Gibt es überhaupt neue Trends im Recruiting? Das fragte sich und seine Leser kürzlich Kollege Lutz Altmann in seinem Personalmarketingblog anlässlich der Präsentation der Recruiting Trends 2012 von Prof. Tim Weitzel vom CHRIS (hier übrigens ein Link zu den Schweizer Erkenntnissen dieser Studie). Eine gute Frage und eine spannende dazu. Ich will an dieser Stelle aber für einmal nicht über Karriere-Webseiten, Mobile oder Social Media Kanäle sprechen sondern…. über innere Werte. Auf die kommt es schliesslich doch an, sagt man ja so schön. Hat natürlich was – obwohl… natürlich wissen wir alle, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Also, keine Angst, bin nicht auf dem philanthropischen Pfingsttrip.

Und doch stellt sich auch in der Personalgewinnung die Frage nach den inneren Werten: womit können Arbeitgeber bei der Bewerbung ihrer Arbeitsplätze punkten? Oder, um es mit Henner Knabenreichs Tipps für gute Karriere-Webseiten zu formulieren, was zählt wirklich, wenn man nicht nur warme Luft kommunizieren will? Grundlage für die richtigen Inhalte in der Personalwerbung sind – Marketing für Anfänger, Lektion 1 – Kenntnisse über die Bedürfnisse der Kunden äh Arbeitnehmer – ist ja letztlich das Selbe. Zu diesem Thema gibt es ja bereits hunderte Studien und Umfragen. Diese kommen – zum Glück für uns Personalmarketer, denn das macht’s einfacher – häufig zu ähnlichen Ergebnissen. Der gemeinsame Nenner ist gross. In der Vorbereitung meiner künftigen Trainingsmodule für frische Personalgewinnung (Start im Herbst, diesen Sommer berichte ich hier darüber im Detail) habe ich fünf verschiedene Studien bzw. Modelle analysiert. Ja eigentlich waren es sechs Quellen – ich selber habe schliesslich als Arbeitnehmer auch meine Bedürfnisse (und nicht zu knapp, übrigens…). Herausgekommen sind als Essenz dieser Arbeiten meine sechs Bausteine guter Arbeit (-geber): Interessant und vielleicht auch etwas überraschend: Im ersten Baustein „Sicherheit“ findet sich der Aspekt des „unbefristeten Anstellungsvertrags“. An sich ist dies ja eigentlich nicht überraschend: Grundbedürfnis – Maslow – Herzberg… Sie erinnern sich. Eher überraschend ist, dass dieser Aspekt nicht in allen Studien erscheint, mindestens nicht in dieser Klarheit. Was vermutlich damit zu tun hat, dass nicht wenige der Studien oder Umfragen auf den Angaben eher jüngerer Zielgruppen basieren. Ein „unbefristeter Arbeitsvertrag“ hat dort logischerweise nicht den Stellenwert wie beim Familienvater oder der arbeitstätigen Mutter. Und wenn doch, wäre es für einen Zwanzigjährigen wohl verdammt uncool, so etwas zu sagen… Quelle dieser Aussage ist übrigens die Studie „Was ist gute Arbeit“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Auch wenn vielleicht nicht mehr ganz aktuell (2008), sind diese Erkenntnisse aus meiner Sicht speziell wertvoll, weil sie auf über 5000 ausgefüllten, umfangreichen Fragebögen basieren und nicht nur eine Handvoll Social Media Aficionados befragt wurden. Lassen Sie mich ganz kurz noch ein zweites Thema herauspflücken: zunehmend wichtig ist die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit. Viele Arbeitnehmer sind hierzulande in der glücklichen Lage, nicht einfach den erstbesten Job annehmen zu müssen, um Miete und Krankenkassenprämien bezahlen zu können. Vielmehr wählen immer mehr ihren Arbeitsplatz auch nach ganz anderen Kriterien aus: Etwas Sinnvolles zu tun, ein Ergebnis des eigenen Tuns zu sehen oder zu erleben und darauf stolz zu sein (Dritter Baustein: Arbeit). Diese zwei Themen – Sicherheit und Sinnhaftigkeit – stehen beispielhaft für die grosse Chance für Branchen wie die des öffentlichen Verkehrs, mit den wirklich grossen, sexy Marken und Konzernen mitzuhalten. Der öffentliche Verkehr hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert und geniesst viele Sympathien. Die Mobilität wächst weiter, in Zürich soll der öffentliche Verkehr den zusätzlichen Verkehr vollumfänglich auffangen. Neue Linien werden gebaut, das Angebot verdichtet: Der öffentliche Verkehr ist eine Wachstumsbranche mit sinnvollen Dienstleistungen und darum sicheren Arbeitsplätzen. Wow, was für eine Ausgangslage für mich und meine HR-Kolleginnen in den Verkehrsunternehmungen in der Schweiz! Jetzt müssen wir es nur noch an die Frau und an den Mann bringen, dass sich umsteigen lohnt. So, ist nun doch etwas länger geworden… Auf Wiederlesen.

 

P.S. Wenn Sie die kompletten sechs Bausteine guter Arbeit (-geber) interessieren, schicken Sie mir eine Mail. Ich sende sie Ihnen gerne zu.