachbarland gibt es sogar Studien, ja erste Rankings über gute Bewerbermanagementsysteme. Einen informativen Bericht darüber gibt es im Saatkorn Blog von Gero Hesse. Die in den verschiedenen Berichten aufgeführten Beispiele lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass der online-Bewerbungsweg über solche Tools der „Smokey Joe der Bewerbungswege“ ist.

Ich glaube, das greift zu kurz. Ich bin der Überzeugung, dass ein gutes online-Bewerbungstool mit einem vertretbaren Aufwand für die Bewerber für alle Seiten Vorteile bringt, auch für den Bewerber. Denn die Kommunikation mit den oftmals vielen Tausend Bewerbern (pro Jahr meine ich, nicht pro Stelle…) wird einfacher, sicherer und schneller. Ich vermute, dass die Datensicherheit auf diesem Weg höher ist und zudem ist auch ein Pooling interessanter Dossiers einfach möglich. Von all diesen Vorteilen profitieren nicht zuletzt auch die Bewerberinnen und Bewerber.

Dieser Aspekt fehlt mir etwas bei all diesen online-Bewerbungstool-Bashings. Womit wir bei meinem Einspruch zum alpha-Artikel wären. Dass die einzige Quellenangabe im Artikel – eben Gero Hesse – zwei Mal als Gero Hess beschrieben wird, mag ja zumindest aus meiner Sicht noch durchgehen. Was ich persönlich aber ganz anders sehe, ist die Gleichsetzung der Autorin von Bewerbungsmanagementsystemen mit Anonymität, ja sogar Isolation. Als Beispiel wird die Schwierigkeit, einen Ansprechpartner für persönliche Fragen zu finden, oder die Unsitte, auf nicht passende Bewerbungen keine Antwort zu geben, herangezogen. Ich finde auch: das geht definitiv nicht. Nur: das hat leidlich wenig mit einem guten oder schlechten Bewerbermanagementsystem zu tun sondern damit, wie gut die Karriere-Webseite gemacht ist und welche Kinderstube die Recruiter genossen haben. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass eine Bewerbung über den Mailweg „persönlicher“ sein soll als das Verschicken der Papiere über das Bewerberportal – die Autorin nennt dies den ersten persönlichen Kontakt zwischen Bewerber und Unternehmen. Sehe ich anders: Aus meiner Sicht findet der erste Kontakt – wenn überhaupt – auf der Karriere-Webseite statt (oft schon vorher, im Kontakt mit Mitarbeitenden zum Beispiel). Dort müssen die Informationsbedürfnisse befriedigt werden und nicht in der Bewerbungsröhre. Auf der Karriere-Webseite spielt die Musik des ersten Kontakts, dort kann mit wertvollen (sprich konkreten) Informationen und Emotionen in Form von Bildern gepunktet werden. Und dort gehört selbstverständlich die möglichst direkte und einfache Möglichkeit zur Kontaktaufnahme für persönliche Informationen sichergestellt. Nun ja, ob Bewerbermanagementsysteme oder andere Wege: Vielleicht brauchen wir ja bald komplett neue Systeme und Vorgehensweisen, wenn sich diese Bewerbungsform grossflächig duchsetzen sollte (merci an die Kollegen von Atenta nach Hamburg für dieses tolle Fundstück). So, ich muss, Smokey Joe wartet. Auf Wiederlesen.