Ich gebe es zu: Ich habe mit mir gerungen. Jetzt ist mir plötzlich klar geworden: Ich mag dieses Start up namens RB Leipzig.

Als ich einst mein Talent den Ea-Talenten des FC Uzwil zur Verfügung stellte, trugen wir stolz Leibchen im FC Barcelona-Look, einem der Traditionsvereine. Tja, das mit den Traditionsclubs ist so eine Sache. Mit zunehmender Verärgerung beobachte ich die lächerlichen Anfeindungen gegen den neuen Emporkömmling aus Leipzig in der Fussballliga unseres nördlichen Nachbarn. Dass diese Liga ohne die Schweizer Fussballexporte von B wie Botteron, René bis S wie Sforza, Ciriaco kaum dieses Niveau hätte, ist wohl allen Experten klar. Oder fast allen. Auch in Leipzig steht mit Ersatztorwart Fabio Coltorti ein Schweizer auf dem Platz oder zumindest auf der Lohnliste. Aber darum geht es mir nicht.

Die Rasenballer aus Leipzig machen alles oder wenigstens ganz Vieles richtig. Man stelle sich vor, sie wären ein Start up, läck, was würden sie gefeiert. Sie bringen so vieles mit, mit dem sich so wunderbar Personalmarketing machen liesse:

  • Eine Vision
  • Eine klare Strategie und somit ein Stück weit Sicherheit für die Angestellten
  • Fähige Führungskräfte mit Weiblick
  • Entwicklungsmöglichkeiten / tolle Perspektiven
  • Eine gescheite Personalpolitik, die auf engagierten Talenten statt abgehalfterten Stars beruht
  • Sehr gute Arbeitsbedingungen
  • Attraktive Löhne und ein interessantes Anstellungspaket

Und vor allem verfügt das Start-up eine solide Finanzierung. Eine, von der klar ist, woher das Geld kommt. Es stammt aus dem Verkauf von alkoholfreien Getränken; nichts, wofür man sich schämen müsste. Wo ist das Problem?

Missbrauchte Markenbotschafter

Meine Sympathien definitiv in Richtung Osten Deutschlands ausschlagen liessen kürzlich die Schalker. Was habe ich gelacht: Da wurde den millionenschweren Schulabbrechern von den peinlichen Marketingstrategen des Vereins ein Transparent in die Hände gedrückt, das sie dann auf dem Rasen zeigen sollten. «Gegründet von Kumpeln und Malochern» stand drauf. Für wie blöd werden da Fans und Zuschauer verkauft?! Diese jungen Menschen haben mit den ihnen aufs Auge bzw. eben in die Hand gedrückten Ursprungswerten doch etwa so viel gemeinsam wie ein Veganer mit Salami. Was für eine lächerliche Aktion, ausgerechnet vom Verein, der sich von einem Despoten kaufen lässt, der das Völkerrecht mit Füssen tritt. Ehrlich: Warum soll ein Getränkekonzern nicht auch einen Fussballverein für sich aufspielen lassen so wie es die Pharmariesen (Bayer), Autokonzerne (Wolfsburg), Softwarehäuser (Hoffenheim ) oder Spediteure (HSV) tun?

Also, immer cool bleiben und auf sich selber schauen, bevor man austeilt – im Fussball wie auch in der Personalwerbung.

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