AAAACH-TUNG! STILLGESTANDEN!!! Die Schweizer Armee im Einsatz für Bologna, powered by Universität (HSG) St.Gallen. Im Rahmen meiner kleinen Serie „10 Tipps für frische Personalgewinnung“ habe ich für September den zweiten Tipp über die sechs Bausteine guter Arbeit (-geber) in Aussicht gestellt. Nun, treue Leserinnen und Leser denken sich vielleicht, Moment, habe ich doch schon einmal an dieser Stelle davon gelesen. Stimmt, in einem meiner ersten Posts habe ich darüber geschrieben. Ich gebe es ungerne zwar zu: Nach dem hervorragenden Zuspruch auf den ersten Tipp habe ich mir gesagt: Beim Zweiten kannst Du es Dir einfach machen und einfach auf den bereits erschienenen Beitrag verweisen. Copy-Paste, fertig, Versprechen gehalten, Weekend geniessen. Leider hat mir die Schweizer Armee – gemäss unserem Verteidigungsminister (fast) die Beste der Welt – einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nur für den Fall, dass Sie das mit der Besten Armee der Welt nicht glauben oder, noch sträflicher, auf die leichte Schulter nehmen: Ich meine es ernst. Okay, fast. Oder eigentlich gar nicht. Aber zumindest haben wir die besten Rekruten der Welt.

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Das hätten wir also geklärt. Nun, was beschäftigt mich eigentlich? „Offiziersschule wird Teil des HSG-Studiums“ lese ich da in 20 Minuten, der meistgelesenen Schweizer Zeitung. Und das führende Schweizer Fachmagazin HR-Today titelt: „Universität St.Gallen rechnet Armee-Kaderausbildung an“. Das ruft bei mir Erinnerungen an meine Militärzeit hervor, lässt meinen Ärger über Milliarden für neue Kampfjets erneut anschwellen und führt letztlich zu starken Zuckungen in den Fingerkuppen, die sich nun in einem kleinen Gewitter über der Tastatur entladen. Doch der Reihe nach.

Gute Führung und gute Chefs sind Motivatoren

Ich habe mir vor einigen Monaten Gedanken dazu gemacht, was gute Arbeit und gute Arbeitgeber ausmacht. Das Wissen darum ist zentral für die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt. Die Erkenntnisse aus verschiedenen Studien habe ich in meinen sechs Bausteinen guter Arbeit (-geber) zusammengefasst. In einem davon, „Teamgeist“, sind wichtige Führungswerte wie „Vorgesetzte als Vorbilder“ oder „Wertschätzung“ enthalten. Die Chefin oder der Chef kann mit seinem Tun viel zur Attraktivität der Arbeitsplätze beitragen. Dass der Faktor „Vorgesetzte“ mitentscheidend für die Arbeitszufriedenheit ist, wissen wir alle spätestens seit Frederick Herzberg seine Zwei-Faktoren-Theorie über die HR-Welt ausgebreitet hat. Gute Führung hat nicht erst seit der Generation Y, aber jetzt sicher noch verstärkt, ganz viel mit Kommunikation zu tun. Darunter versteht Bloggerkollege Christoph Athanas von metaHR richtigerweise unter anderem auch die Fähigkeit, Feedback zu geben und (vor allem) auch zu nehmen sowie eine gute Portion Fingerspitzengefühl, um Kritik konstruktiv ansprechen zu können.   

Renaissance der militärischen Führungsausbildung?

Mit dem Zusammengehen von Militär und Universität St.Gallen scheint die militärische Führungsausbildung fast so etwas wie eine Renaissance zu erleben. Über Jahrzehnte war eine Laufbahn in der Schweizer Milizarmee und die so über Jahre gewachsenen Seilschaften eine Art Turbolader für den beruflichen Aufstieg. Wenn dies dann noch in Verbindung mit einem Studium an der Schweizer Talentschmiede schlechthin, der Universität St.Gallen (HSG) geschah, waren Erfolg und Ansehen fast schon garantiert. Das Studium an der Schweizer Top-Universität und die militärische Karriere der Studenten wurde über Jahre geradezu zelebriert. Die Offiziere der HSG haben einen eigenen Verein und wenn Hauptversammlung angesagt ist lässt das Schweizer Militär auch mal einen Ausflug mit zwei Super-Pumas springen.

Nun, in den letzten vielleicht etwa 20 Jahren ist der Stellenwert der militärischen Führungsausbildung kontinuierlich gesunken (finde nicht nur ich). Den stolzen Schweizer Militärs passierte der grösstmögliche Gau: Der bewährte Feind aus dem bösen Osten war plötzlich weg und mit ihm auch die Existenzberechtigung ganzer Waffengattungen. Meldungen über Fehlplanungen häuften sich. Jeder Schweizer Wehrmann konnte noch mehr von den legendären Müsterchen über Leerläufe und sinnlose Arbeitsbeschaffung während der obligatorischen Militärzeit erzählen. Plötzlich wollen Viele ihr Gewehr nicht mehr zu Hause im Küchenschrank aufbewahren, ja das Stimmvolk konnte sogar über die Abschaffung der Armee entscheiden und erstaunlich viele legten ein Ja in die Urnen. Sinnkrise pur. Im Zuge dieser Entwicklung wollten immer weniger Unternehmungen die vielen Fehlzeiten ihrer militärischen Kader akzeptieren. Waren dies zuerst noch eher internationale Konzerne, so hielt sich die Begeisterung auch in den alteingesessenen Schweizer Firmen zu den militärischen Ambitionen ihrer Mitarbeiter immer mehr in Grenzen. Selbst in der Finanz- und Versicherungsbranche, der mit Abstand beliebtesten beruflichen Zieldestination der St.Galler Universitätsabgänger mit höherem militärischen Grad, kühlte sich das Verhältnis zum Militär ab. Diese Entwicklung hat aber nicht nur mit der Sinnkrise im Schweizer Militär zu tun. Sie geht auch einher mit der zunehmenden Erkenntnis, dass im einundzwanzigsten Jahrtausend teilweise andere Führungsqualitäten gefragt sind und diese auch anderswo mindestens so gut erworben werden können. Nicht nur die Generation Y, auch wir „Mittelalterlichen“ verlangen stark wie nie Freiräume und Entscheidungskompetenzen, wollen Vertrauen spüren und uns für eine sinnvolle Sache engagieren, wünschen uns Vorgesetzte mit Coachingfähigkeiten, wollen überzeugt werden und uns für tolle Projekte einsetzen. Ich zweifle nicht daran, dass im Rahmen einer militärischen Karriere Wissen und Erfahrungen erworben werden, die auch in der Führung in Unternehmungen wertvoll sind. Ich denke aber, dass die Armee nicht mehr unbedingt die bestgeeignetste Institution ist, sich die heute gefragten Führungseigenschaften anzueignen. Da wird wohl auch das Zusammenspannen von HSG und Militär nicht viel daran ändern – obwohl ich die Idee an sich gerade auch aus Marketingsicht bemerkenswert finde.

Führung im Militär und im Beruf mit unterschiedlichen Grundsettings

Führung in Militär und in der Wirtschaft haben zwei komplett unterschiedliche Grundsettings. Etwas vereinfacht gesagt: im Militär muss man, im Unternehmen darf man. Im Gegensatz zum Militär arbeitet man weitgehend freiwillig im Unternehmen seiner Wahl. Man hat Handlungsoptionen, im Militär nicht. Da kann man mir sagen, was man will: diese komplett unterschiedlichen Grundsettings beeinflussen die Führungskultur. Das Unternehmen 2.0 im einundzwanzigsten Jahrhundert braucht vielleicht nicht komplett, aber zumindest teilweise andere Skills. Dazu gehören Werte wie Vertrauen, Eigenverantwortung oder Teamfähigkeit. Für Buchautorin Svenja Hofert gehören letztere zu den Schlüsselkompetenzen für die Zukunft der Arbeit. Recht hat sie.

Und überhaupt: Die Zukunft der Führung liegt nicht beim Militär. Mir missfällt an der Idee der HSG, dass im Militär erworbenes Wissen angerechnet wird, an sozialen Einrichtungen oder als Familienmanager Erlerntes jedoch nicht. Irgendwie erscheint mir darum die Idee wie aus einer vergangenen Zeit. Die Zukunft gehört doch nicht dem Militär. Nein, die Zukunft der Führung ist weiblich! Jenseits der aktuellen Diskussionen um Sinn oder Unsinn von Quoten werden künftig Unternehmen und Länder mehr und mehr von Frauen gelenkt. „Wir wollen in Führung“, sagen sich immer mehr Frauen. Und angesichts der Finanzkrise treten immer stärker auch „softe“ Führungswerte in den Vordergrund. Der moralische Kompass ist so einer. Ziemlich anregend, wie ich finde. Bei Simone Janson finden Sie einen Appetizer zu diesem Thema (und vieles anderes Wissenswerte dazu).

So, jetzt bin ich mal wieder ordentlich abgedriftet. Eigentlich wollte ich ja „nur“ über die Bausteine guter Arbeit (-geber) sprechen. Also, dann trennen sich an dieser Stelle nun Ihre Wege:

a)      Wer bis jetzt konzentriert durchgehalten hat und Lust auf meine sechs Bausteine guter Arbeit (-geber) hat – bitte hier entlang.

b)      Wer nicht den ganzen Text gelesen hat oder gar anderer Meinung ist als ich: Antreten zum Strafexerzieren!

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Auf Wiederlesen.