Online-Stellenanzeigen über die privaten Profile von Personalerinnen, Vorgesetzten und Mitarbeitenden zu posten, macht Sinn. So werden aus anonymen Jobs persönliche Empfehlungen. Nur: So richtig persönlich ist es in den wenigsten Fällen. Das geht auch anders.

Eigentlich wäre es so einfach: Die Mitarbeitenden, möglichst die künftigen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen aus dem Umfeld der ausgeschriebenen Stelle, oder die Führungskräfte und natürlich die zuständigen Personalverantwortlichen, posten die Stellenanzeige auf ihren persönlichen Profilen und werden so zu Job-Botschafterinnen und Job-Botschaftern. So weit, so einfach.

Doch wirklich persönlich ist das reine Weiterleiten von Jobinseraten auf die eigenen Profile nun auch wieder nicht. So richtig spannend wird es eigentlich erst dann, wenn dem Inserat eine persönliche Note mitgegeben wird.

Das ist mir erst kürzlich wieder so richtig bewusst geworden, als ich über den Post meines Kollegen Udo Fichtner gestossen bin:

Eigentlich ja so simpel – und so unglaublich wirkungsvoll. Ein paar persönliche Zeilen machen aus einem 08/15-Inserat eine persönliche Empfehlung. Toll gemacht! Udo’s Vorgehen erinnert mich spontan an eine Kampagne der Kantonspolizei Zürich. Schon viele Jahre alt, aber noch immer super. Auch dort gab man den freien Jobs eine persönliche Note, erklärte, weshalb man auf der Suche nach neuen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen war.

Screenshot 20 Minuten

Aber zurück zum Reposten von Stelleninseraten in den eigenen Profilen. Eigentlich erstaunlich, dass Inseraten so selten ein paar persönliche Duftnoten mitgegeben werden. So schwer wäre es doch eigentlich nicht?!

Weil im Alltag die Zeit manchmal halt einfach fehlt und so manch mühsamer Prozess die Lust am Texten auffrisst, habe ich für Sie in die Tasten gegriffen und 10 Mustervorlagen zusammengestellt, die Sie und Ihre Mitarbeitenden vielleicht inspirieren. Übernehmen Sie gerne diejenigen, die Ihnen gefallen. Kopieren Sie hemmungslos, passen Sie sie an. Kurz und bündig: Machen Sie doch, was Sie wollen!

Viel Spass mit meinen 10 Beispielen für kreative Begleittexte.

Beispiel 1:
Deine Vorgängerin Raffaela hat es fast 7 Jahre mit uns ausgehalten… 😉 Jetzt, 1208 gemeinsame Kaffeepausen, 6 legendäre Weihnachtsfeiern und 238 Montagsanalysen über die Leistung ihres FC Zürich später hat sie sich auf die Transferliste setzen lassen und zieht weiter. Okay, die Spielanalysen werden uns nicht fehlen (sorry, Raffaela 😊), aber alles andere und noch ganz viel mehr! Alles Liebe und Gute, es war grossartig mit Dir! Jetzt sind wir wahnsinnig neugierig, was für eine spannende und interessante Person in den nächsten Jahren unser kleines und feines Team verstärkt, inspiriert und gemeinsam mit uns die Kaffeepause rockt.

Beispiel 2:
Ausschlafen. Die Toscana erkunden. Sich als Stiftungsrat engagieren. Den Kilimandscharo besteigen. Und zwei Mal im Monat die Enkel hüten. Das sind die Pläne von Stefan Müller, unserem Bauleiter und fast 12 Jahre mein Mitarbeiter. Es war eine grandiose Zeit mir Dir, danke Stefan! Auch ich schaue vorwärts und suche nach seiner Pensionierung für mein Team «einen neuen Stefan» (sehr gerne auch eine neue «Stefania»!). Unsere Projektpipeline ist proppenvoll und auf Dich als Bauingenieurin oder Bauingenieur warten ziemlich coole Projekte – die komplexe Sanierung des Glauberareals ist nur eines davon. Ruf mich doch einfach an, ich erzähle Dir gerne mehr dazu, meine Telefonnummer ist 044 123 45 67.

Beispiel 3:
Klar, unsere Nicole vom HR hat diese Stellenanzeige nach allen Regeln der Kunst geschrieben. Auf der Suche nach einer neuen Arbeitskollegin wollen Hannes (44), Petra (29), Sibylle (56), unsere Azubine Hatice (19) und ich nichts dem Zufall überlassen – schliesslich wollen wir es weiterhin so gut haben wie die letzten Jahre. Also: Wenn Du fachlich etwas auf dem Kasten hast und wir auch von Dir etwas lernen können – super. Und wenn Du zudem nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legst, gerne lachst und Dich nicht zu wichtig nimmst – noch besser! Schick Nicole (siehe Inserat) unbedingt Deine Papiere. Wir freuen uns auf Dich!

Beispiel 4:
Dass ohne uns vermutlich jetzt kein Zug durch den neuen Gotthardtunnel flitzen würde, macht uns schon etwas stolz. Wir haben mit unseren [Arbeit] und den [andere Arbeit] zu diesem Megaprojekt beigetragen. Jetzt stehen neue, unglaublich spannende Aufgaben vor uns. Dazu gehört zum Beispiel (spannendes Projekt einsetzen). Damit wir das und noch vieles mehr stemmen können, brauchen wir Sie. Wenn Sie schon ein paar Jahre erfolgreich als [Funktion] gearbeitet haben, sollten wir uns vielleicht einmal über einen Wechsel in unser ambitioniertes Team unterhalten.

Beispiel 5:
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Beispiel 6:
Ende März gehe ich in Pension und jetzt soll ich auf meine alten Tage also noch zum Headhunter werden?! Schon gut, ich helfe ja gerne, meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger zu suchen. Dafür sind mir meine Kolleginnen und Kollegen zu sehr ans Herz gewachsen. Die Erfolge wie zum Beispiel [Beispiel 1] oder [Beispiel 2] haben uns richtig zusammengeschweisst. Ich habe den gegenseitigen Respekt und die Art und Weise, wie wir gestritten, diskutiert und gelacht haben, sehr geschätzt. Darum wünsche ich mir, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger nicht nur fachlich etwas auf der Platte hat, sondern es auch versteht, sich einzubringen, manchmal auch zurückzunehmen, Humor versteht und auch gerne anderen hilft, wenn mal wieder Land unter ist. 

Beispiel 7:
Mag ja sein, dass ich als zuständiger Personaler nicht ganz unvoreingenommen bin, wenn ich diese Stelle mit dem Prädikat «besonders bewerbenswert» versehe. Darum lasse ich einfach mal drei Zahlen aus der kürzlich erfolgten Mitarbeiterbefragung für sich sprechen: Zufriedenheit insgesamt: 88 Punkte (plus 3 im Vergleich zu 2017). Direkte Führungskraft: 83 (plus 1). Arbeitszeitregelungen: 82 Punkte (plus 9!, wir haben kürzlich ein neues Home Office Modell eingeführt). Noch Fragen? Gerne. Wenn Sie mögen, gleich hier im Kommentarfeld. Und wenn es etwas persönlicher sein soll: [Mailadresse].

Beispiel 8:
Manche finden ja, ohne lästige Chefs wäre alles besser. Meine Kolleginnen Mia (56), Lorenz (49), Kevin (27) und ich finden das nicht, im Gegenteil. Wir freuen uns, wenn uns schon bald wieder eine kompetente und nette Chefin oder Chef fördert, herausfordert, pusht, coacht, zuhört, mit uns Spass hat und, ganz wichtig, unsere Freitagsbierrunde komplett macht. Also: Habe Mut (😉) und bewirb Dich jetzt!

Beispiel 9:
Hilfe, unsere Chefin wurde wegbefördert! Nicht so, wie es manchmal in der Zeitung steht – sondern ganz einfach, weil sie einen richtig tollen Job gemacht hat – können wir aus eigener Erfahrung bestätigen. Jetzt suchen wir also eine Nachfolgerin oder Nachfolger. Wir sind ein kleines Team aus fünf Personen, ziemlich pflegeleicht, wie wir finden… Auf jeden Fall gut einspielt, mit Herzblut bei der Sache und fast immer gut drauf. Und Lust darauf, noch ein paar richtig coole Dinge anzupacken, haben wir auch. Wir freuen uns auf Sie als unsere neue Chefin oder Chef!

Beispiel 10:
Kürzlich schrieb ein ehemaliger Mitarbeiter aus unserer Firma auf der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu, wir wären ein «verstaubter Laden» und beklagte «unfähige Chefs» und «mühsame Prozesse». Darüber haben wir uns in unserem Team (bestehend aus fünf Kolleginnen und Kollegen) herrlich amüsiert – in unserer Kaffeelounge, die wir uns im letzten Jahr dank unseren unfähigen Chefs und in total mühsamen Entscheidungsrunden, die doch tatsächlich insgesamt drei Tage dauerten, selber eingerichtet haben. Glaubst Du nicht? Ruf mich einfach mal an (078 766 66 66) und ich sage Dir, wie es bei uns wirklich zu und her geht.

Noch immer nicht genug? Okay, einen habe ich noch…
Es gibt wichtigeres als die Arbeit, auch bei uns. Darum freuen wir uns für Sabine. Ihren Entscheid, sich in nächster Zeit ganz ihren Zwillingen zu widmen, können wir verstehen. Aber gerne, ganz ehrlich, lassen wir sie nicht ziehen. Sabines Glück ist jetzt ja vielleicht auch Dein Glück. Wir wollen ihre Stelle als [] nämlich so schnell wie möglich mit einer netten Arbeitskollegin besetzen, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zu uns passt. Was da so auf dich zukommt, steht in der Stellenanzeige. Wenn Du zusätzlich auch wissen willst, wie wir so ticken, dann ruf Sabine (bitte nur Mittwochs: 044 123 45 67) an. Sie ist noch bis Ende März bei uns und verrät Dir, wie es «hinter den Kulissen» bei uns so zu und her geht.

Einen Allerletzten habe ich noch: Funktioniert auch mit Personen, die das Unternehmen kennen, aber vielleicht nicht ganz so nah dran sind – spannen Sie doch einfach mal Kolleginnen oder Kollegen ein – oder Berater…

Noch mehr zum Thema? Dann schauen Sie doch in meine Personalmarketing-Plapperei: Dort geht es so zu und her:

Kennen Sie andere zauberschöne Beispiele, wie Stellen frisch und unkonventionell auf den Business Netzwerken geteilt wurden? Her damit, ich freue mich auf Ihre Zuschriften.

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