Guten Sonntag allerseits. Es gibt neues aus Absurdistan. Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, mich nicht mehr allzu oft über Stellenanzeigen auszulassen. Und schon gar nicht am heiligen Sonntag, geschweige denn am vierten Advent. Aber andererseits: Was kann ich machen, wenn mich beim friedlichen Sonntagsbrunch einige Exponate in der NZZ Executive (ja, Executive, also nicht der Stellenteil sagen wir mal des Fernfahrermagazins) geradezu hämisch angrinsen und sagen. „Hey, Buckmann, bist Du stark genug, nicht über uns zu berichten?“ Ich gebe es auf, ihr habt gewonnen, ihr Stelleninseratedämonen, ich bin zu schwach. Aber ich habe immerhin wieder etwas gelernt und Sie vielleicht bald auch: Oder kennen Sie etwa die neuen, trendigen Giraffeninserate schon?

Ich gebe es ja zu. Bezüglich den Stelleninseraten in den Printmedien ist meine Meinung ziemlich gefasst und sauber in den Schublädli meines Stereotypensekretärs abgelegt. Neun von zehn Inseraten stammen von Unternehmen, die nicht aufs Geld schauen müssen. Das ist ja kaum zu übersehen. Oder, sie sind von cleveren Personaldienstleistern, die auf Kosten ihrer Klienten Eigenwerbung in Form ihrer fetten Logos machen. Wie auch immer. Ich habe also heute Zeitung gelesen und noch vor dem Sportteil ein bisschen in der Stellenbeilage geblättert – schliesslich muss man ja von Berufes wegen up to date bleiben (wenn sich schon keine Headhunter bei mir melden, muss ich halt selber schauen).

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Hier meine vier subjektiven Highlights:

Platz vier: Furer & Karrer Rechtsanwälte

Nicht ganz aufs Treppchen geschafft hat es dieses Exponat. Warum eine Rechtsanwaltspraxis als Personaldienstleister agiert, weiss ich nicht. Ist auch irrelevant. Mich begeistert in diesem Inserat das Stockphoto des jubelnden Jungmanagers. Völlig sinnentleert und deplatziert.

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Platz drei: Stiftung Bauhaus in Dessau

Bronze geht nach Deutschland, und zwar nach Dessau. Eigentlich wohltuend, die Gestaltung dieses Teaserinserates (nicht ironisch gemeint). Aber der Informationsgehalt? Grauenhaft. Nein, ich nehme es zurück – eigentlich schon fast kultig. Mein Dank nach Dessau für die wirklich präzisen Lohnangaben und die Deutsche Gründlichkeit in den Formulierungen, ich bin beeindruckt.

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Platz zwei: Das Giraffen-Stelleninserat der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Büro für Gleichstellung von Frau und Mann)

Dass die Gleichstellungsbüros finanziell gut gehalten sind, das weiss ich (fragen Sie mich nicht, woher, aber ich weiss es). Vor lauter Geld ausgeben haben die Gleichgestellten aus Bern hier sogar eine neue Inserateform geschaffen: Das Giraffen-Stelleninserat. Die mit dem langen Hals. Einfach übel – sorry, liebe Giraffen. Äääh, liebe Giraffinnen und Giraffen. Moment, doch, etwas Positives habe ich im Inserat doch noch gefunden. Es ist konsequent. Der Text besteht vom ersten bis zum letzten Buchstaben aus Anforderungen und Aufgaben. Etwas zu bieten? Fehlanzeige, ist eh klar. Bewerbungsadresse? Ach so. Wie gesagt, konsequent: Das Inserat ist durchgängig schlecht. (Nachtrag: Ich sehe gerade doch noch etwas wirklich Nützliches: Der graue Streifen links vom Text ist vermutlich für Notizen gedacht – irgendwie doch noch praktisch…)

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Platz eins: Das Giraffen-Stelleninserat vom Kantonsspital Graubünden

Es war ein Kopf an Kopf Rennen auf höchstem (Giraffen-) Niveau. Würdiger sonntäglicher Sieger und – zusammen mit den Gleichgestellten aus Bern – Trendsetter bei den Giraffen-Stelleninseraten sind die Bündner vom Kantonsspital in Chur. Um den Giraffenhals noch etwas mehr zu betonen, wurde das Inserat in knackiges Rot getünkt. Das macht es noch einen Tick auffälliger und angriffiger als jenes aus Bern und reicht so ganz knapp für den sonntäglichen Gesamtsieg. Abstriche muss ich aber bei der Konsequenz machen, denn bei den Bündnern hat der Platz am Ende des Giraffenhalses des Inserates  doch noch für die Bewerbungsadresse gereicht. Selbstredend ist nur die Bewerbung per Post möglich, aber doch immerhin.

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Auf Wiederlesen.