Am heutigen Equal Pay Day, dem 9. März,  „feiern“ wir ein zweifelhaftes Ereignis: Bis heute mussten die Frauen in der Schweiz Gratisarbeit leisten. Erst danach verdienen sie bis Ende Jahr gleich viel wie die Männer. Dieses „Schwellendatum“ macht deutlich, dass es nach wie vor ungleiche Löhne für gleichwertige Arbeit gibt. Die Zürcher Frauenzentrale kämpft dagegen an. Mit frechmutig guter Werbung statt verbissenen Parolen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dieses zentrale Anliegen der Gleichstellungspolitik sollte eigentlich selbstverständlich sein. Sollte. Fakt ist, dass Frauen schweizweit für gleiche Arbeit noch immer nicht gleich viel verdienen. Rund 20 Prozent soll der „Gender Gap“ ausmachen. Mag sein, dass, wie Kritiker monieren, diese Zahl unscharf ist, es aufgrund von Teilzeit und anderen Effekten zu Verzerrungen kommt. Dass es aber tatsächliche Lohndiskriminierungen noch immer gibt, scheint traurige Realität zu sein.

Weiblich darf nicht weniger wert sein

Seit vielen Jahren kämpft auch die Zürcher Frauenzentrale darum, endlich auch in Lohnfragen eine echte Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen. Sie tut das mit Kampagnen, die sich durch ihre pointierten Aussagen von langweiligen Einerlei der „Gleichstellungswerbung“ abheben und genau darum Aufmerksamkeit schaffen. Und darum geht es ja schliesslich im „war of eyeballs“. In der vor wenigen Tagen lancierten und von Publicis hervorragend inszentierten Kampagne bringt die Frauenzentrale ihre Botschaft mit einem Augenzwinkern an die Frau und vor allem an den Mann. Toll gemacht, die feine Ironie und die aussagekräftigen Bilder und Trailer regen zum Nachdenken an.

Der Casefilm zeigt auf, welche Kommunikationskanäle und Formate Publicis für die Frauenzentrale entwickelt hat:

Die Frauenzentrale ist schon früher mit ihrer aussergewöhnlich guten Werbung aufgefallen:

„Die Lohnunterschiede sind immer noch gross“

Andrea Gisler ist geschäftsführende Präsidentin der Frauenzentrale Zürich. Ich konnte die engagierte Anwältin zur neuesten Kampagne befragen:

Frau Gisler, warum sind solche Kampagnen noch immer nötig?

Andrea Gisler HinwilAndrea Gisler: „Der Grundsatz der Lohngleichheit für Frau und Mann ist seit über 30 Jahren in der Bundesverfassung verankert. 1996 ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft getreten, das die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben bezweckt. Dennoch sind die Lohnunterschiede immer noch gross. Die Frauenzentrale Zürich will mit ihrer Kampagne auf diesen Missstand aufmerksam machen und Frauen ermutigen, sich zu wehren.“

Wie errechnet sich die Differenz in den Löhnen – und überhaupt: Stimmt das wirklich?

Andrea Gisler: „Grundlage bildet die Schweizer Lohnstrukturerhebung, die alle zwei Jahre vom Bundesamt für Statistik durchgeführt wird. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2012 ergab sich ein Lohnunterschied von 18,9 Prozent, im Jahr 2010 waren es 18,4 Prozent. Ein Teil dieser Lohnungleichheit ist erklärbar, etwa durch Dienstjahre, Stellung im Betrieb oder Ausbildungsniveau. Doch es bleibt ein gewisser Teil (rund 40 % der Differenz), der nicht erklärbar und damit diskriminierend ist.“

Welche Lösungen für volle Lohngleichheit sehen Sie bzw. raten Sie Unternehmen?

Andrea Gisler:Lohngleichheit liegt im Interesse von Unternehmen. Faire Arbeitsbedingungen motivieren Mitarbeitende und steigern zudem die Attraktivität eines Unternehmens. Sinnvoll ist es, wenn Unternehmen ein Lohnsystem mit Lohnbändern definieren und Bewertungskriterien festlegen. Für die Überprüfung ihrer Lohnpraxis stehen Unternehmen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, zum Beispiel Logib. Mit diesem Lohngleichheitsinstrument des Bundes können Löhne einfach und schnell überprüft werden. Unternehmen tun gut daran, Lohnungleichheiten in nächster Zeit aktiv anzugehen. Der Ruf nach staatlichen Eingriffen wird auf politischer Ebene immer lauter.“

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Gisler. Und viel Erfolg. Möge dies die letzte Kampagne sein, die nötig ist – auch wenn es vom „werberischen Genuss“ her schade wäre.

Gute Werbung für eine gute Sache

Den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) ist die Gleichstellung in jeder Facette des Arbeitslebens ein wichtiges Anliegen. Der Lohn gehört ganz selbstverständlich dazu. Eines der Mittel, um eine tatsächliche Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen, Ausländerinnen und Schweizern, sicherzustellen, ist die Lohntransparenz, ja generell ein entkrampfter Umgang mit dem Lohn. Auch deshalb publizieren die VBZ bei allen ihren freien Stellen immer auch den Lohn. Oder sie nutzen gesellschaftliche Aufmerksamkeit, um mit einem Augenzwinkern auf ihre personalpolitische Haltung der Gleichbehandlung aufmerksam zu machen.

Und natürlich haben sich auch die VBZ von der zauberschönen Kampagne der Frauenzentrale inspirieren lassen und das Original…

… auf die VBZ übersetzt:

Gleicher Lohn VBZ

Alles klar?!

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