Ein schlechter Teamgeist gehört zu den meistgenannten Kündigungsgründen. Ein starkes Argument, ihn zu pflegen. Und mit ihm zu werben.

Die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken gehören schon seit Jahren zu meinen Personalmarketinglieblingen. Ich denke da zum Beispiel an das emotionale Video für die Nachwuchswerbung – emotional und einfach schön gemacht.

Und ich denke daran, wie elegant der Teamgeist ins Zentrum der Personalwerbung gerückt wurde und die Bewerbung massiv vereinfacht wurden – damit waren sie vor Jahren ihrer Zeit voraus.

Der Teamgeist wurde seinerzeit auch mit Video beworben.

Die Konkurrenz schläft nicht und teamgeist-erleben.de wurde einer kleinen Schönheitsoperation unterzogen – auch wenn das nicht zum Kerngeschäft der Klinik gehört (okay, der Witz ist etwas flach, ich gebe es ja zu).

Refit von „Teamgeist erleben“

Wie auch immer. Der Refit hat sich gelohnt, der Auftritt rund um die fünf Mitarbeitenden, die jeweils für einen der Arbeitgebervorteile stehen, wirkt aufgeräumt, frisch und hell. Das gilt auch für die Stelleninserate, kein unnötiger Textfirlefanz, dafür bildstark und freundlich.

Und natürlich wird auch Instagram genutzt, ja eigentlich fast schon Standard heutzutage.

https://www.instagram.com/p/B2lanv_nfpM/?utm_source=ig_web_copy_link

Der Trumpf im Kampf um die Talente dürfte aber nicht in erster Linie die Investition in den Arbeitgeberauftritt sein, sondern jene in die Anstellungsbedingungen der rund 200 Pflegefachkräfte.

Bei den Anstellungsbedingungen ansetzen

Deren Wochenarbeitszeit wurde von 38.5 auf neu 35 Stunden herabgesetzt. Die Folge: Kürzere Dienstschichten mit dementsprechend längeren Erholungsphasen und im Schnitt rund 1.5 zusätzliche Freitage im Monat. Das nenne ich eine massive Verbesserung der Rahmenbedingungen. Klar, dass die Frankfurter das auch geschickt ausspielen:

Doch: Sorgte die einseitige Reduktion ausschliesslich bei den Pflegeprofis nicht für Neid oder gar böses Blut bei den anderen Personalgruppen?

Yvonne Aulerich, die für Arbeitgebermarke zuständige Referentin, winkt ab: «Natürlich gab es die eine oder andere kritische Stimme. Aber insgesamt haben die Mitarbeitenden schon verstanden, dass jede Personalgruppe halt so ihre speziellen Goodies hat. Bei den Assistenzärztinnen und -ärzten sind es zum Beispiel die Weiterbildungen, die wir grosszügig finanzieren. Oder die Verwaltungsbereiche profitieren von mehr Zeitflexibilität als die Schichtdienstleistenden.»

Es wirkt

Der Kampf um Talente wird bei den sich immer mehr angleichenden übrigen Anstellungsbedingungen verstärkt über die Arbeitszeit ausgefochten. «Zeit für mich» – ein zentrales Bedürfnis. Die Frankfurter erfüllen es besonders gut. Denn, logisch, weniger Arbeitszeit heisst zwangsläufig mehr Freizeit. Diese Lösung scheint bei den Zielgruppen anzukommen. «Die Bewerbungen haben deutlich angezogen», zieht Yvonne Aulerich eine erste Bilanz.

Spannender Ansatz, viel Erfolg weiterhin!

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