Ich geb’s ja zu: der Titel ist natürlich ein bisschen vermessen. Nein, er ist natürlich massloss übertrieben, ja vermutlich geradezu irreführend, auf jeden Fall unglaublich. Es ist ja kaum anzunehmen, dass meine Gedanken zu den Arbeitszeugnissen die Schweizer Arbeitswelt verändern. So grenzenlos ist noch nicht einmal mein Selbstvertrauen. Geben Sie sich also ganz locker meinen Zeilen hin.

 Nun, a propos locker: Mit meinem Vorschlag könnten die Schweizer Unternehmungen einfach mal so ganz nebenbei jährlich 10 Millionen (beinharte) Schweizer Fränkli einsparen – mindestens und jährlich wiederkehrend. Und die Behörden grad auch noch ein paar Millionen dazu. Aber lassen Sie meine Idee mit einer anderen Zahl beginnen: Neunundvierzig. Ja, 49 Titel listet der führende Schweizer online-Buchladen zum Thema… Arbeitszeugnisse auf.

Ich höre Ihren Aufschrei (absolut zu recht, notabene): Au nein, nicht schon wieder, das Thema ist nun wirklich ausgeleiert. Ja, wir wissen, dass die Aussagekraft der verklausulierten Papiere nur beschränkt ist (und jene, die selber Zeugnisse schreiben, wissen es speziell gut…). Vor lauter Wohlwollen wird geschleimt , was das Papier hergibt. Schönes Beispiel gefällig? Ja, und selbst weit über die HR Grenzen hinaus haben Menschen eine Meinung, eine eigene Erfahrung oder können zumindest von Kollegen eines Cousins der Schwiegermutter eine Anekdote zum Thema beisteuern. Arbeitszeugnisse sind dankbare Themen für die eingangs erwähnten Buchautoren, für Gewerkschaften, Rechtsschutzversicherungen, freischaffende Rechtsanwälte und deren teuren Seminare, für Richter und und und… Also: What’s new? Alles! Zumindest wenn es nach meinem gewagten und frischen (schliesslich muss ich dem Markenversprechen des Blogs gerecht werden) Vorschlag ginge.

Also: Lassen Sie uns die Arbeitszeugnisse ganz einfach abschaffen! Punkt. Schluss. Fertig. Stattdessen erhalten alle Arbeitnehmerinnen (ja ja, die Männer auch) ein, sagen wir einmal, Arbeitsbüchlein. Ja, genau: Ein Arbeitsbüchlein. Ich erinnere mich an den Milchmann in meiner Jugend in Niederuzwil – ja, dort gab’s noch das Milchbüchlein, in welchem die getätigten Einkäufe notiert wurden. Fein säuberlich, mit Datum und Einkäufen. Das Prinzip ist bewährt, bis heute. Denken Sie nur an den Impfausweis. Oder, wir als selbstlose Schweizer Landesverteidiger, an unser Militärdienstbüchlein (sofern Sie Ihres noch finden, ein paar Tausend sind ja derzeit in der Schweiz inklusive Waffe unauffindbar). Treue Begleiter über all die Jahre, diese Büchlein, alles Wichtige steht drin. Ein wunderbarer Vorstoss für meine Arbeitsbüchlein-Initiative. Da gibt es einfach einen Eintrag pro Arbeitgeber. Kurz und bündig und selbst für Hardcore-Zwischendenzeilenleser nicht fehl zu interpretieren. Von – bis – da – gearbeitet, alles andere ist eh nur floskeltriefende Beilage. Rechnen wir durch: Bei jährlich 600‘000 Arbeitszeugnissen à 20 Minuten à 50 Franken Stundenlohn sind da locker 10 Kisten (so würde dies unser Chefcontroller sagen) dring. Genial, oder? Nun, ich geb’s ja zu, die Sache hat einen Schönheitsfehler. Die Idee ist geklaut, bei den Russen, der früheren Sowjetunion um genau zu sein. Meine liebe Frau Olga kommt von da. Und in die Ehe hat sie ihr, Sie ahnen es, Arbeitsbüchlein mitgebracht. Grün, klein, schnörkellos – wenn man einmal von den Eindruck erweckenden Stempeln absieht. Aber ein bisschen Show billigen wir auch unseren neuen Arbeitsbüchlein zu. Trudowaja Knischka heisst das grüne Büchlein, zumindest würden wir des Kyrillischen Ungeübten dies in etwa so aussprechen. Dort sind dann in der Tat ganz einfach die verschiedenen Arbeitsstationen, die Tätigkeit und – schau an – die rechtlichen Grundlagen für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufgeführt. Natürlich müsste unser Arbeitsbüchlein rot sein, mit einem fetten Schweizerkreuz obendrauf. Aber sonst? Irgendwie doch praktisch und über eine online-Version könnten wir sicher noch diskutieren oder notfalls auch abstimmen. In diesem Sinne verabschiede ich mich für zwei Wochen zur vertieften Recherche nach Moskau und dann nach Kiev. Do Swidanja, auf Wiederlesen.