Ein Werbeinserat zeigt mir auf und manchmal schreit es mich geradezu an, welche Vorteile mir der Kauf des Produkts oder der Dienstleistung bringt. Profit. Gesundheit. Image. Was auch immer. Inserate schmeicheln, verführen, streicheln das Ego. Die Werbeinserate für Stellen sind hingegen purer Anachronismus.

„Langweilige, uninspirierte Inserate sind eher die traurige Regel als eine haarsträubende Ausnahme. In vielen Branchen wimmelt es von nichtssagenden Anzeigen. Das macht es für Firmen schwer, Fachleute zu gewinnen. Die Qualifikationen des Bewerberfeldes divergieren. Ein personell und finanziell aufwendiges Auswahlverfahren ist unausweichlich. Schlimmer ist es noch für Menschen, die auf der Suche sind. Was sie tatsächlich erwartet, wissen die Bewerber erst nach dem Vorstellungsgespräch. Wenn es schlecht läuft, am ersten Arbeitstag.“ Das schreibt die Süddeutsche Zeitung. Stimmt. Leider.

Ein Stelleninserate ist ein ganz normales Werbeinserat. Ausser dass es für Jobs und nicht für Produkte oder Dienstleistungen wirbt. Ein wenig von den „richtigen“ Inseraten abzuschauen, wäre gar nicht so schlecht. Ich picke einfach mal einen Punkt heraus. Stellen Sie sich vor:

  • Ein Werbeinserat für ein Theaterstück schreibt mit grossen Lettern, wie der Dresscode ist, dass man gefälligst pünktlich zu erscheinen hat und die Parkmöglichkeiten eingeschränkt sind.
  • Apple rückt bei seinem neuen iPhone X die Strahlenbelastung und den Preis in den Mittelpunkt.
  • TUI schreibt gross neben das Bild des neuen Kreuzfahrtschiffes, wir gross der Schadstoffausstoss ist.

Absurd. Klar, in der Werbung wird einem zuerst der Speck durch den Mund gezogen. Und dann, wenn man „heiss“ ist und nicht mehr anders kann, kommen noch ein paar Rahmenbedingungen dazu. Oft ein wenig versteckt, sicher aber nicht prominent.

Anders bei den Stelleninseraten. Da wird zuerst einmal mehr oder weniger ausführlich und mehr oder weniger konkret damit „geworben“, was man mitzubringen hat. Was man den lieben ganzen Tag zu tun hat. Die angenehmen Seiten des Berufslebens, was man nämlich als Gegenleistung erhält, schreibt man dann am Schluss hin. Getreu dem Motto:

Wenn es Dir noch nicht abgelöscht hat, dann werfen wir Dir jetzt ein paar Brosamen hin.

Die Süddeutsche zeigt am Beispiel der Inserate der Witt-Gruppe, dass es auch anders geht. Hier rücken zuerst einmal drei Vorteile des jeweiligen Jobs prominent ins Blickfeld:


 

Gut gemacht. Und eigentlich doch gar nicht schwer, oder? In der Schweiz gibt es auch einige wenige Beispiele, das Sanatorium Kilchberg bei Zürich gehört dazu:


 

Ist ja eigentlich ganz einfach, oder?

Meine Kollegin Elina Fleischmann hat mich kürzlich auf dieses witzige Instagram-Video-Jobinserat hingewiesen. Inhaltlich sicher nicht so aussagekräftig wie die gezeigten Beispiele oben. Aber es ist ja schliesslich auch Instagram. Witzig und wie es scheint maximale Aufmerksamkeit für wenig Geld.

Weitere Tipps als Sofortmassnahmen gibt es hier, wie immer komprimiert auf 100 Sekunden:

 

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